TĀ-HĀ

Sure20

offenbart in Mekka

Diese Sure von 135 Versen wurde in Mekka offenbart. Zu Beginn spendet sie dem Gesandten Gottes – Friede sei mit ihm – Trost. Wie nahezu alle mekkanischen Suren befasst sich auch diese mit den wichtigsten, von sämtlichen Propheten verkündeten Glaubensgrundlagen der Religion Gottes.

Dabei werden die Sendung und die Erfahrungen des Propheten Moses – Friede sei mit ihm – besonders ausführlich behandelt, denn ihnen kommt im Hinblick auf die Verkündung und die Zukunft des Islams eine überaus große Bedeutung zu. Den Muslimen, die schwersten Verfolgungen seitens der mekkanischen Götzenanbeter ausgesetzt waren, wird durch die Schilderung von Moses Triumph über die Zauberer und den Pharao Mut zugesprochen. Im Gegenzug werden sie auch eindringlich davor gewarnt, sich auf welchem Wege auch immer von ihrem Glauben abbringen zu lassen. Zitiert wird zu diesem Zweck die kurze Phase, in der die Kinder Israels ein goldenes Kalb anbeteten, das von einem Mann aus ihren Reihen angefertigt wurde, kurz nachdem Moses zum Berg Sinai aufgebrochen war, um die Thora entgegenzunehmen.

Einige Kommentatoren sind der Meinung, dass die beiden eigenständigen arabischen Buchstaben Tā Hā, die der Sure ihren Namen geben, „der vollkommene Mensch“ bedeuten, währendYā-Sīn(der Titel von Sure 36) für „Mensch“ stehe.

IM NAMEN GOTTES, DES ERBARMERS, DES BARMHERZIGEN!

1.Tā. Hā.

2. Wir senden dir den Koran nicht herab, um dir (in deiner Aufgabe, ihn den Menschen zu überbringen) Kummer zu bereiten,

3. Sondern nur als Ermahnung für den, der in seinem Herzen eine gewisse Ehrfurcht vor Gott empfindet (sodass ihm die Möglichkeit offensteht, zum Glauben zu finden),

4. Allmählich herabgesandt von dem, der die Erde und die hohen Himmel erschaffen hat,

5. Dem Erbarmer, der auf dem Thron Seinen Platz einnahm.

6. Ihm gehört, was immer in den Himmeln ist, und was immer auf Erden ist, und was immer zwischen beiden ist, und was immer unter dem Erdboden ist.

7. Ob du etwas laut aussprichst (oder es für dich behältst), Er kennt gewiss das Verborgene geradeso wie (das, was immer du womöglich zurückhältst als) etwas noch Verborgeneres.

8. Gott - es gibt keine Gottheit außer Ihm; Sein sind die Schönen Namen.

9. Ist die Geschichte von Moses nicht zu dir gekommen?

10. (Er wanderte mit seiner Familie durch die Wüste) als er ein Feuer sah und deshalb zu seinen Angehörigen sagte: „Wartet hier! Fürwahr, ich sehe in der Ferne ein Feuer. Vielleicht kann ich euch eine Feuersglut davon bringen, oder ich finde Rechtleitung bei dem Feuer.“

11. Als er es fast erreicht hatte, wurde ihm zugerufen: „O Moses!

12. Wahrlich, Ich bin es, Ich bin dein Herr. Darum lege deine Sandalen ab, denn du bist im erhabenen Tal Tuwā.

13. Ich habe dich auserwählt (Mein Gesandter zu sein), darum höre auf das, was (dir) offenbart wird.

14. Fürwahr, Ich bin es, Ich bin Gott, es gibt keine Gottheit außer Mir. Darum diene Mir, und verrichte das Gebet entsprechend seinen Vorschriften, um dich Meiner zu erinnern.

15. Wahrlich, die Stunde wird bestimmt (ganz unerwartet) kommen. (Sie stellt eine so gewaltige Wahrheit dar, dass) Ich sie nahezu geheim halte, damit jede Seele nach dem strebe, was sie erstrebt (und so den gerechten Lohn dafür erhält).

