Nicht nur in manchen Medien, sondern auch in Schulbüchern werden oft falsche oder zumindest teilweise fehlerhafte Informationen über den Islam vermittelt.

Nicht nur in manchen Medien, sondern auch in Schulbüchern werden oft falsche oder zumindest teilweise fehlerhafte Informationen über den Islam vermittelt. Dies führt natürlich zur Verstärkung bestehender Vorurteile und möglicherweise sogar zur Wahrnehmung des Islams als Feindbild oder als bedrohliche Religion. Wir sollten ihn aber in seiner Eigenschaft als Religion wahrnehmen und unbedingt vermeiden, ihn zu einer Ideologie einiger bestimmter fanatischer Gruppierungen herabzuwürdigen.

Das Buch "Gesellschaft bewusst 2, Westermann 2012"  und dort speziell das Thema "Was die Menschen im Mittelalter voneinander wussten" zeigt jedoch exemplarisch, dass manche Schulbücher auch weiterhin gravierende sachliche Fehler aufweisen.

  1. Auf Seite 6/7 beispielsweise wird der Felsendom mit der goldenen Kuppel als der Ort der Himmelfahrt des Propheten beschrieben, was sachlich falsch ist; richtig wäre: Die Himmelfahrt fand von der Masdschid al-Aqsa Moschee aus statt, die sich auf dem Bild rechts vom Felsendom und direkt hinter der Klagemauer (Silberne Kuppel) befindet.
  2. Auf Seite 10 wird die Kalligraphie zum Glaubensbekenntnis in der Form eines Schiffes in der Unterschrift als Galeere und somit als "Kriegsschiff" bezeichnet, was den Eindruck erweckt, das Bekenntnis zum islamischen Glaube sei mit kriegerischen Handlungen verknüpft. Im Islam ist aber der Frieden der erstrebenswerte Normallzustand. Abgesehen davon steht das Schiff im islamischen Kontext für die Bedeutung Errettung, siehe das Beispiel der Arche Noah.
  3. Auf Seite 10 steht unter "Die fünf Säulen des Islam" im dritten Punkt: "Die Almosen: Für die Armen spenden". Dies entspricht aber nicht dem Wesen der Zakat; korrekt wäre, das Wort mit "Sozialabgabe" zu übersetzen. Die Sozialabgabe (Zakat) ist an ganz bestimmte Bedingungen geknüpft,  und auch ihre Höhe ist genau festgelegt, nämlich mit 2,5% des Barvermögens. Auch die Adressaten dieser Abgabe sind klar definiert, und es sind nicht ausschließlich Arme.
  4. Auf Seite 10 in dem Info-Kästchen werden falsch konnotierte Begriffe benutzt. Zum Beispiel wird Islam mit  "Unterwerfung" gleichgesetzt. Doch die etymologische Übersetzung des Wortes Islam lautet Frieden, Ergebung, Hingabe, Errettung, etc.. Das Wort Unterwerfung assoziiert eher mittelalterliche Weltbilder, die dem Menschen den Platz eines gehorchenden und nicht hinterfragenden Untertanen zuweist. Im Islam dagegen genießen  der freie Wille und die Selbstverantwortung einen hohen Stellenwert, was der hier verwendeten Übersetzung mit Unterwerfung, was zudem auch Fatalismus impliziert, grundlegend widerspricht.
  5. Auf Seite 10 im Abschnitt "Mohammed, der Prophet" wird hinsichtlich der ersten Offenbarung die Formulierung "eines Tages" gebraucht. Hier entsteht der Eindruck, es handle sich um ein Geschehnis,  das nicht genau datierbar ist und um das sich Mythen ranken. In islamischen Quellen hingegen ist das Datum der ersten Offenbarung sehr genau datiert, nämlich auf die Nacht vom 27. auf den 28. Tag des Monats Ramadan im Jahr 610 (n.Chr.). Diese heilige Nacht wird von den Muslimen als Nacht der Bestimmung feierlich begangen.
  6. Im selben Abschnitt wird gesagt, der Prophet habe den Auftrag gehabt zu bekehren, was aber ebenfalls falsch ist. Der Prophet hatte dem Islam zufolge allein die Aufgabe, die Botschaften Gottes zu übermitteln: Es geht also eher um ein Angebot als um eine Bekehrung. Darüber hinaus werden im selben Satz die Araber als die exklusiven Adressaten der Botschaft bezeichnet. Nach islamischem Verständnis ist der Prophet aber allen Menschen als Gesandter geschickt worden, keineswegs den Arabern allein. Im Islam wird Gabriel als (Botschaftsüber-)Mittler zwischen Gott und dem Propheten verstanden und nicht als Auftraggeber. Allein dieser Satz (Der Erzengel beauftragte ihn, die Araber zu Allah zu bekehren) ist deshalb ein sehr gutes Beispiel dafür, wie man mit wenigen Worten ein völlig falsches Bild vom Islam und seinen unterschiedlichen Facetten zeichnen kann.

Dieses Buch würde bei einer Schulbuchuntersuchung zu der Frage, welches Bild ein Buch vom Islam zeichnet und welche Werte und Normen es vom Islam vermittelt, miserable Resultate liefern und daher sehr schlecht abschneiden.

Wichtig ist, dass die Schüler nicht in ihren Vorurteile bestärkt werden, sondern sie abbauen können, dass es den Schülern ermöglicht wird, Kenntnisse im Unterricht zu erwerben, die nicht auf Halbwissen oder gar auf Fehlinformationen basieren.

Um solche Mängel  in Zukunft auszuschließen, bietet das INID-Institut Autoren und Verlagen seit neuestem ein inhaltliches Lektorat von Schul- und Fachbüchern an, die sich in einem engeren oder weiteren Sinne mit dem Islam und den Muslimen beschäftigen.

Bei Interesse kann man sich über die Emailadresse an das Institut wenden: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Muhammet Mertek

Letzte Änderung am 09.11.2014
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