AL-QASAS

 Sure 28

DIE GESCHICHTE

offenbart in Mekka

Diese Sure umfasst 88 Verse und wurde in Mekka offenbart. Ihr Titel geht auf das Wort qasas aus Vers 25 zurück. Zunächst befasst sie sich erneut mit dem Leben des Propheten Moses und dessen Sendung, verkündet aber auch dem Gesandten Gottes und den Gläubigen frohe Botschaft.

Die Geschichte der Kinder Israels ist ein Beispiel für die Entwicklung der Geschichte der Menschheit und der Zivilisationen. Darüber hinaus ist der Prophet Moses – Friede sei mit ihm – in vielerlei Hinsicht dem Gesandten Gottes ähnlicher als irgendeiner der anderen Propheten (so etwa darin, dass er ein neues Gesetz brachte und gegen seine Feinde kämpfte). Aus diesem Grund wird er auch häufig im Koran erwähnt.

Die nachfolgende Passage aus dem Alten Testament kündigt das Erscheinen des Propheten Muhammad – Friede sei mit ihm – an und lenkt die Aufmerksamkeit auf diese Ähnlichkeit zwischen ihm und dem Propheten Moses – Friede sei mit ihm.

Damals sagte der Herr zu mir (Moses): „Was sie von dir verlangen, ist recht. Einen Propheten wie dich will Ich ihnen mitten unter ihren Brüdern erstehen lassen. Ich will ihm Meine Worte in den Mund legen und er wird ihnen alles sagen, was Ich ihm auftrage. Einen Mann aber, der nicht auf Meine Worte hört, die der Prophet in Meinem Namen verkünden wird, ziehe Ich Selbst zur Rechenschaft. (Altes Testament, Deuteronomium [5. Moses], 18:17-19)

Aus diesen Versen geht eindeutig hervor, dass mit der Formulierung einem Propheten wie dich mitten unter ihren Brüdern ein Prophet aus der Linie von Ismael gemeint ist, denn Ismael war der Bruder von Isaak, dem Vorfahren der Kinder Israels. Der einzige Prophet, der nach Moses aus dieser Linie hervorging und ihm in vielem glich, ist der Prophet Muhammad – Friede sei mit ihm. Im Koran findet sich ein Hinweis darauf im folgenden Vers: Wahrlich, Wir haben zu euch (o ihr Menschen) einen Gesandten geschickt, der Zeugnis gegen euch ablegen wird (jemanden, der im Jenseits eure Taten als Erwiderung auf Gottes Botschaft bezeugen wird), geradeso wie Wir zu dem Pharao einen Gesandten geschickt haben. (73:15)

IM NAMEN GOTTES, DES ERBARMERS, DES BARMHERZIGEN!

1. Tā. Sīn. Mīm.

2. Dieses sind die Offenbarungen des Buches, das in sich eindeutig ist und klar die Wahrheit aufzeigt.

3. Wir übermitteln dir nun in Wahrheit einige der beispielhaften Ereignisse, die zwischen Moses und dem Pharao stattgefunden haben, für Menschen, die bereit sind zu glauben und deren Glaube sich vertieft.

4. Der Pharao wurde zu einem hochmütigen Tyrannen im Land (Ägypten) und spaltete sein Volk in Gruppen. Die eine der Gruppen erniedrigte und unterdrückte er, indem er ihre Söhne hinmetzelte und ihre Frauen am Leben ließ (nur um sie noch tiefer zu demütigen und leiden zu lassen). Er gehörte gewiss zu denen, die Unordnung anrichten und Unheil stiften.

5. Und Wir wollten jenen Unsere Gnade zuteil werden lassen, die erniedrigt und unterdrückt wurden im Land, und sie zu vorbildlichen Anführern machen (damit sie die Menschen auf dem Weg zu Gott und in ihrer Lebensweise rechtleiten sollten) und sie zu Erben (des Ruhms von Pharao und des Landes, in dem Wir dem Volk Gnadenbeweise gewährt hatten) machen;

6. Und ihnen Macht und Ansehen im Land geben und den Pharao und Haman und ihre Heerscharen das erleben lassen, was sie von ihnen (den Menschen, die sie unterdrückt hatten) befürchteten.