16. Darum lass dich nicht von irgendjemandem, der nicht daran glaubt und (stattdessen) seinen eigenen Begierden und Launen folgt, davon abhalten (zu glauben und die Wahrheit zu verkünden), denn sonst würdest du ins Verderben stürzen.

17. Was ist das in deiner rechten Hand, o Moses?“

18. Er sagte: „Es ist mein Stab. Darauf stütze ich mich, und damit schlage ich die Blätter für meine Herde herunter, und ich habe auch noch andere Verwendung dafür.“

19. (Gott) sagte: „Wirf ihn hin, o Moses!“

20. Da warf er ihn hin, und da wurde er auf der Stelle zu einer sich windenden Schlange.

21. (Gott) sagte: „Nimm sie auf, und fürchte dich nicht! Wir werden sie in ihren früheren Zustand zurückversetzen.

22. Nun stecke deine (rechte) Hand unter deine Achsel; sie wird leuchtend weiß hervorkommen, makellos, als weiteres (wunderbares) Zeichen,

23. Damit Wir dir einige Unserer größten wunderbaren Zeichen zeigen,

24. Gehe zu dem Pharao, denn er hat sich fürwahr aufgelehnt.“

25. Moses sagte: „O mein Herr! Weite mir die Brust.

26. Erleichtere mir meine Aufgabe.

27. Löse den Knoten von meiner Zunge (um mich fließender sprechen zu lassen),

28. Damit sie meine Rede deutlich verstehen.

29. Gib mir einen Mitverantwortlichen (Helfer) aus meiner Familie;

30. Aaron, meinen Bruder.

31. Vermehre durch ihn meine Kraft,

32. Und lass ihn an meiner Aufgabe teilhaben;

33. Damit wir Dich gar sehr lobpreisen mögen,

34. Und Dich häufig erwähnen und uns Deiner unablässig erinnern.

35. Fürwahr, Du siehst uns ja ständig und wachst über uns.“

36. (Gott sagte): „Das, worum du bittest, ist bereits in Erfüllung gegangen, o Moses.

37. Und fürwahr, Wir haben ja dir und deiner Mutter bereits vordem Unsere Gnade zuteil werden lassen.

38. Wir gaben deiner Mutter ein, was ihr eingegeben werden sollte, indem Wir sagten:

39. ‘Lege das Kind in einen Kasten und übergib ihn dem Fluss, dann wird der Fluss ihn ans Ufer treiben: Einer, der Mein und sein Feind ist (der Pharao, der beschlossen hat, alle neugeborenen Söhne der Kinder Israels zu töten), wird ihn aufnehmen.’ Ich habe dich (o Moses) mit Meiner Liebe umgeben (indem Ich dich beschützte, sodass Liebe in den Herzen der Menschen erweckt wurde, die dich sahen) und damit du unter Meinen Augen aufgezogen wurdest.

40. Als deine Schwester (auf Anweisung deiner Mutter, die wusste, dass du im Haushalt des Pharaos aufgenommen wurdest) hinging und sagte: ‘Soll ich euch jemanden zeigen, der ihn stillen und betreuen könnte?’ - Auf diese Weise (- und Wir sind es, die niemand anderen dazu befähigten, dich zu stillen und zu betreuen -) brachten Wir dich zu deiner Mutter zurück, damit sie sich freuen und ihren Kummer vergessen sollte. Und (viel später) hast du einen Mann getötet (ohne es zu beabsichtigen); doch Wir retteten dich vor den (sich daraus ergebenden) Schwierigkeiten, und Wir stellten dich (nur deshalb) durch Prüfungen (verschiedener Art und Schwere) auf die Probe (um dich zu vervollkommnen). Du verbrachtest viele Jahre unter dem Volk von Midian, und dann erlangtest du (die verstandesmäßigen und geistigen Fähigkeiten) die von dir erwartet wurden und für dich bestimmt waren, o Moses.

