Im Islam kommt Denken vor Glauben.

Ali Ünal

Das Christentum entwickelte sich nicht als ein umfassendes Religionssystem, das alle Lebensbereiche anspricht, sondern als ein Set spiritueller und moralischer Werte, das direkten Einfluss auf die ‚weltlichen‘ Aspekte des Lebens hat. Das hatte schwer wiegende Konsequenzen für die spätere Entwicklung im Westen zur Folge. Um ein Beispiel zu nennen: Das Christentum verurteilt den Krieg, unterlässt es aber, Verhaltensregeln für den Krieg aufzustellen. Im Laufe der Zeit hat sich dieser jedoch als eine Realität der menschlichen Geschichte erwiesen. Eine ablehnende Haltung allein reicht nicht aus, um Kriege zu beenden. Fehlende Regeln und Verordnungen für den Kriegsfall haben unbeschreibliche Brutalitäten in den Kriegen in der westlichen Hemisphäre entfesselt. Auch grausame Massaker, die von westlichen Mächten in anderen Teilen der Welt angerichtet wurden, lassen sich auf diesen entscheidenden Mangel zurückführen. Ähnliches Unheil ging auch von der Verurteilung der ‚Welt‘ und der Natur aus, die nach der Lehre des Christentums als Schleier fungieren, welcher den Menschen von Gott trennt. Diese Einschätzung ermutigte die moderne Wissenschaft, religiöse Autorität als belanglos zurückzuweisen. Außerdem veranlasste die scharfe Trennung zwischen dieser Welt und dem Jenseits, zwischen Religion und Wissenschaft und zwischen Spiritualität und Körperlichkeit die Denker und Philosophen, die sich bemühten, einen Platz für die Religion an der Seite der Wissenschaft zu finden, jedem Bereich sein eigenes, ausschließlich ihm vorbehaltenes Feld zuzuweisen.

Kartesianischer Dualismus

Der Name des französischen Mathematikers und Philosophen Descartes (1596-1650) wird in der westlichen Kultur vor allem mit seinen Gedanken zum Dualismus assoziiert. Seine Ideen führten schließlich zur fast vollständigen Trennung von wissenschaftlichen und intellektuellen Aktivitäten und der Religion. In späterer Zeit gingen aus ihnen die Ansätze der Epoche der Aufklärung, das mechanistische Weltbild, Positivismus und Materialismus hervor. Der Kartesianismus, die an Descartes orientierte philosophische Richtung des 17./18. Jahrhunderts, bot all jenen eine geistige Bleibe, die neben der Wissenschaft nach einem eigenen Platz für die Religion suchten; viele Missverständnisse über die Beziehungen zwischen dem Leben, der Religion und der Wissenschaft lassen sich auf die Ideen Descartes‘ zurückführen. Intellektuelle oder Philosophen, die weder der Religion noch wissenschaftlicher Vernunft ganz abschwören wollten, zitierten das Weltbild des Kartesianismus, um ihre Position zu untermauern. Auch einige muslimische Intellektuelle sind nach wie vor damit beschäftigt, ihre Religion gegen den wissenschaftlichen Materialismus zu verteidigen. Sie sind der Auffassung, dass eine Welt der Qualitäten neben einer Welt der Quantitäten besteht. Die Wissenschaft besitze in der Welt der Quantitäten die Autorität und berufe sich auf Beobachtung, Messung und Experiment; in der Welt der Qualitäten hingegen, in der diese Methoden nicht zum Einsatz kommen können oder keine Ergebnisse erbringen, müsse die Religion schweigen. Folgt man ihrer Argumentation, kann es zwar keinen Unterschied zwischen Religion und Wissenschaft geben, andererseits gibt es aber auch keine Berührungspunkte zwischen diesen beiden Bereichen.

Kartesianischer Dualismus räumt der Wissenschaft gegenüber der Religion Priorität ein

Obwohl der kartesianische Dualismus die Religion eigentlich gegenüber der Wissenschaft verteidigen wollte, räumt er dieser doch Priorität ein. Die Wissenschaft erhält den Vorrang im praktischen Leben und in der Ideenwelt, wohingegen die Religion auf einen blinden Glauben reduziert wird, der der Forschung, der Überprüfung und der Vernunft nicht zugänglich ist und für die Welt und das weltliche Leben praktisch keine Rolle mehr spielt. Eine solche Haltung aber missversteht die Religion als bloße Frage von Glaube oder Unglaube. Konsequenterweise wird auch nicht mehr zwischen ‚wahren‘ Religionen und Mythen und Aberglaube unterschieden. Dieser Dualismus steht hinter modernen Trends, die in der Religion ein Set von Dogmen sehen, das der Vernunft nicht zugänglich und von der Wissenschaft und der wahrnehmbaren Welt isoliert ist.