7. Wir gaben der Mutter von Moses ein, indem Wir sagten: „Stille ihn (für eine gewisse Zeit, ohne um sein Leben besorgt zu sein); wenn du Grund hast, Angst um ihn zu haben, dann setze ihn auf dem Fluss aus, und sei nicht ängstlich oder traurig. Wir werden ihn dir ganz gewiss zurückgeben und ihn zu einem Unserer Gesandten machen.“

8. Dann holten ihn die Angehörigen des Pharaos heraus, nur damit er (dereinst) zu ihrem Feind und einer Quelle des Kummers für sie werde. Wahrlich, der Pharao und Haman und ihre Heerscharen pflegten ständig Unrecht zu tun (sie gingen auf verbrecherische Weise mit den Menschen um, und insbesondere mit den Kindern Israels).

9. Die Frau des Pharaos sagte (zu ihm): „(Hier ist ein Knabe, der) für mich und dich ein Grund zur Freude (sein wird). Töte ihn nicht. Es mag sein, dass er uns Nutzen bringt oder dass wir ihn als Sohn annehmen.“ Sie waren nicht (dessen) gewahr (wie die Ereignisse vorbereitet wurden und was sich daraus schließlich noch ergeben sollte).

10. Und im Herzen der Mutter von Moses machte sich ein Gefühl der Leere breit, und beinahe hätte sie alles über ihn preisgegeben (weil sie hoffte, ihn so wieder zurückzubekommen), wenn Wir ihr Herz nicht gestärkt hätten, sodass sie wieder fest (an Unser Versprechen) glaubte.

11. Sie sagte zu seiner Schwester: „Folge ihm (insgeheim).“ So beobachtete sie ihn also aus der Ferne, ohne dass die anderen es bemerkten.

12. Wir hatten bereits vordem Ammen für ihn verwehrt (sodass er sich weigerte, Milch von den Ammen anzunehmen, die von der Königin herbeigerufen worden waren, um ihn zu stillen). Dann aber sagte seine Schwester (der es gelungen war, in den Palast hinein zu gelangen): „Soll ich euch eine Familie zeigen, die ihn für euch stillen und die für ihn sorgen und es gut mit ihm meinen wird?“

13. Und so gaben Wir ihn seiner Mutter zurück, auf dass sie sich freuen und ihren Kummer vergessen sollte und damit sie ganz gewiss erkennen sollte, dass sich Gottes Versprechen bewahrheitete. Doch die meisten Menschen wissen (dies) nicht.

14. Als Moses seine volle Manneskraft und Reife erlangt hatte, gewährten Wir ihm gesunde, weise Urteilskraft und besonderes Wissen. Auf diese Weise belohnen Wir jene, die sich bemühen, Gutes zu tun, als ob sie Gott sehen könnten.

15. (Eines Tages verließ er den Palast, wo er damals lebte, und) betrat die Stadt zu einer Zeit, als ihre Bewohner ihn nicht bemerkten; und er fand dort zwei Männer vor, die gegeneinander kämpften, einer aus seinem eigenen Volk und der andere von ihren Feinden (den dort ansässigen Kopten). Der aus seinem eigenen Volk rief ihn zu Hilfe gegen den anderen, der zu seinen Feinden gehörte. Da streckte Moses ihn mit der Faust nieder, sodass er (ohne dass Moses dies beabsichtigt hatte) starb. Er sagte: „Dies (die Feindschaft und das Kämpfen) ist das Werk Satans. Er ist fürwahr ganz offensichtlich ein Feind, der irreführt.“

16. Er sagte (indem er flehentlich betete): „Mein Herr! Ich habe mir fürwahr selbst Unrecht getan, so vergib Du mir.“ Da vergab Er ihm. Er ist wahrlich Derjenige, der vergebend und barmherzig ist (insbesondere gegen Seine gläubigen, reuevollen Diener).

17. „Mein Herr!“, sagte Moses, „da Du mich mit Deinen Gnadenbeweisen gesegnet hast, will ich niemals zum Helfer der Schuldigen werden.“

18. Nun befand er sich am Morgen in der Stadt, furchtsam und voll Sorge um sich blickend. Und der Mann, der ihn am Vortag um Hilfe ersucht hatte (erschien und) rief ihn abermals um Hilfe. Moses sagte zu ihm: „Du bist ganz offensichtlich ein streitsüchtiger Hitzkopf.“

19. Doch dann, als er schon über den Mann, der ihnen beiden ein Feind war, herfallen wollte, sagte er (der Israelite, der meinte, Moses werde ihn angreifen, weil er ihn lauthals gescholten hatte): „Moses, hast du vor, mich zu töten, wie du schon gestern jemanden getötet hast? Du möchtest nichts anderes als ein Gewalttäter werden in diesem Land; du willst nicht zu denen gehören, die die Dinge in Ordnung bringen!“

