Dr. Jeffrey Thompson arbeitet mit Klängen, um den Menschen dabei zu helfen, ihren normalen gesunden Zustand wiederzuerlangen.

Jeder Mensch sehnt sich im tiefsten Innern nach Entspannung und Ruhe, die wir zum Beispiel in der Natur oder in unseren Gebetshäusern suchen und finden. Doch was ist mit dem Rest der Zeit? Der Lärm lauert an jeder Straßenecke, um über uns herzufallen. Egal wo wir uns gerade aufhalten - es ist so gut wie unmöglich geworden, sich der allgegenwärtigen Beschallung durch Straßenverkehr, Handytelefonate usw. zu entziehen. Unser Alltag ist heute lauter denn je. Wie aber wirkt sich diese Geräuschkulisse, diese neue Welt der nie versiegenden Klänge auf unseren Körper und Geist aus?

Um diese Frage zu beantworten, möchten wir Sie nun einladen, uns auf eine Reise zu begleiten, die Ihnen hoffentlich einige faszinierende neue Einblicke in die Beziehung des Menschen zu Klängen und Musik vermitteln kann. Unser Interviewpartner ist Dr. Jeffrey Thompson, Gründer und Direktor eines Zentrums for neuroakustische Forschung in Kalifornien. (Siehe auch: www.neuroacoustic.com) Er ist ein weltweit anerkannter Experte auf einem Gebiet, das sich vielleicht am besten mit dem Begriff Schwingungsmedizin beschreiben lässt. Als versierter Musiker und Komponist hat Dr. Thompson ein Verfahren entwickelt, das das Bewusstsein mit Hilfe von speziellen (frequenzmodulierten) Klang-Impulsen in Zustände versetzt, die eine Heilung von Körper und Geist ermöglichen und fördern. Dr. Thompson glaubt, dass uns die Klänge der Natur deshalb so sehr berühren, weil sie uns zum Beginn unserer Reise als Mensch und zu unseren primären Sinnen zurückführen.

Frage: Warum spielen Klänge und Musik sowohl in kultureller als auch in persönlicher Hinsicht eine so zentrale Rolle für uns Menschen?

Ich glaube nicht, dass mir jemals auch nur eine einzige Kultur auf der Welt untergekommen wäre, die nicht in der einen oder anderen Weise Klänge zu Heilzwecken einsetzt; etwa bei religiösen Riten oder zur Bewusstseinsveränderung. Ich denke, diese Tradition geht darauf zurück, dass wir schon sehr früh in unserem Leben mit Klängen in Berührung kommen. Wenn Mütter ihren Babys Wiegenlieder vorsingen, dann um sie zu beruhigen oder auch um sie wieder gesund zu machen.

Sind das unsere frühesten und ursprünglichsten Erfahrungen mit Klängen?

Nein. Schon lange bevor wir die ersten Wiegenlieder zu hören bekommen, machen wir im Mutterleib Erfahrungen mit Klängen; und diese Erfahrungen sind etwas, das alle Menschen teilen. Bestimmte Arten von Klängen bezeichne ich als Urklänge. Sie werden vom Unbewussten jedes Menschen erkannt und verstanden. Wie alt der Betreffende ist, welches Geschlecht er hat, in welcher Kultur er aufgewachsen ist und welche Sprache er spricht, ist dabei nicht von Belang. Die Klänge, die wir als Kind im Mutterleib hören, zählen definitiv zu dieser Kategorie.

Warum spielen Klänge in diesem Zusammenhang eine größere Rolle als Bilder?

Nach 16 Wochen ist der Fötus noch sehr klein. Aber sein Nervensystem ist bereits so weit entwickelt, dass alle Sinne funktionieren. Allerdings herrscht Dunkelheit, daher sind seine Augen noch arbeitslos. Sie empfangen keine Informationen. Nase und Mund wiederum sind gefüllt mit Flüssigkeit. Da bleibt kein Platz für Riechen oder Schmecken. Klänge hingegen verbreiten sich im Wasser sogar fünfmal besser als in der Luft. Die Ohren sind also bereits aktiv, und unser größtes Sinnesorgan, die Haut, ist sehr empfänglich für Vibrationen aller Art. So nehmen wir schon während unserer neun Monate im Mutterleib Vibrationen und Klänge wahr. Und die Klangumgebung dort ist sehr speziell: Das Fruchtwasser erzeugt bestimmte Geräusche, das Sprudeln von Wasserbläschen, der Herzschlag der Mutter, ihre Atemgeräusche und auch ihre Eingeweide. In dieser vielgestaltigen komplexen und dreidimensionalen Klangumgebung hat jeder Mensch auf Erden einige Monate seines Lebens verbracht. Wir alle teilen diese Erfahrung.

Wie nimmt der Fötus diese Klänge wahr?

Der Fötus ist klein, seine Ohren sind klein, und sein Trommelfell ist noch viel kleiner. Würde man sein Trommelfell aufblasen auf die Größe des Trommelfells eines erwachsenen Menschen und das Herz der Mutter in proportional gleichem Umfang, so würde dieses Herz ein ganzes Zimmer füllen. Welche Art von Klängen würde ein solches Herz erzeugen? Jedenfalls nicht die Art von Geräuschen, die man zu hören erwartet, wenn man das Herz eines Erwachsenen mit einem Stethoskop abhört. Es wäre ein sehr gedehntes, schleppendes und dumpfes Geräusch.