41. Und Ich habe dich für Mich ausersehen (und dich vorbereitet für den Dienst an Mir).

42. Geht nun, du und dein Bruder, mit Meinen wunderbaren Zeichen (die Ich euch mitgegeben habe), und werdet nie müde, euch Meiner zu erinnern und (andere) an Mich zu erinnern.

43. Geht beide zu dem Pharao, denn er hat sich über die Maßen aufgelehnt.

44. Aber sprecht mit freundlichen Worten zu ihm, damit er vielleicht nachdenkt und sich ermahnen lässt oder eine gewisse Furcht (vor Mir) empfindet (und sich demütig verhält).“

45. Sie sagten: „Unser Herr, wir fürchten, dass er in Eile gegen uns vorgeht (indem er uns nicht erlaubt, unsere Verkündung bis zum Ende auszuführen) oder womöglich (noch) gewalttätiger gegen uns wird.“

46. Er sagte: „Fürchtet euch nicht! Ich bin gewiss mit euch und sehe und höre (alles).

47. Geht zu ihm, und sagt: ‘Wir sind fürwahr Gesandte deines Herrn (der dich erschaffen hat und versorgt), so lass die Kinder Israels mit uns ziehen, und setze sie nicht (noch länger solchen) Leiden aus. Wahrlich, wir sind mit einem offenkundigen Beweis von deinem Herrn zu dir gekommen. Und Friede (Erfolg und Sicherheit und Triumph) ist mit dem, der Seiner Rechtleitung folgt.

48. Uns ist fürwahr offenbart worden, dass Strafe (nur) demjenigen zuteil werden soll, der (den Ruf Gottes) verleugnet und sich davon abwendet.’“

49. (Als sie zu dem Pharao gesprochen hatten, wie Gott es ihnen aufgetragen hatte) sagte der Pharao: „Wer ist also der Herr von euch beiden, o Moses?“

50. (Moses) sagte: „Dein Herr ist derjenige, der alles erschafft und jedem Ding seine besonderen Eigenschaften mitgibt und es dann hinführt (zur Erfüllung seiner Aufgabe und zum Zweck seines Daseins).“

51. (Der Pharao) sagte: „Und wie steht es dann um die früheren Generationen (all jene, die bereits dahingegangen sind, wie werden ihnen ihre Glaubensvorstelllungen und ihr Handeln vergolten)?“

52. (Moses) antwortete: „Mein Herr hält das Wissen um sie in einer Niederschrift fest. Mein Herr irrt sich nie und vergisst auch niemals.“

53. Er ist es, der die Erde für euch zu einer Wiege gemacht und euch darauf Wege aufgezeigt hat, der Wasser vom Himmel herabsendet und damit die verschiedenen Pflanzen paarweise hervorbringt.

54. Esst davon, und weidet euer Vieh. Wahrlich, darin sind Zeichen (die die Wahrheit offenkundig machen) für Menschen mit gesundem, unvoreingenommenem Einsichtsvermögen.

55. Aus ihr (der Erde) erschaffen Wir euch, und in sie bringen Wir euch zurück, und aus ihr werden Wir euch ein zweites Mal hervorbringen.

56. Wir haben dem Pharao fürwahr Unsere Zeichen gezeigt, alle von ihnen (einschließlich jener, die wir insbesondere Moses zuteil werden ließen), doch er verwarf sie als Lüge und weigerte sich (zu glauben).

57. Er sagte: „Moses, bist du gekommen, um uns mit deiner Zauberei aus unserem Land zu vertreiben?

58. Doch wir werden ganz gewiss vor euch eine Zauberei gleich dieser hervorbringen. Darum lasst uns eine Zusammenkunft zwischen uns und euch vereinbaren, deren Einhaltung weder wir noch ihr versäumen werden, auf einem offenen, ebenen Gelände, das (uns beiden) zusagt.“

59. (Moses) sagte: „Die Zusammenkunft soll am Tag des Festes stattfinden, und lass die Leute sich am Vormittag versammeln.“

60. Da wandte sich der Pharao ab und (begann) all seine heimtückischen Pläne in die Tat umzusetzen, dann trat er (bei der vereinbarten Zusammenkunft) auf.