20. Dann kam ein Mann (vom königlichen Hofe) aus dem entferntesten Teil der Stadt herbeigeeilt (wo sich der Palast befand) und sagte: „Moses, die Würdenträger beraten soeben über deinen Fall, um dich töten zu lassen, darum verlasse die Stadt. Ich gehöre fürwahr zu jenen, die dir aufrichtig zugetan sind.“

21. Da verließ er die Stadt, furchtsam und voll Sorge um sich blickend. Er sagte (indem er flehentlich betete): „Mein Herr, errette mich vor diesen Menschen, die Unrecht tun und (andere) unterdrücken!“

22. Nachdem er sich in Richtung Midian (das am nächsten gelegene Land, welches nicht ägyptischer Herrschaft unterstand) auf den Weg gemacht hatte, sagte er: „Ich hoffe, mein Herr wird mich auf den richtigen Weg leiten (sodass ich vermeiden kann, von den ägyptischen Häschern aufgegriffen zu werden).“

23. Als er bei den Brunnen von Midian ankam, fand er dort eine Schar von Männern vor, die ihre Herden tränkten, und er fand außerdem zwei Frauen (junge Mädchen) dort, die ihre Herde zurückhielten. Er fragte: „Was ist mit euch beiden?“ Die beiden (Frauen) sagten: „Wir tränken unsere Herde nicht, ehe die Schafhirten mit ihren Herden abziehen. (Wir sind es, die diese Arbeit übernommen haben, denn) unser Vater ist ein sehr alter Mann.“

24. Da tränkte Moses ihre Herde für sie, und dann zog er sich in den Schatten zurück und sagte (in flehentlichem Gebet): „Mein Herr! Ich bedarf ganz gewiss dessen, was immer an Gutem Du zu mir herabschicken magst.“

25. Danach kam eines der beiden (jungen Mädchen) schüchtern auf ihn zu und sagte: „Mein Vater lädt dich ein, damit er dich dafür belohne, dass du unsere Herde für uns getränkt hast.“ Als er dann zu ihm kam und ihm seine ganze Geschichte erzählt hatte, da sagte er: „Mache dir keine Sorgen mehr! Du bist jetzt in Sicherheit vor denjenigen, die Unrecht tun und Unterdrückung ausüben.“

26. Eine der beiden Töchter sagte: „Vater, nimm ihn in deinen Dienst, denn der Beste, den du in Dienst nehmen kannst, sollte jemand sein, der stark und vertrauenswürdig ist (so wie es auf ihn zutrifft).“

27. (Der Vater) sagte zu Moses: „Ich möchte dich mit einer dieser beiden Töchter von mir verheiraten, sofern du mir acht Jahre lang dienst (entsprechend dem Mondkalender). Solltest du jedoch zehn Jahre vollenden, dann wäre dies ein Akt der Barmherzigkeit von dir. Ich möchte dir keine Unannehmlichkeit aufbürden. Du wirst, so Gott will, herausfinden, dass ich ein rechtschaffener Mensch bin.“

28. (Moses) antwortete: „So wollen wir, du und ich, es miteinander abmachen. Welche von den beiden Fristen auch immer ich erfüllen werde, es soll keinen Groll gegen mich geben. Gott ist Sachwalter über das, was wir sagen.“

29. Als Moses die Frist erfüllte hatte und mit seinen Angehörigen (in der Wüste) umherwanderte, erblickte er in der Richtung des Berges (Sinai) ein Feuer. Da sagte er zu seinen Angehörigen: „Wartet hier! Denn ich sehe in der Ferne ein Feuer; vielleicht kann ich euch von dort Unterweisung bringen (darüber, wo wir sind, und über den Weg, den wir einschlagen sollten), oder ich kann euch ein wenig Glut von dem Feuer bringen, damit ihr (ein Feuer entfachen und) euch wärmen könnt.“

30. Als er zu dem Feuer kam, wurde ihm von der rechten Seite des Tales auf gesegnetem Grund aus dem Baum heraus zugerufen: „O Moses! Wahrlich, Ich bin es, Ich bin Gott, der Herr der Welten.

