Kriegsgebiete aus der Perspektive eines erfahrenen Kriegs- und Krisenreporters. Seine Filme wurden mehrfach für kritischen Journalismus prämiert.

Auch in diesem Jahr hat das INID-Institut im Rahmen der Interkulturellen Woche eine besondere Veranstaltung organisiert. Als Referent wurde einer der renommiertesten Kriegsreporter eingeladen: Ashwin Raman.

Raman stellte unseren Gästen im Lesecafé der Zentralbibliothek Hamm seinen neuesten Dokumentationsfilm "Im Nebel des Krieges" vor: Gefechte, Kampfpiloten, die teilweise gar nicht wissen, wen oder was sie im Zuge ihrer Mission bombardieren oder leichtfertig von Kollateralschaden im Bezug auf Menschenleben reden, zerstörte Städte und Familien... Und darüber hinaus entsetzliche Bilder von den Frontlinien zum IS aus dem Irak und Syrien, die man so in den Nachrichten nicht zu sehen bekommt.

Im Anschluss hatten wir die Gelegenheit, Raman nach seinen persönlichen Erfahrungen zu fragen. 1968 war er zum ersten Mal im Irak gewesen und hatte damals schon erste Bekanntschaften und Freundschaften geschlossen. Nach dem 11. September 2001 reiste er des Öfteren dorthin. Nun ermöglichte ihm sein Netz von Kontakten den Aufenthalt in der Kriegsregion und die Aufzeichnung von Dokumenten, Bildern etc. Da er ohne ein Kamerateam unterwegs war und nur eine kleine Kamera mit sich führte, beschränkte er sich auf Nahaufnahmen, um nicht zur Zielscheibe zu werden. Er legte den Fokus darauf, Menschen in den Mittelpunkt zu rücken und Familien zu interviewen, wodurch es ich gelang, authentische Bilder zu liefern.

Seine Prognosen für die Zukunft der Region sind keinesfalls Freudenbotschaften. Zwar berichten die Medien von befreiten Städten, doch existiert dort oft kein Leben mehr, abgesehen von bewaffneten, patrouillierenden Milizkämpfern. Die Familien sind ausgezogen und geflüchtet. Raman vermutet einen sehr blutigen Kampf um Mosul, den blutigsten möglicherweise seit Beginn der IS-Offensive. 

Auf die Frage, wie der Bürgerkrieg enden könnte, ist sich Raman sicher, dass dies nicht durch militärische Eingriffe geschehen werde. Der IS habe die gesamte Infrastruktur der Region in der Hand. Er sei eine durchorganisierte Organisation, die sich von den Terrornetzwerken wie Al-Qaida sehr stark unterscheide. Der IS verfüge über sehr wichtige, strategische Einnahmequellen (Strom, Öl, Menschenhandel etc.), die ihm tagtäglich eine Summe von mindestens einer Million Dollar einbringen und die Region von ihm abhängig machen.

Weiterhin stellte Raman die Situation vor Ort zusammenfassend folgendermaßen dar: Solange Saudi-Arabien und Katar den IS ideologisch und finanziell unterstützen und diese beiden Länder sich nicht mit dem Iran auf aufrichtige Verhandlungen einlassen, bestehe keine Aussicht auf eine Lösung der Konflikte. Es sei ein Zusammenspiel von Waffen, Geld, Macht und Ideologien, unter dem die Menschen gezwungenermaßen leiden. Eines sei klar: Niemand nehme Rücksicht auf die Menschen, die unter diesen Bedingungen leben müssen, obwohl sie keine der Interessen der Machtstrategen teilen, die über ihre Häupter hinweg entscheiden.

Die betroffenen Menschen verlieren ihre Heimat und ihre Familien und werden ins Unglück gestürzt. Ihre Existenz bekümmert keinen, ihre Geschichten werden vergessen. In unseren Gedanken bleiben sie nicht mehr als Zahlen wie in der Nachricht: "Anschlag auf den Marktplatz in Bagdad, 236 Tote und 300 Verletzte. Die IS bekennt sich zu der Tat. Nun zum Wetter..."

Die Veranstaltung endete mit einer Danksagung und der Aushändigung einer Spende des Instituts an die Hinterbliebenen der in Kriegsgebieten gefallenen Journalisten, die Raman persönlich an die Familien übergeben wird.

Sein aktuellster Dokumentationsfilm „An vorderster Front“ wird am 12. Oktober 2016 bei ZDF erscheinen.

Adem Yildirim

Letzte Änderung am 04.10.2016
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