Religion und ganz besonders der Islam, die letzte und vollendete Form aller von Gott offenbarten Religionen, verlangt jedoch nicht nach blindem Glauben, sondern nach rationaler und spiritueller Überzeugung, die sich auf Denken, Vernunft, Forschung und Überprüfung gründet. Zwar lässt sich Religion auch durch das Tor der Imitation betreten; es ist jedoch mit Sicherheit nicht ratsam, sich mit dem Glauben, der sich aus der Imitation anderer speist, zufrieden zu geben. Die Anzahl der Koranverse, die rechtliche Fragen zum Inhalt haben, liegt bei unter 300. Mehr als 700 Verse dagegen ermutigen die Menschen, ‚natürliche‘ Phänomene zu studieren, zu denken, zu forschen, Unterricht zu nehmen, zu reflektieren und zu überprüfen.

Die Verse mit den Worten „Wollt ihr denn nicht eure Vernunft gebrauchen“, „Wollt ihr denn nicht nachdenken“, „Wollt ihr denn nicht nachsinnen“, „Wollt ihr denn nicht Lehren ziehen“, „Lernt, o Menschen der Einsicht“ usw. und die koranische Verurteilung der Ungläubigen als Menschen, die keinen Verstand besitzen, mit dem sie denken und reflektieren können, keine Augen, mit denen sie sehen und keine Ohren, mit denen sie hören können, sollen all denen eine Warnung sein, die die Religion als ein Set blinder Glaubensbegriffe betrachten. Sie wenden sich gegen alle, die nicht in der Lage sind, die grundlegende und unzertrennliche Beziehung zwischen Religion, Leben, Natur, Vernunft und wissenschaftlichen Aktivitäten zu anzuerkennen.

Die moderne Wissenschaft betrachtet die natürliche Welt als das Feld ihrer Studien. Die Beschränkung der Wissenschaft auf die materielle, wahrnehmbare Sphäre des Seins geht auf das Weltbild des kartesianischen Dualismus zurück. Dieser Ansatz verbietet es auch, zuzugeben, dass es andere Bereiche des Seins gibt, die ebenfalls Gegenstand der Forschung sein und es uns ermöglichen könnten, wissenschaftliche Forschung ‚sachlich‘ und ‚objektiv‘ zu gestalten. Das Studium der Bereiche oder Subjekte hinter dem Materiellen sowie die Schlüsse, die aus diesem Studium gezogen werden, gelten vielmehr als ‚unwissenschaftlich‘. Angeblich bedürfen sie keiner weiteren Forschungen oder Überprüfungen, sondern nur des Glaubens. Eine wahrhaft objektive Wissenschaft sollte aber akzeptieren, dass es womöglich viele weitere Wahrheiten und Bereiche des Seins gibt, die zu erfassen sie zumindest mit den heutigen Mitteln nicht in der Lage ist. Sie sollte ihre Taktiken und Techniken korrigieren und versuchen, sich die Mittel anzueignen, die für eine Erforschung jener Sphären unabdingbar sind. So lange die Wissenschaft darauf beharrt, ihre rigiden empirischen Ansätze und Methoden aufrecht erhalten zu müssen, wird sie niemals in der Lage sein, die ganze Wirklichkeit des Seins zu begreifen. Die Wissenschaft tut sich also ganz bestimmt keinen Gefallen damit, dass sie den Menschen – wie auch das Universum – allein auf die physische Existenz reduziert und alle körperlichen und intellektuellen Fähigkeiten des Menschen ganz auf physische Ursachen zurückführt.