31. Wirf deinen Stab nieder.“ (Er warf ihn hin, und) als er ihn (als große Schlange) sah, die (so eilig) dahinkroch, als sei es eine kleine Schlange, wandte er sich zur Flucht, ohne sich umzudrehen. „O Moses, komm herbei und habe keine Angst. Du (der du zum Gesandten auserwählt bist) gehörst fürwahr zu jenen, die sich in Sicherheit befinden.

32. Stecke deine (rechte) Hand in (das Gewand über) deiner Brust: Sie wird blendend weiß hervorkommen, ohne das geringste Übel, und nun halte deine Arme nahe an deinem Körper, ohne dich zu fürchten (und bereit, mein Gebot entgegenzunehmen). Dies sind zwei Beweise (dafür, dass du Mein Gesandter bist) von deinem Herrn (die du) dem Pharao und seinen Würdenträgern (vorweisen kannst). Sie sind fürwahr frevelhafte Menschen.“

33. (Moses) sagte: „Mein Herr! Ich habe jemanden von ihnen erschlagen, deshalb fürchte ich, dass sie mich töten werden (und mir nicht erlauben werden, Deine Botschaft zu überbringen).

34. Und mein Bruder Aaron - er besitzt mehr Zungenfertigkeit als ich, darum schicke ihn (indem Du auch ihn zum Gesandten auserwählst) ebenfalls mit mir als Helfer, der meine Wahrhaftigkeit bestätigt, denn ich fürchte fürwahr, dass sie mich zum Lügner erklären werden.“

35. Er sagte: „Wir werden dich durch deinen Bruder stärken und euch beide mit Kraft und Vollmacht ausstatten; und es wird ihnen nicht möglich sein, euch (irgendeinen Schaden, den sie für euch im Sinn haben) zuzufügen, weil sie sich vor Unseren Zeichen (Wundern) fürchten. Ihr beide und alle, die euch folgen, werden den Sieg davontragen.“

36. Als Moses zu ihnen (dem Pharao und seinen Würdenträgern) kam mit Unseren deutlichen Zeichen, sagten sie: „Dies (was ihr uns als Wunder präsentiert, um damit zu beweisen, dass ihr Gesandte seid) ist nichts weiter als Zauberei, Ausgehecktes. Und wir haben niemals von so etwas gehört (von dem Ruf zu Ihm, den ihr den Herrn der Welten nennt) während der Zeit unserer Vorfahren von früher.“

37. (Moses) sagte: „Mein Herr weiß am besten, wer mit echter Rechtleitung von Ihm gekommen ist und wem der letztendliche Aufenthaltsort der Glückseligkeit gehören wird (sowohl in dieser Welt als auch im Jenseits). Wahrlich, denen, die Unrecht tun, wird es nicht wohlergehen (und sie werden auch das ihnen gesteckte Ziel nicht erreichen).“

38. Der Pharao (wandte sich den Würdenträgern zu und) sagte: „O ihr Edlen! Ich weiß nichts davon, dass ihr eine andere Gottheit hättet außer mir. Wohlan denn, Haman, fache (den Schmelzofen) an, um Ziegel zu brennen, und errichte mir einen hohen Turm, damit ich einen Blick auf den Gott von Moses werfen kann, obwohl ich gewiss meine, dass er ein Lügner ist.“

39. So wurde er hochmütig im Land, er und seine Heerscharen, jeglichem Recht zuwider, und sie meinten, niemals zu Uns zurückgebracht zu werden (zur Aburteilung).

40. Deshalb erfassten Wir ihn und seine Heerscharen und stürzten sie ins Meer. So schau also, wie das Ende derjenigen war, die Unrecht taten!

41. Wir machten sie zu Anführern (beispielhaften Vorbildern) der Irreführung, die diejenigen (die ihnen zu folgen bereit waren) zum Feuer riefen. Und (obwohl sie sich in dieser Welt viele Menschen dienstbar machen) wird ihnen am Tag der Auferstehung nicht geholfen werden.

42. Wir veranlassen, dass sie in dieser Welt von einem Fluch verfolgt werden (und lassen sie noch an Sündhaftigkeit zunehmen, weil sie Anführer bei der Irreführung waren, die jene auf Abwege führten, die ihnen folgten), und am Tag der Auferstehung werden sie unter den Zurückgewiesenen sein (denen Gottes Barmherzigkeit völlig entzogen wird).

