Der Hindu versucht, dem Dharma entsprechend zu leben.

Der Hinduismus entstand zwischen 1000 und 200 v. Chr. durch die Vermischung zweier alter Glaubensrichtungen. (Er wird auch Brahmanismus genannt.) Von Indien aus verbreitete sich der Hinduismus. Später gewann er auch in Nepal und Sri Lanka großen Einfluss. Im Laufe von vielen Jahrhunderten wuchs der Hinduismus zu einer großen Religion. Seine vielen verschiedenen Philosophien stammen von den Rischis (heiligen Menschen), die vor vielen tausend Jahren gelebt haben. Aber auch weise Menschen unserer Zeit können neue Philosophien einführen. Diese Religion hat also keine Gründer, keinen Propheten und kein einzelnes offenbartes Buch.

Die Hindu-Schriften

Die wichtigsten von vielen Hindu-Schriften sind:

  • Veden: Sammlungen von heiligen Schriften, die ab 1500 v. Chr. entstanden (Veda bedeutet heiliges Wissen). Sie wurden von weisen Menschen (Rischis) ‚erschaut‘ und anschließend in Worte gefasst. Sie umfassen Opfersprüche und -gesänge, Zauberworte und Lieder an die Götter.
  • Upanischaden: Die Upanischaden sind die ältesten philosophischen Schriften der Inder und wahrscheinlich auch der ganzen Menschheit. Sie umfassen Gedanken aus dem ersten vorchristlichen Jahrtausend, die nach dem letzten Urgrund aller Dinge fragen, Überlegungen zur ewigen Wiedergeburt anstellen und den Zusammenhang zwischen guten und schlechten Taten herstellen.
  • Puranas: sehr lange Erzählungen von den Helden der Vorzeit und ihren Erlebnissen mit den Göttern.

Glaube

Im Hinduismus werden mehrere Gottheiten verehrt. Drei Gottheiten spielen eine wesentliche Rolle:

  • Brahma ist die Gottheit, die die Welt erschaffen hat.
  • Vishnu ist die Gottheit, die die Welt schützt.
  • Shiva ist eine vielschichtige Gottheit, in der sich die dunklen Seiten des Glaubens wie Angst und Schrecken verdichten. Sie verkörpert den Kampf gegen Dämonen und das Böse.

Weitere Götter sind Krishna, Lakschmi, Parvati, Kali und Ganesch. Diese verschiedenen Gottheiten sind jedoch nur Ausdruck und Erscheinungen der verschiedenen Aspekte des Göttlichen. Die Götter werden nicht als unterschiedliche nebeneinander existierende Götter verstanden, sondern sind letzten Endes nur Manifestationen und Symbole für das Absolute, das für den Verstand nicht mehr fassbar ist (für das Brahman oder das Atman).

Jedes Lebewesen hat eine unsterbliche Seele (Atman), die darauf drängt, nach dem Tode wieder geboren zu werden. Je nach dem persönlichen Karma (d.h. entsprechend der positiven und negativen Handlungen, Gedanken und Bedürfnisse) wird jeder in einer bestimmten Gestalt wieder geboren. Da auch die Möglichkeit einer Wiedergeburt als Tier besteht, sind strenggläubige Hindus gegen jedes Töten von Tieren. Wunsch aller Hindus ist es, dem ewigen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt zu entkommen und das Nirwana, das Einswerden mit dem Brahman (der Seele der Welt, dem Ewigen und Absoluten) zu erreichen. Hilfsmittel auf diesem Weg sind Meditation, Yoga, Askese und die Arbeit mit einem Guru (Lehrmeister).

Der Hindu versucht, dem Dharma entsprechend zu leben. Das Dharma beschreibt die moralischen und sittlichen Werte, das gesellschaftliche Leben, die Regeln der Kaste und auch das universelle Gesetz. Der Hinduismus beeinflusst das ganze Leben von der Geburt bis zum Tod. Religion und Alltag sind nicht voneinander zu trennen.

Zentral ist im Hinduismus die Frage: „Wer bin ich?“, nicht: „Wer ist Gott?“. Die Antwort auf diese Frage findet der Hindu, indem er ernsthaft und tief seine Seele befragt. Die Schriften sind nichts weiter als Stützen, die einen möglichen Weg aufzeigen um die Antwort auf diese Frage zu finden. Weil unendlich viele Wege zur Wahrheit führen, kann jeder Einzelne den Weg beschreiten, den er für richtig hält. Deshalb gibt es im Hinduismus auch so viele unterschiedliche Richtungen.

Kastensystem

Im Hinduismus werden die Menschen auf Grund ihres Karmas in eine bestimmte Kaste hineingeboren. Diese Kastenzugehörigkeit ist vererbbar und die Regeln der Kaste bestimmen den späteren Ehepartner und das ganze spätere Leben (z.B. den Beruf). Die vier Hauptkasten sind:

  • Brahmanen:           Priester, Gelehrte
  • Kshatriyas:            Fürsten, Krieger, Politiker
  • Vaishyas:               Kaufleute, Bauern, Handwerker
  • Shudras:                Diener, Arbeiter

Außer den vier Hauptkasten entstanden durch die Abgrenzung verschiedener Berufsgruppen und Heirat unzählige Zwischenkasten, z.B. die Kaste der Dhobi (Wäscher), Goldschmiede usw.. Außerhalb der Kasten, als Unberührbare, leben die Kastenlosen, die Parias. Sie dürfen nur niedere Tätigkeiten ausüben und werden darum von vielen verachtet. Ein Verstoß gegen die Kastenregeln macht den Hindu unrein und vermindert seine Chancen für das Heil im zukünftigen Leben.

Die ursprüngliche Kasteneinteilung hatte aber wohl nicht viel mit Vererbbarkeit und wirtschaftlichem Status zu tun, sondern bezog sich auf den spirituellen Entwicklungsstand der Menschen: Als Brahmanen bezeichnete man einen Wissenden, der die höchste Stufe der Erkenntnis erreicht hatte. Ein Kshatriya war ein Kämpfer, ein Mensch, der noch um die Wahrheit kämpfen musste und sich auf dem Weg befand, während ein Vaishya noch mehr im Materiellen verhaftet war und ein Shudra die unterste Stufe darstellte.

Letzte Änderung am 03.08.2015
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