Die moderne Wissenschaft charakterisiert die Natur zwar als strukturiert, bezeichnet sie jedoch als zielloses oder bedeutungsloses Zusammenwirken materieller Faktoren. Diese Haltung gegenüber der Natur unterscheidet sich gar nicht so sehr von der Auffassung des Christentums, die Natur stelle einen trennenden Schleier zwischen Gott und den Menschen dar. Der Islam dagegen stellt die natürlichen Phänomene (nicht die übernatürlichen, deren Existenz und Realität die Wissenschaft entweder zurückweist oder die sie für mit ‚wissenschaftlichen‘ Methoden nicht nachweisbar hält) als Beweise für die Existenz auch der übernatürlichen vor. Der Islam ruft die Menschen auf, diese zu studieren und über sie nachzudenken, um so den Nektar des Glaubens abschöpfen zu können. Die Natur ist dem Islam zufolge der Bereich, in dem sich die Namen Gottes manifestieren. Sie dient uns als eine Art ‚Leiter des Lichts‘, mit deren Hilfe wir zu Gott aufsteigen können. Die Natur wurde durch die Göttlichen Eigenschaften Willen und Kraft erschaffen; sie ist das ‚erschaffene‘ Gegenstück zum Koran, der in der Göttlichen Eigenschaft des Sprechens wurzelt. Die Natur ist genau wie der Koran ein Buch; sie kann aber ebenso gut auch als eine Stadt oder ein Palast betrachtet werden, in welcher uns der Koran als Heilige Schrift über deren Bedeutung und darüber aufklärt, wie wir am besten in ihr leben und von ihr profitieren. Das dritte Gegenstück zu den erst genannten Koran und Natur ist der Mensch. Ihm ist freier Wille und Bewusstsein eigen. Genau aus diesem Grunde waren viele versierte und anerkannte muslimische Wissenschaftler wie Ibn Sina (Avicenna), Zahrawi, Ibrahim Haqqi, Nasir ad-Din al-Tusi und Ak Shamsaddin gleichzeitig auch praktizierende Sufis.

Die Natur ist voller Beweise für die Göttliche Einheit

In der Natur manifestieren sich die Wunderbaren Namen Gottes; sie ist wie eine Ansammlung von Spiegeln, die die Göttlichen Namen und Attribute Gottes reflektieren. In der herrschenden Ordnung und Stabilität wiederum zeigen sich zwei bedeutende Beweise für die Göttliche Einheit. Dieser Ordnung und Stabilität verdankt auch die Wissenschaft ihre Existenz. Die perfekte Ordnung, auf die man überall im Universum stößt, resultiert daraus, dass das ganze Universum mit all seinen Teilchen und winzigsten Partikeln von nur einem Einzigen Schöpfer erschaffen wurde. Allein aus diesem Grunde bestehen Wechselbeziehungen, Kooperationen bzw. gegenseitige Hilfestellung und Solidarität zwischen allen Teilen und Geschöpfen des Universums. Um zum Beispiel eine einzige Frucht, sagen wir einen Apfel, hervorzubringen, müssen Erde, Luft, Wasser, die Sonne und die Fähigkeiten (Keimen, Wachstum, Fotoysynthese, Tragen von Früchten) des Saatguts sowie des Baums selbst miteinander kooperieren. Der Reifeprozess einer einzigen Frucht hängt somit von der Kooperationsfähigkeit des ganzen Universums ab. Die Ordnung und Konstanz im Universum bildet den Ursprung dessen, was die Wissenschaft als ‚Naturgesetze‘ bezeichnet. Die Wissenschaft wendet diese Bezeichnung auf die Elemente oder die Fähigkeiten zu Ordnung und Konstanz im Universum an. Deren Existenz ist jedoch eine rein nominelle. Man könnte diese Naturgesetze auch als die Handlungen und Aktivitäten Gottes beschreiben, die Dieser durch Seine Engel durchführen lässt. Für die Mittlerposition der Engel gibt es in diesem Zusammenhang zwei Gründe: Zum einen erfordert die Würde und Erhabenheit Gottes ein solches Vorgehen, zum anderen schreiben die Menschen alles, was ihnen nicht direkt zum Vorteil gereicht, so auch nicht Gott zu oder klagen ihn sogar für bestimmte widrige Umstände an.

Auf Grund ihres starrsinnigen Beharrens auf der Verbannung der Religion aus ihrem Arbeitsbereich führt die Wissenschaft die wunderbare zielgerichtete Schöpfung wie auch die Ordnung und Konstanz, die in ihr herrschen, entweder auf blinde, unbewusste, unwissende und leblose ‚Gesetze‘ zurück, die nur nominelle, aber keine reale Existenz besitzen, oder auf die Natur selbst, die eine passive und empfangende, keineswegs aber eine aktive Kraft ist. Sie ist kein Subjekt sondern ein Objekt, besitzt weder ein Bewusstsein, noch Wissen oder gar Willen. Dabei steht doch fest, dass die Schöpfung die Existenz von Wissen, Macht und Willen mit absolutem und ewigem Charakter erfordert. Außerdem versucht die Wissenschaft, das Sein und das Leben mit Begriffen wie Zufall und Notwendigkeit zu erklären. Der Grund für diese Ignoranz der Wissenschaft liegt darin begründet, dass sie die Religion für ein Set von Dogmen hält, das auf blindem Glauben basiert und das daher unwissenschaftlich und mit ernsten wissenschaftlichen Bemühungen unvereinbar ist. Diese unverzeihliche Haltung der Wissenschaft zusammen mit ihrer Verneinung der Existenz einer übernatürlichen Dimension der Schöpfung und ihr Agnostizismus sind sämtlich Folgen der Trennung von Religion und Wissenschaft.