43. Und fürwahr, nachdem Wir jene früheren Generationen, die Unrecht getan hatten, untergehen ließen, gewährten Wir Moses das Buch (die Thora) als erleuchtendes Mittel zur Unterscheidung und Einsicht für die Menschen und als Rechtleitung und Barmherzigkeit, damit sie nachdenken und achtsam sein mögen.

44. (Alles, was Wir dir über Moses und das Buch, das ihm zuteil wurde, berichtet haben, ist eine Offenbarung, die Wir dir eingeben, o Muhammad, denn) du warst nicht anwesend an dem Ort, der auf der westlichen Seite (des Tales) lag, als Wir beschlossen, Moses die Gebote (in der Thora) anzuvertrauen, und du warst auch nicht zugegen (bei dem, was dort geschah).

45. Doch (nach ihnen) brachten Wir viele Generationen ins Dasein, und es gingen lange Zeiträume über sie hinweg. (Was du über sie berichtest, ist ebenfalls das, was Wir dir offenbaren, geradeso wie das, was du zu dem zu sagen hast, was Moses in Midian widerfuhr, gleichfalls eine Offenbarung ist. Denn) weder hast du unter den Menschen von Midian gelebt, damit du ihnen (den Bewohnern von Mekka) Unsere Offenbarungen überbringst (über das, was Moses in Midian tat). Vielmehr waren Wir es, die Gesandte geschickt haben (um Unsere Offenbarungen zu übermitteln).

46. Und du warst auch nicht zugegen auf der Seite des Berges Sinai, als Wir (Moses) riefen, sondern (wir offenbaren dir all dies) als Barmherzigkeit von deinem Herrn, damit du die Menschen warnen mögest, zu denen vor deiner Zeit keine Warner gekommen sind, auf dass sie nachdenken und achtsam sein mögen.

47. (Wir haben dich als Gesandten geschickt) damit sie nicht sagen können, wenn ein Unheil über sie hereinbricht (in dieser Welt oder im Jenseits) aufgrund dessen, was sie selbst mit ihren eigenen Händen vorausgeschickt haben: „O unser Herr! Wenn Du uns doch nur einen Gesandten geschickt hättest, dann hätten wir Deine Offenbarungen befolgt und würden unter den Gläubigen sein.“

48. Und doch, nun, da durch einen Gesandten die Wahrheit von Uns zu ihnen gekommen ist, sagen sie immer noch (um eine Ausrede dafür zu haben, dass sie sie als Lüge verwerfen): „Warum ist ihm nicht Gleiches wie das zuteil geworden, was Moses (alles auf einmal) gewährt wurde?“ Haben sie sich nicht vordem geweigert, an das zu glauben, was Moses gewährt worden war? Sie sagen: „Zwei Arten von Zauberei, die sich gegenseitig stützen.“ Sie sagen auch: „Wir glauben an das alles nicht.“

49. Sage (zu ihnen): „Dann bringt ein anderes Buch von Gott herbei, das bessere Rechtleitung bietet als jedes von diesen beiden, damit wir dies befolgen können, sofern ihr wahrhaftig seid (in eurer Behauptung, dass diese beiden Zauberei sind).“

50. Wenn sie nichts als Erwiderung vorzuweisen haben, dann wisset, dass sie nichts anderem als ihren Begierden und Wunschvorstellungen folgen. Doch wer geht mehr irre als der, der nichts weiter als seinen Begierden und Wunschvorstellungen folgt und dem es an jeglicher Rechtleitung durch Gott mangelt? Gott leitet fürwahr nicht Menschen recht, die sich darauf einlassen, zu sündigen und Unrecht zu tun.

51. Wir haben ihnen wahrlich das Wort (einen Vers nach dem anderen, ein Kapitel nach dem anderen, zu ihrem eigenen Besten) übermittelt, damit sie nachdenken und achtsam sein mögen.

52. Diejenigen, denen Wir das Buch zuvor zuteil werden ließen, glauben durchaus daran.

53. Wenn es ihnen vorgetragen wird, dann sagen sie: „Wir glauben daran. Es ist ganz gewiss die Wahrheit von unserem Herrn. Wir haben uns fürwahr schon vordem (in den Willen Gottes) ergeben.“

54. Diesen wird ihr Lohn zweimal gewährt, weil sie standhaft (bei der Befolgung ihrer Religion) geblieben sind (sich von jeglichem Falschen ferngehalten und sich auf keinerlei Vorurteile eingelassen haben sowie an den Koran und Muhammad glauben und ihnen folgen); und weil sie das Üble durch das Gute abwenden, und weil sie von dem, womit Wir sie versorgt haben (an Reichtum, Wissen, Macht und dergleichen), spenden (für Gottes Sache und für die Bedürftigen, und zwar einzig und allein, um Gottes Wohlgefallen zu erlangen und ohne anderen Verantwortung aufzubürden).