61. Moses sagte zu ihnen (indem er sie warnte, bevor es für eine Warnung für sie zu spät war): „Wehe euch! Heckt keine Lüge gegen Gott aus (indem ihr Seine eindeutigen Beweise zu Unrecht als Zauberei bezeichnet und fälschlicherweise behauptet, dass Seine Botschaft an euch den Zweck hat, euch aus eurem Land zu vertreiben, und indem ihr euch andere Gottheiten anstelle von Ihm nehmt), damit Er euch nicht durch eine schwere Heimsuchung ins Verderben stürzt. Wer immer eine Lüge ausheckt, dem ist der Untergang bestimmt.“

62. (Nachdem die Warnung von Moses einige unter den Zauberern und den Gefolgsleuten des Pharaos beeindruckt hatte) begannen sie, über ihre Angelegenheit untereinander in Streit zu geraten, während sie eine geheime Beratung abhielten.

63. (Die Gefolgsleute des Pharaos sprachen zu den Zauberern und) sie sagten: „Diese beiden Männer sind gewiss Zauberer, die die Absicht haben, euch mit ihrer Zauberei aus eurem Land zu vertreiben, und eurer vortrefflichen Lebensweise ein Ende setzen wollen.

64. Darum sammelt eure Pläne, und tretet dann in einer geordneten Reihe vor (als gut vorbereitete, vereinte Kräfte), denn wer heute die Oberhand gewinnt, wird gewiss den Erfolg für sich verbuchen.“

65. Sie (die Zauberer) sagten: „Moses, wirf entweder du, oder wir werden die Ersten sein, die werfen!“

66. Er sagte. „Nein, werft ihr zuerst!“ Doch siehe, durch ihre Zauberei erschien es ihm sogleich, als ob sich ihre Stricke und Stäbe winden würden.

67. Da war Moses in seiner Seele etwas besorgt (dass sich die Menschen durch ihre Zauberei beeinflussen lassen könnten).

68. Wir sagten: „Fürchte dich nicht! Gewiss wirst du es sein, der die Oberhand gewinnt.

69. Wirf hin, was du in deiner rechten Hand hast: Es wird alles verschlingen, was sie vorgetäuscht haben. Was sie vorgetäuscht haben, ist nichts weiter als ein Zaubertrick. Und ein Zauberer wird nicht erfolgreich sein, was immer er auch vorhaben mag.“

70. Und so (geschah es, und) die Zauberer wurden hingeworfen in Niederwerfung. Sie verkündeten: „Jetzt sind wir zum Glauben an den Herrn von Moses und Aaron gelangt!“

71. Der Pharao sagte: „Glaubt ihr an Ihn, bevor ich euch Erlaubnis dazu erteilt habe? Wie ich sehe, ist er (Moses) euer Lehrer, der euch die Zauberei beigebracht hat! Ich werde euch gewiss eure Hände und Füße wechselweise abschlagen lassen und euch an den Stämmen von Dattelpalmen kreuzigen lassen, und ihr werdet ganz bestimmt erkennen, wer von uns (- der Herr von Aaron und Moses oder ich -) strenger ist im Strafen und (wessen Strafe) länger andauert!“

72. Sie sagten: „Wir werden dir niemals den Vorzug geben vor dem klaren Beweis (der die Wahrheit offenkundig macht), der zu uns gekommen ist, und vor dem, der uns erschaffen hat. Darum beschließe, was immer du zu beschließen vermagst, doch du kannst nur das beschließen, was das diesseitige Leben angeht.

73. Wir aber glauben nun fürwahr an unseren Herrn (in der Hoffnung), dass Er uns unsere Sünden und die Zauberei, zu der du uns gezwungen hast, vergeben möge. Gott ist der Beste (was die Belohnung betrifft) und der Beständigste (was die Strafe betrifft).“

74. Wer immer vor seinen Herrn als ungläubiger Sünder kommt, für den ist wahrlich die Hölle bestimmt; dort wird er weder leben noch sterben.