Wissenschaft ohne Bezug zur Religion

Sobald sich die Wissenschaft von der Religion lossagt, verliert sie ihre wahre Identität und ihr Ziel. Ziel der Wissenschaft muss es sein, das Sein im Lichte der Göttlichen Unterweisung zu studieren und zu versuchen es mit Gottes Hilfe zu verstehen. Das Universum muss als Leiter dienen, mit der man in den ‚Himmel‘ des Glaubens empor steigen kann. Die Dinge in Übereinstimmung mit dem Glauben zu ordnen, die Welt zu verbessern und dem Menschen zu helfen, seine Funktion als Statthalter Gottes auf Erden zu erfüllen, lehrt der Koran.

Dort können wir unter Vers 2:30 –31 nachlesen, wie die Engel reagierten, als Gott ihnen mitteilte, er wolle einen Statthalter auf Erden installieren. Sie warnten Ihn, eine solche Statthalterschaft würde Willen, Wissen und Macht voraussetzen; Gott würde mit Seiner Entscheidung Verderben, Aufruhr und Blutvergießen den Weg ebnen. Sie sagten zu ihm: „Wir verkünden Dein Lob und heiligen Dich.“ Gott jedoch antwortete ihnen: „Sieh, ich weiß, was ihr nicht wisset.“ Er belehrte die Menschen über die ‚Namen‘, d. h. über die Namen und Realitäten der Dinge und damit auch über die Schlüssel des Wissens; er teilte ihnen mit, wie sie sich die Dinge untertan machen könnten. Indem Er die Menschen auf Grund ihres Wissens um die Dinge über die Engel stellte, verlieh er ‚wissenschaftlichen‘ Studien, die darauf abzielen, die Schöpfung zu verstehen und die Rolle als Statthalter zu erfüllen, den gleichen Wert wie dem Lobpreis der Engel. Wissenschaftliche Studien können also Akte der Verehrung Gottes sein. Sie müssen dann allerdings mit den Zielen, die Schöpfung zu verstehen, den Schöpfer in ihr zu erkennen, die Welt zu verbessern und Frieden und Gerechtigkeit zu bringen, durchgeführt werden. Der Islam schenkt also der Wissenschaft und den wissenschaftlichen Studien große Beachtung und eine religiöse Dimension.

Die Offenbarung des Koran begann mit dem Wort „Lies!“ In einer Zeit, in der es noch gar nichts zu lesen gab, erhält diese Aufforderung eine ganz besondere Bedeutung. „Im Namen deines Herrn...“ schließt sich an diesen Befehl an (Der Koran, 96:1) und fordert den Menschen auf, die Schöpfung im Namen des Herrn zu studieren. Das arabische Wort, das wir mit Gott übersetzen, lautet ‚rabb‘. Unter den weiteren Bedeutungen dieses Wortes finden sich zudem auch die Begriffe ‚Pädagoge‘, ‚Erzieher‘, ‚Erhalter‘. Auch aus ihnen wird deutlich, dass die Schöpfung unter der ‚Herrschaft‘ Gottes steht und der Mensch mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen sollte, den Ursprung des Lebens, des Wachstum und der Funktionsweisen zu studieren. Nichts anderes tut die Wissenschaft.

Die zweite wichtige Bedeutung, die der ersten Offenbarung zukommt, ist, dass – wie schon oben erwähnt – der Mensch die Schöpfung ausdrücklich im Namen Gottes studieren sollte. Er sollte Gott erfreuen und in Übereinstimmung mit den Regeln forschen, die Gott aufgestellt hat. Keine wissenschaftliche Studie sollte sich gegen die Religion und ihre moralischen Implikationen richten. Der Mensch darf nicht zu Schaden kommen, in die Schöpfung und in die Ordnung des Universums darf nicht eingegriffen werden. Wissenschaftliche Forschung, die dem Zweck dient, die ‚Naturgesetze‘ zu ergründen, und sie sich innerhalb des von Gott gegebenen Rahmens zu Nutze zu machen, wird niemals eine Zerstörung der Umwelt zur Folge haben; weder wird sie den Tod von Millionen Menschen verschulden noch die Zerstörung ganzer Städte dulden. Der Islam steht wissenschaftlicher Forschung nicht im Wege; er zeigt jedoch sehr wohl Ziele der Forschung auf und macht moralische Einschränkungen. Der Islam möchte, dass die wissenschaftliche Forschung der Menschheit und den anderen Geschöpfen dient, und erhebt sie, sofern sie im Namen Gottes erfolgt, in den Rang von Akten der Anbetung.