55. Wenn sie irgendwelches unnützes (sinnloses oder streitsüchtiges) Gerede hören, dann wenden sie sich davon ab, ohne sich darauf einzulassen, und sagen (zu denen, die darein verwickelt sind): „Wir haben unsere Taten, die uns angerechnet werden, und ihr habt eure Taten. Friede sei mit euch! Wir wollen uns nicht mit den Unwissenden (jenen, die sich der Rechtleitung Gottes geradeso wenig bewusst sind wie dessen, was richtig und was falsch ist) einlassen.“

56. Du vermagst nicht zur Wahrheit zu leiten, wen immer du möchtest, doch Gott leitet, wen immer Er will. Er kennt jene am besten, die rechtgeleitet sind (und der Rechtleitung folgen).

57. Sie sagen: „Sollten wir gemeinsam mit dir der Rechtleitung folgen, dann würde das unseren Untergang in unserem Land bedeuten.“ Haben Wir ihnen nicht eine Aufenthaltsstätte in einem sicheren, geschützten Bezirk gegeben, zu dem als Versorgung von Uns Erzeugnisse aller Art gebracht werden? Doch die meisten von ihnen wissen nicht (dass Wir es sind, die sie beschützen und versorgen, und meinen, dass es ihre Anbetung von Götzen ist, die die anderen arabischen Stämme nach Mekka führt, um dort Handel zu treiben, und dass diese es sind, die sie davor bewahren, von jenen Stämmen angegriffen zu werden).

58. Und so manche Stadt haben Wir vernichtet, die sich übermütig mit ihrem Überfluss brüstete. Dies sind ihre Wohnstätten - mit Ausnahme einiger weniger Menschen, die sich dort nur für kurze Zeit aufhielten, sind sie nach ihnen nie wieder bewohnt worden. Stets sind Wir die Erben (Wir, die Wir als ewig Lebende bleiben werden, wenn alle anderen dahingegangen sind).

59. Doch dein Herr zerstört niemals Städte, ohne zuvor in ihrer Muttergemeinde einen Gesandten erweckt zu haben, der ihnen Unsere Botschaften überbringt. Wir zerstören keine Städte, es sei denn ihre Bewohner sind Frevler (die Gott Teilhaber zur Seite stellen und sich auf vielfältige Ungerechtigkeiten einlassen).

60. Was immer euch (in dieser Welt) gegeben wird, ist nur zum vorübergehenden Genuss des gegenwärtigen irdischen Lebens und dessen Annehmlichkeiten bestimmt; was Gott jedoch für euch bereithält (als Belohnung für euer rechtes Handeln, die Er euch weit über euer tatsächliches Verdienst hinaus gewähren wird), ist viel besser und währt länger. Wollt ihr denn nicht nachdenken und begreifen?

61. Ist also der, dem Wir ein schönes Versprechen gegeben haben (Vergebung und das Paradies), das für ihn in Erfüllung gehen wird, wie der, den Wir für eine bestimmte Zeit die guten Dinge des gegenwärtigen, irdischen Lebens genießen lassen, der aber am Tag der Auferstehung unter jenen sein wird, die (zur Aburteilung) vor Gericht stehen werden?

62. An diesem Tag wird Gott sie rufen und fragen: „Wo sind also nun diejenigen (Wesen, Dinge und Mächte), von denen ihr behauptet habt, dass sie Meine Teilhaber sind?“

63. Diejenigen (die andere dazu verleiteten, Gott Teilhaber zur Seite zu stellen), gegen die Gottes Beschluss der Bestrafung verwirklicht worden ist, werden sagen: „Unser Herr! Jene, die wir irregeleitet haben, die haben wir nur irregeleitet, weil wir selbst irregegangen waren (sie haben uns freiwillig nachgeahmt, wir haben keinen Zwang auf sie ausgeübt). Jetzt, in Deiner Gegenwart, erklären wir uns für unschuldig (daran, dass sie uns zu Deinen Teilhabern genommen haben). Sie haben nicht uns angebetet. (Vielmehr haben sie ihre eigenen, den niederen Begierden verhafteten Seelen angebetet.)“

64. Und es wird (zu denen, die Gott Teilhaber zur Seite stellten) gesagt werden: „Ruft eure Teilhaber-Gottheiten jetzt um Hilfe an!“ Da werden sie sie anrufen, doch sie werden ihnen nicht antworten; und sie werden die Strafe vor sich sehen. Wenn sie doch nur der richtigen Leitung gefolgt wären!