In welcher Verbindung steht diese Wahrnehmung mit dem Einsatz von Klängen in Therapien oder zur Entspannung?

Die meisten von uns haben im Urlaub schon einmal die Natur erkundet und dabei ein friedliches, schönes Gefühl von ‚Zurück zu den Wurzeln‘ verspürt. Woran liegt das? Wenn man die Klänge des Fruchtwassers aufnimmt und dann verlangsamt abspielt, hört sich das an wie Meeresrauschen. Viele der Geräusche, die wir in der Gebärmutter zu hören bekommen, klingen ähnlich wie andere Geräusche, denen wir später in der Natur begegnen. Das kann dann einen Wiedererkennungseffekt hervorrufen, der sich jedoch der Kontrolle durch unser rationales Denken entzieht.

Wenn man also aus dieser Art von Klängen einen Soundtrack bastelt, brauchen Sie einfach nur auf die Starttaste drücken, und Ihr Körper wird sich automatisch an eine sehr ursprüngliche Erfahrung erinnert fühlen. CDs zur Entspannung wiederum zeichnen sich in der Regel dadurch aus, dass Klänge aus der Natur in Musik eingebettet werden. Diese Klänge würde ich aber als sekundäre Urklänge bezeichnen, weil nicht alle Menschen dieselben Naturklänge in ihrem Leben zu hören bekommen.

Die Idee ist nun, die Wirkung der wiedererkennbaren Urkomponenten dieser Klänge soweit zu verstärken, dass sie eine Reaktion des Körpers auslösen. Und die Methode besteht darin, auf der Ebene des Unterbewussten Zugang zu frühesten Erinnerungen zu finden. So lassen sich Erfahrungen anzapfen, die man bereits im Mutterleib oder zu anderen Zeiten gemacht hat.

Sie nutzen Klänge nicht nur zur Entspannung, sondern auch um Stress zu bekämpfen. Können Sie uns eine Vorstellung von Ihrer Arbeit vermitteln?

Wenn jemand auf Stress reagiert (sich körperlich und seelisch auf eine als bedrohlich empfundene Situation einstellt), wissen wir sehr genau, was da auf rein physiologischer Ebene abläuft. Als erstes und empfindlichstes Organ reagiert das Herz auf Stress, daher liefert uns die Analyse der Herzschlagfrequenz wichtige Informationen.

Sie arbeiten mit Klängen, um den Menschen dabei zu helfen, ihren normalen, gesunden Zustand wiederzuerlangen. Wie funktioniert das?

Ich habe ein Verfahren entwickelt, bei dem Klänge so eingesetzt werden, dass sie den Patienten dabei unterstützen, dem Stress zu entkommen. Im Rahmen einer Analyse der Herzfrequenz-Variabilität meiner Patienten erkenne ich, wie gut oder schlecht ihr Herz schlägt. Dann mache ich mich auf die Suche nach genau abgestimmten Tonfrequenzen, die das autonome Nervensystem regelrecht dazu zwingen, die Kupplung zu treten. Für jeden Menschen gilt es da, seinen eigenen ganz persönlichen Klang zu finden. Zu vergleichen ist dies vielleicht am besten mit einer Opernsängerin, die ja auch genau den richtigen Ton treffen muss, wenn sie ein Glas vibrieren lassen möchte. In unserem Fall ist das Nervensystem das Glas. Wir gehen also davon aus, dass bestimmte Tonfrequenzen Ihr autonomes Nervensystem beeinflussen. Im Idealfall gelingt es uns, den richtigen Ton oder die richtige Frequenz zu treffen; dann erhalten wir die gewünschte Reaktion: Ihre Kupplung wird getreten, Sie koppeln aus dem hohen Gang aus und treten in einen Zustand der Entspannung ein.

Jetzt können wir dieses Phänomen ganz objektiv betrachten. Sobald wir den Klang gefunden haben, der das autonome Nervensystem unseres Patienten in den Leerlauf versetzt, können wir ihn mit Hilfe einer Spezialmethode therapeutisch nutzen. Über Kopfhörer werden diese niedrigen Frequenzen dann direkt in die Zellen des Patienten geschleust. Zudem brennen wir ihm diese Klänge auf eine CD, sodass er sie mit nach Hause nehmen und dort auf seiner Stereoanlage abspielen kann. Diese Entspannungs-Methode wird über einen längeren Zeitraum angewandt. Das Ganze funktioniert wie ein inneres Trainingsprogramm. Mit jedem Mal, wo Ihr Nervensystem die Kupplung tritt, fällt es ihm leichter, den Gang heraus zu nehmen. Das Prinzip ist dasselbe wie beim Muskelaufbau im Fitnessstudio. Es handelt sich hier also um eine Art High-Tech-Stress-Bewältigungsprogramm für das Nervensystem mit Hilfe von Klängen. 

Mustafa Tabanli

Letzte Änderung am 27.09.2017
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