75. Während dem, der als Gläubiger vor Ihn kommt und gut, rechtschaffen gehandelt hat, hohe Rangstufen zuteil werden und ein erhabener Ruheplatz -

76. Gärten von immer währender Glückseligkeit, durch die Ströme fließen, in denen sie ewig verweilen sollen. Das ist der Lohn für denjenigen, der Reinheit erlangt.

77. Wir offenbarten Moses: „Mache dich des Nachts mit Meinen Dienern auf, und (wenn ihr das Ufer des Meeres erreicht, während Pharao und seine Armee euch verfolgen) schlage mit deinem Stab einen trockenen Pfad durch das Meer, und du brauchst keine Angst zu haben, dass ihr (von dem Pharao) eingeholt werdet oder dass ihr ertrinken könntet.“

78. Dann verfolgte der Pharao sie mit seinen bewaffneten Heerscharen, und sie wurden ganz und gar von den Wasserfluten überspült, sodass sie samt und sonders untergingen.

79. Der Pharao leitete sein Volk irre (und führte es schließlich in den Untergang); er leitete es nicht recht (weder zur Wahrheit noch hin zu einem Leben in Wohlstand).

80. „O ihr Kinder Israels! Wir haben euch ja vor eurem Feind gerettet, und Wir schlossen einen Bund mit euch durch Moses auf der rechten Seite des Berges Sinai (und ließen euch die Thora zuteil werden), und Wir haben euch Manna und Wachteln herabgesandt (um euch in der Wüste am Leben zu erhalten).

81. Esst von den reinen, bekömmlichen Dingen, mit denen Wir euch versorgt haben, doch übertretet darin nicht das Maß (indem ihr verschwenderisch damit umgeht, undankbar seid, auf unrechtmäßige Weise Geld verdient und dergleichen mehr). Denn sonst würde Mein Zorn gerechterweise über euch hereinbrechen, und über wen auch immer Mein Zorn hereinbricht, der hat sich in der Tat ins Verderben gestürzt.

82. Doch Ich bin fürwahr auch der Vergebende gegen den, der bereut und glaubt und gut, rechtschaffen handelt und sich dann nach dem rechten Weg richtet.

83. (Als Moses zu Unserer Zusammenkunft mit ihm auf den Berg Sinai kam, um die Thora entgegenzunehmen, fragten Wir ihn:) ‘O Moses! Was bewog dich, dein Volk in solcher Eile zurückzulassen?’“

84. Er antwortete: „Sie sind mir dicht auf den Fersen; und ich habe mich beeilt, um bald bei Dir zu sein, damit Du wohl zufrieden sein mögest mit Mir.“

85. (Gott) sagte: „So (wisse denn, dass) Wir dein Volk in deiner Abwesenheit auf die Probe gestellt haben und dass As-Sāmirī es irregeführt hat.“

86. Da kehrte Moses zornig und bekümmert zu seinem Volk zurück. Er sagte: „Mein Volk! Hat euch euer Herr nicht ein schönes Versprechen gegeben (dass Er euch die Thora zu eurer Zufriedenheit in beiden Welten zuteil werden lasse und dass Er euch in einem Land ansiedeln werde, dessen Umgegend Er gesegnet hat)? Ist euch denn die (für meine Abwesenheit) festgesetzte Zeit zu lang erschienen, oder wolltet ihr, dass der Zorn eures Herrn über euch hereinbricht, weil ihr euer Versprechen, das ihr mir gegeben hattet, gebrochen habt?“

87. Sie sagten: „Wir haben unser Versprechen dir gegenüber nicht (absichtlich) und von uns aus gebrochen, aber wir wurden mit der (sündigen) Last der Schmuckstücke des Volks (der Ägypter) beladen, und wir haben sie abgeworfen (um sie los zu werden), genau wie As-Sāmirī sie (in das Feuer hinein) geworfen hat.“

88. Dann brachte er für sie ein Kalb hervor, dem er (aus den geschmolzenen Schmuckstücken) einen Leib geformt hatte (der einen Ton wie ein) Muhen von sich gab. Da sagten sie (einige von ihnen zu den anderen): „Das ist eure Gottheit und die Gottheit von Moses, doch er hat (es) vergessen.“

89. Haben sie denn überhaupt nicht gesehen, dass es nicht (einmal) ein einziges Wort (als Antwort) zu ihnen sagen konnte und dass es keine Macht hatte, ihnen zu schaden oder zu nützen?