65. An diesem Tag wird Gott sie (abermals) rufen und fragen: „Was für eine Antwort habt ihr den Gesandten gegeben?“

66. An diesem Tag werden (alle Mittel und Wege zur Einholung von) Erkundigungen für sie verfinstert sein, und sie werden sich nicht (einmal) gegenseitig befragen können.

67. Was aber die angeht, die bereuen und glauben und gut, rechtschaffen handeln, so dürfen sie durchaus darauf hoffen, zu denen zu zählen, denen es wohlergeht.

68. Dein Herr erschafft, was immer Er will, und Er erwählt und beschließt (für Seine Diener) die Lebensweise, die Er will. Sie haben keine freie Wahl (in Bezug auf das, was Gott erwählt und geboten hat). Ruhmreich ist Er und unendlich erhaben über das, was sie Ihm als Teilhaber zur Seite stellen.

69. Dein Herr weiß, was immer ihre Brüste verbergen und was immer sie kundtun.

70. Er ist Gott; es gibt keine Gottheit außer Ihm (Ihm allein gebührt Anbetung). (Da alles Schöne, jegliche Vollkommenheit, Errungenschaft und aller Segen letztlich von Ihm ausgehen) gehört Ihm aller Lobpreis und Dank vom Anbeginn bis zum Ende (jeder Errungenschaft sowohl in dieser Welt als auch im Jenseits). Ihm allein gehört die Herrschaft, und zu Ihm werdet ihr alle zurückgebracht.

71. Sprich: „Habt ihr je darüber nachgedacht, ob es - sollte Gott die Nacht über euch andauern lassen bis zum Tag der Auferstehung - eine Gottheit außer Ihm gibt, die euch Licht bringen kann? Wollt ihr also nicht hören (auf die Wahrheit und sie beherzigen)?“

72. Sprich: „Habt ihr je darüber nachgedacht, ob es - sollte Gott den Tag über euch andauern lassen bis zum Tag der Auferstehung - eine Gottheit außer Ihm gibt, die euch die Nacht bringen kann, damit ihr in ihr ausruhen könnt? Wollt ihr also nicht (die Wahrheit) sehen (und sie beherzigen)?“

73. Er hat aus Seiner Barmherzigkeit für euch die Nacht und den Tag gemacht, damit ihr (während der Nacht) ausruhen und (während des Tages) nach Seiner Huld streben könnt und damit ihr (Ihm) Dank abstattet (für beides).

74. Es wird ein Tag kommen, an dem Er jene, die ihm Teilhaber zur Seite stellen, rufen und zu ihnen sagen wird: „Wo sind also nun jene (Wesen, Dinge und Mächte), von denen ihr behauptet habt, dass sie meine Teilhaber sind?“

75. Und Wir werden aus jeder Gemeinschaft einen Zeugen holen (den Gesandten, der zu ihr geschickt wurde) und (zu denen, die die Gesandten ablehnten) sagen: „Bringt euren Beweis herbei (für eure Behauptung, dass Gott Teilhaber hat)!“ Dann werden sie wissen, dass alle Wahrheit bei Gott liegt und dass es nur Gott ist, dem das alleinige Recht zusteht (den Status eines Gottes und Herrschaft zu beanspruchen); und alle (die falschen Gottheiten), die sie neben Gott ersonnen haben, werden sie im Stich lassen.

76. Qarun (Korah) war einer aus dem Volk von Moses, doch er täuschte und unterdrückte es. Wir hatten ihm so große Schätze gewährt, dass allein schon ihre Schlüssel eine zu schwere Last waren für eine Schar von starken Menschen. Selbst sein eigenes Volk warnte ihn: „Frohlocke nicht über deinen Reichtum; wahrlich, Gott liebt nicht diejenigen, die frohlocken.