Wissenschaft, die von der Religion getrennt ist, kann dagegen weltweite Unsicherheit, Unglück und Unbehagen, brutale Unterdrückung und Kolonialismus, eine große Kluft zwischen Arm und Reich, endlose globale und regionale Kriege, erbarmungslose Rivalitäten zwischen den Klassen und ein gefährliches Ausmaß der Umweltverschmutzung zur Folge haben. Diese Tatsache lässt sich auch dann nicht von der Hand weisen, wenn wir anerkennen, dass der wissenschaftliche Materialismus einer sehr kleinen Minderheit Wohlstand und materiellen Reichtum gebracht hat, so wie dies in den letzten zwei Jahrhunderten geschehen ist. Die Trennung von Wissenschaft und Religion ist für die größten Katastrophen der Menschheit mitverantwortlich.

Was wissenschaftlichen Fortschritt und Entdeckungen betrifft, waren die Propheten Meister und Vorboten

Auch wenn die säkulare Wissenschaft es nicht zugeben will, waren die Propheten doch gewissermaßen Vorboten für wissenschaftliche Entdeckungen und den Fortschritt der Menschheit. Das ist eine historische Tatsache. Zum Beispiel folgern einige Koraninterpreten aus dem Vers „...bis dass Unser Befehl kam und der Ofen siedete.“ (Der Koran, 11:40), dass die Arche, die der Prophet Noah auf Gottes Geheiß konstruierte, ein Dampfschiff war. Seeleute betrachten Noah als ihren ersten Lehrer oder als auch als Patron. Der Prophet Josef war der Erste, der eine Uhr herstellte und wird daher von allen Uhrmacher als Lehrer geachtet. Der Prophet Enoch wiederum ist der Patron der Schneider.

Trotz alledem hält die säkulare oder materialistische Wissenschaft die Göttliche Offenbarung nicht für eine Quelle des Wissens und offenbartes Wissens nicht für wissenschaftlich fundiert. Die Sintflut, die in allen Heiligen Schriften und in mündlich überlieferten Darstellungen Erwähnung findet, ist für sie nichts als ein Mythos. Solange dieses Ereignis nicht mit wissenschaftlichen Methoden belegt werden kann, wird es in der Wissenschaft aber auch nicht anerkannt. Diejenigen, die sich auf die Wissenschaft als einzig verlässliche Methode berufen, um etwas als wahr zu beweisen, werden den Göttlichen Schriften auch in Zukunft mit Zweifeln begegnen – was auf ein vollkommenes Leugnen jeglicher Göttlicher Offenbarung und von Gott offenbarter Religionen hinausläuft. Viele historische Fakten und Ereignisse würden mit so einer Grundhaltung allerdings im Dunklen bleiben. Ohne die im Koran beschriebenen Berichte vom Leben der Propheten zu berücksichtigen wäre es auch unmöglich, die Geschichte speziell des Nahen Ostens – der Arabischen Halbinsel, Ägyptens, Palästinas, Syriens, Iraks, Irans usw. – zu studieren und korrekt weiter zu vermitteln. Abgesehen davon trägt die säkulare oder materialistische Wissenschaft die Verantwortung dafür, dass vieles, was an sich wahr ist, beurteilt wird, als sei es unwahr, und vieles, was unwahr ist, als Wahrheit hingestellt wird. So bleibt vieles nur deshalb im Unklaren, weil die ‚wissenschaftliche‘ Korrektheit der Göttlichen Offenbarung angezweifelt wird. Zum Beispiel wird behauptet, die Assyrer, die im Irak gelebt haben, seien Heiden gewesen. Der Koran dagegen versichert uns in dem Vers „Und wir entsandten ihn zu Hunderttausend und mehr...“ (Der Koran, 37:147), das mehr als Hunderttausend Menschen in Assyrien an den Propheten Jonas glaubten, der der Bibel zufolge in Nineveh, der Hauptstadt Assyriens gelebt hat.

Die Trennung von Wissenschaft und Religion und die Einteilung in unterschiedliche Kompetenzbereiche hat dazu geführt, dass die Religion heute als ein Set von Mythen und Dogmen betrachtet wird und die Wissenschaft in der Dunkelheit des Materialismus herumirrt. Wenn wir davon ausgehen, dass eine Verbindung und Harmonisierung von Geist und Herz oder von Seele und Verstand absolut notwendig ist, müssen wir uns erst recht auf die Harmonisierung von Wissenschaft und Religion konzentrieren.

Letzte Änderung am 13.12.2014
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