90. Und Aaron hatte fürwahr schon vor der Rückkehr von Moses zu ihnen gesagt (indem er sie warnte): „O mein Volk! Ihr werdet durch dieses (Götzenbild) nur auf die Probe gestellt (um zu prüfen, wie tief euer Verständnis und wie stark eurer Glaube ist). Wahrlich, euer Herr ist der Erbarmer (der voll der Vergebung ist), darum folgt mir und gehorcht meiner Anweisung!“

91. Doch sie sagten: „Wir werden auf keinen Fall aufhören, es anzubeten, bis Moses zu uns zurückkommt.“

92. (Nachdem Moses zurückgekehrt war und ohne etwas von Aarons Warnung zu wissen) sagte er: „O Aaron! Was hielt dich davon ab, als du sie irregehen sahst,

93. Mir zu folgen? Hast du denn gegen meine Anweisungen verstoßen?“

94. Aaron sagte: „O Sohn meiner Mutter! Ergreife mich nicht an meinem Bart und auch nicht an meinem Haupt(haar)! Ich befürchtete, dass du sagen würdest: ‘Du hast Spaltung herbeigeführt unter den Kindern Israels, und du hast meine Anweisungen nicht beachtet!’“

95. (Moses wandte sich an As-Sāmirī und) sagte: „Was ist mit dir, o Sāmirī (dass du etwas so Ungeheuerliches getan hast)?“

96. Er antwortete: „Ich habe etwas gesehen, was sie nicht sehen konnten, und so nahm ich eine Handvoll (Sand) von den Spuren des Gesandten (des Erzengels Gabriel) und warf sie in die geschmolzenen Schmuckstücke: So zu handeln hat mir meine Seele eingegeben!“

97. (Moses) sagte: „Hinweg mit dir! Dir ist (wahrlich beschieden), dass du in dieser Welt sagen sollst: ‘Rührt mich nicht an!’ (um die Menschen davor zu warnen, dir nahezukommen), und für dich gibt es fürwahr ein Versprechen (der Bestrafung), dem du nicht entrinnen kannst. Nun schau auf diese deine Gottheit, der du so viel Andacht gewidmet hast: Wir werden sie ganz gewiss verbrennen und die Überreste auf dem Meer verstreuen!

98. (O mein Volk!) Eure einzige Gottheit ist Gott, außer dem es keine andere Gottheit gibt. Er umfasst alle Dinge mit Seinem Wissen.“

99. So berichten Wir dir (o Gesandter) von einigen der beispielgebenden Ereignisse, die sich in der Vergangenheit zugetragen haben. Wir haben Dir fürwahr eine Ermahnung (ein Buch voll Wissen und Unterweisung) aus Unserer Gegenwart zuteil werden lassen.

100. Wer immer sich davon abwendet, trägt fürwahr am Tag der Auferstehung eine Last,

101. Die er für ewig zu tragen hat. Was für eine schlimme Last haben sie da am Tag der Auferstehung!

102. An jenem Tag, an dem in die Posaune gestoßen wird, und Wir die ungläubigen Sünder wieder zum Leben erwecken und wie blind (vor Angst und Ermüdung) versammeln werden;

103. Sie flüstern sich untereinander zu: „Ihr habt in dieser Welt nur zehn (Tage) verbracht.“

104. Wir sind es, die volle Kenntnis haben über das, worüber sie sprechen, wenn die Einsichtigsten unter ihnen sagen: „Ihr habt nicht mehr als einen Tag verweilt.“

105. Sie befragen dich (o Gesandter) über (das, was geschehen wird mit) den Bergen (am Jüngsten Tag). Sprich: „Mein Herr wird sie zerkleinern zu verstreutem Staub.