77. Sondern strebe mit dem, was Gott dir gewährt hat, nach der Heimstatt des Jenseits (indem du es als Almosen hingibst oder für andere gute Zwecke), ohne darüber deinen Anteil (den Gott für dich festgesetzt hat) an dieser Welt zu vergessen. Tue anderen Gutes, so wie Gott dir (aus reiner Barmherzigkeit) Gutes getan hat. Richte nicht Verderben und Unheil an im Land, denn Gott liebt nicht die, die Verderben und Unheil anrichten.“

78. Er sagte: „All dies ist mir nur gegeben worden, weil ich ein bestimmtes Wissen besitze.“ Wusste er denn nicht, dass Gott unter den Generationen vor ihm Männer dem Untergang preisgegeben hat, die über größere Macht verfügten als er und noch mehr Reichtum angehäuft hatten? Wahrlich, die Frevler, die sich darauf verlegt hatten, immer mehr Sünden zu begehen, werden nicht über ihre Sünden befragt werden (bevor sie dem Untergang preisgegeben werden, sodass sie sich nicht verteidigen können).

79. (Korah) stellte sich vor seinem Volk in all seiner Pracht zur Schau. Diejenigen, die sich nur das Leben in dieser Welt wünschten, sagten: „Ach, wenn wir doch nur Gleiches hätten, was Korah gegeben worden ist! Fürwahr, er ist jemand, dem ein gewaltiger Anteil am Glück zuteil wurde!“

80. Die jedoch, denen (echtes) Wissen gewährt worden war, sagten: „Wehe euch! Die Belohnung Gottes für denjenigen, der gut, rechtschaffen handelt, ist weitaus besser. Doch nur die Geduldigen (die selbst im Unglück standhaft bleiben geradeso wie in ihrem Gehorsam gegen Gott und bei der Vermeidung von Sünden) können so etwas je erreichen.“

81. Dann ließen Wir ihn und seine Wohnstätte in der Erde versinken. Da gab es dann weder eine Schar, die ihm gegen Gott hätte helfen können, noch war er (trotz all seines Besitzes) in der Lage, sich selbst zu Hilfe zu kommen.

82. Und am nächsten Morgen begannen diejenigen, die sich nur einen Tag zuvor danach gesehnt hatten, an seiner Stelle zu sein, zu sagen: „Wehe uns! (Wir hatten vergessen, dass) Gott die Versorgung mehrt, für wen Er will von Seinen Dienern, und sie knapp bemisst (für wen Er will). Wäre Gott uns nicht gnädig gewesen, hätte Er auch uns versinken lassen. Wehe uns! (Denn wir hatten vergessen, dass) es den Ungläubigen nicht wohlergeht.“

83. Was die Wohnstatt im Jenseits angeht, so werden Wir sie denen zuteil werden lassen, die weder nach überheblicher Macht auf Erden trachten noch Verderben und Unordnung anrichten. Der (wirklich erstrebenswerte) Ausgang ist für die Gottesfürchtigen, Frommen.

84. Wer auch immer zu Gott mit einer guten Tat kommt, dem soll Besseres als dies zuteil werden, und wer immer mit einer schlechten Tat kommt - jenen, die unrecht handeln, wird nur vergolten, was sie getan haben.

85. Wahrlich, Er, der dir (o Gesandter, die Aufgabe) den Koran (zu überbringen) anvertraut hat, wird dich ganz gewiss zurückbringen, damit sich das Versprechen (dass du im Siegszug heimkehren wirst in die Heimatstadt, die zu verlassen du gezwungen wurdest) erfülle. Sprich: „Mein Herr weiß am besten, wer (wahre) Rechtleitung hat und wer sich in offenkundigem Irrtum befindet.“

86. Du hast nicht erwartet, dass dir dieses Buch offenbart werden würde; doch es ist dir als Barmherzigkeit von deinem Herrn offenbart worden; darum werde niemals zum Helfer der Ungläubigen.

87. Und lass dich keinesfalls davon abbringen, Gottes Offenbarungen zu überbringen, nachdem sie zu dir herabgesandt worden sind. Rufe (die Menschen) auf zu deinem Herrn, und sei niemals einer von jenen, die Gott Teilhaber zur Seite stellen.

88. Rufe niemals eine andere Gottheit neben Gott an. Es gibt keine Gottheit außer Ihm. Alles ist vergänglich (und vergeht deshalb) außer Seinem „Angesicht“ (Sein ewig währendes Wesen und was getan wird, um nach Seinem Wohlgefallen zu streben).Ihm allein gehört die Herrschaft, und zu Ihm werdet ihr zurückgebracht.

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