106. Und Er wird sie (die Erde) zur wüsten Einöde machen.

107. Du wirst dort weder Krümmungen noch Unebenheiten sehen.“

108. An diesem Tag werden alle unmittelbar und ohne Umwege der zusammenrufenden Stimme folgen, und alle Stimmen werden sich in Demut vor dem Erbarmer senken, und du wirst nichts hören außer gedämpftem Murmeln.

109. An diesem Tag wird keine Fürsprache etwas nützen außer durch denjenigen, dem der Erbarmer Erlaubnis dazu gibt und dessen Worte Sein Wohlgefallen finden.

110. Er weiß, was vor Seinen Dienern liegt (insbesondere) am Tag des Jüngsten Gerichts, und was immer sie (an Absichten, Gesagtem oder Handlungen) zurückgelassen haben, während sie Ihn nicht zu umfassen vermögen mit ihrem Wissen.

111. Und (an diesem Tag) werden sich alle Gesichter vor dem Lebendigen, dem aus Sich Selbst heraus Bestehenden (durch den alles andere besteht) in Demut senken. Und gescheitert ist fürwahr der, der mit Unrecht beladen ist.

112. Während der, der gut, rechtschaffen handelt und gläubig ist, keine Angst davor zu haben braucht, dass ihm Unrecht getan oder etwas (seine gerechte Belohnung) vorenthalten wird.

113. Und so haben Wir ihn alsqur’ān(etwas Vorzutragendes) in arabischer Sprache herabgesandt und darin Warnungen in verschiedenen Zusammenhängen und aus unterschiedlichen Gesichtspunkten dargelegt, damit sie sich vor Ungehorsam gegen Gott in Ehrfurcht vor Ihm und in Frömmigkeit hüten mögen oder damit er sie zum Gedenken und zur Achtsamkeit anleite.

114. Hoch erhaben ist Gott, der Höchste Herrscher, die Vollkommene Wahrheit und der Ewigwährende. Lege keine Eile an den Tag (o Gesandter) mit (dem Entgegennehmen und Einprägen jeglicher Offenbarung, einschließlich des) Korans, bevor sie dir vollständig offenbart worden ist, sondern sage: „O mein Herr, lass mich an Wissen zunehmen.“

115. Wahrlich, Wir haben einen Bund mit Adam geschlossen (und ihm verboten, sich einem Baum im Garten zu nähern), doch er handelte nachlässig. Wir fanden (in dem Augenblick) keine feste Entschlossenheit in ihm.

116. Und als Wir zu den Engeln sagten: „Werft euch vor Adam nieder“, da warfen sie sich alle nieder.Iblīsjedoch tat dies nicht; er weigerte sich.

117. Da sagten Wir: „O Adam, dieser ist fürwahr ein Feind von dir und deiner Frau; so lasst euch beide nicht durch ihn aus dem Garten vertreiben, damit ihr nicht dem Unglück anheimfallt.

118. Wahrlich, es ist vorgesorgt für dich, sodass du dort weder hungern musst noch unbekleidet sein wirst.

119. Und dass du dort auch nicht unter Durst oder Sonnenhitze zu leiden hast.“

120. Doch Satan machte einen üblen Vorschlag, indem er sagte: „O Adam, soll ich dich zu einem Baum von ewig währendem Leben und einem Königreich führen, das niemals untergehen wird?“

121. Sie beide aßen davon, da wurden ihnen ihre Blöße (und all die scheinbar üblen Triebe in ihrer Erschaffung) bewusst, und sie begannen beide, sich mit den Blättern des Gartens zu bedecken. Adam war ungehorsam gegen seinen Herrn und verfiel dem Irrtum.

122. Danach erwählte ihn sein Herr (für Seine Gnade), nahm seine Reue an und gewährte ihm Seine Rechtleitung.

123. Wir sagten: „Geht hinunter von hier, ihr beide, alle miteinander (von nun an werdet ihr euer Leben mit Satan als eurem Feind zubringen), einige von euch sollen die Feinde der anderen sein. Wenn aber dann Rechtleitung von Mir zu euch kommt (wie ein Buch durch einen Gesandten), dann soll derjenige, der Meiner Rechtleitung folgt (und sich Mir im Glauben und im Gebet zuwendet), weder irregehen noch dem Unglück anheimfallen.

124. Was aber den angeht, der sich von Meinem Gedenken (und von dem Buch) abwendet, dem ist ein Leben in Drangsal beschieden, und am Tag der Auferstehung werden Wir ihn blind auferwecken.“

125. Er sagt: „O mein Herr, warum hast Du mich blind auferweckt, wo ich doch (in meinem Leben in dieser Welt) sehend war?“

126. (Gott) sagt: „So ist es. Unsere Offenbarungen kamen zu dir, doch du hast sie unbeachtet gelassen, deshalb wirst heute du unbeachtet gelassen.“

127. Auf diese Weise vergelten Wir demjenigen, der verschwenderisch umgeht (mit seinen von Gott gewährten Fähigkeiten) und sich Ausschweifungen hingibt und nicht an die Offenbarungen seines Herrn glaubt. Und fürwahr, die Strafe im Jenseits ist noch strenger und anhaltender.

128. Dient es ihnen denn nicht als Rechtleitung, wie viele Generationen Wir vor ihnen dem Untergang preisgegeben haben, in deren verfallenden Wohnstätten sie (jetzt) umhergehen? Wahrlich, darin sind Zeichen (die die Wahrheit offenkundig machen) für Menschen mit Einsichtsvermögen.

129. Gäbe es nicht eine Entscheidung, die dein Herr bereits getroffen hat, und eine Frist, die (von Ihm) festgelegt wurde, dann wäre das Urteil (gegen sie) fürwahr ergangen und vollstreckt worden.

130. Darum ertrage geduldig (o Gesandter), was immer sie sagen, und rühme deinen Herrn mit Lobpreisungen vor Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang, und lobpreise Ihn während einiger Stunden der Nacht - geradeso wie du (Ihn) an den beiden Enden des Tages lobpreisen mögest -, damit du Gottes Wohlgefallen erlangst und zufrieden bist (mit dem, was Gott für dich bestimmt hat).

131. Und richte nicht deine Augen begehrlich auf das, was Wir manchen Gruppen von ihnen gegeben haben, damit sie sich daran erfreuen (in dieser Welt) - die Pracht des gegenwärtigen, weltlichen Lebens -, um sie dadurch auf die Probe zu stellen. Die Versorgung deines Herrn (die Gnade, die Er dir hier und im Jenseits gewährt hat) ist besser und beständiger.

132. Trage deiner Familie und deiner Gemeinschaft auf, das Gebet zu verrichten, und sei selbst gewissenhaft bei der Verrichtung. Wir verlangen nicht von dir, dass du Uns versorgst; sondern Wir sind es, die dich versorgen. (Deshalb sind all deine Gebete zu deinem eigenen Nutzen.) Und das (erwünschte) Ergebnis wird zu Gunsten der Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ausfallen.

133. Und sie sagen: „Wenn er uns doch nur ein Wunder von Seinem Herrn bringen würde!“ Ist denn nicht (als ausreichendes Wunder) der klare Beweis (für die Wahrheit) dessen, was in den vorangegangenen Schriften (zu finden) ist, zu ihnen gekommen?

134. Wenn Wir ihren Untergang bereits davor (bevor der Beweis zu ihnen kam) herbeigeführt hätten, dann hätten sie gewiss gesagt: „Unser Herr! Hättest Du uns doch nur einen Gesandten geschickt, dann wären wir Deinen Offenbarungen gefolgt, bevor wir gedemütigt und in Schande gestürzt wurden.“

135. Sprich: „Jeder (wir geradeso wie ihr) ist voll der Erwartung (was die Zukunft bringen wird), darum fahrt fort in euren Erwartungen! Bald schon werdet ihr wissen, wer diejenigen waren, die den geraden Weg befolgt haben und die rechtgeleitet waren (und deren Erwartungen sich deshalb als wahr erwiesen haben).“

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