Um Verwechslungen so weit wie möglich zu vermeiden, soll hier klar zwischen Krieg und Dschihad unterschieden werden.

Ali Bulac

Was die oberflächliche Bedeutung des Dschihad betrifft, so ist die Vorstellung weit verbreitet, die Muslime würden den Krieg als Instrument zur Bekehrung zum Islam rechtfertigen; eine andere ähnlich verbreitete Vorstellung lautet, der Dschihad-Begriff sei nur politisiert worden, denn der Islam billige Terror und Gewalt zur Durchsetzung seiner ureigenen Interessen. Die westlichen Medien zeigen oft sogar politisch motivierten Terror und Gewalt, um dann zu behaupten, dies seien Beispiele für einen so genannten modernen islamischen Dschihad.

Um Verwechslungen so weit wie möglich zu vermeiden, soll hier klar zwischen Krieg und Dschihad unterschieden werden. Der Krieg ist dem internationalen Recht unterworfen und steht in zwischenstaatlichen Beziehungen immer wieder auf der Tagesordnung. Der Begriff Dschihad hingegen umfasst, wie bereits erwähnt, viele weitere Bedeutungen. Ein Aspekt des Dschihad ist unzweifelhaft der Krieg. Hanafitische Juristen[1] zählen den Dschihad übereinstimmend zu den vier natürlichen und klassischen Aufgaben des Staates. Als solche bezeichnen sie Souveränität und Repräsentation von Souveränität (die Einhaltung der Praxis des öffentlichen Freitagsgebets), das Eintreiben von Steuern und deren Umverteilung in Projekte der Gemeinschaft (Fay), den Schutz der Sicherheit des Landes und der Unabhängigkeit der Rechtsprechung (der Autorität des Urteils) sowie die Verteidigung des Landes (die Proklamation des Dschihad). Hanafitische Gelehrte sind der Auffassung, die Verteidigung des Landes falle unter dem Titel Dschihad in den Verantwortungsbereich des Staates. Dies hat jedoch nichts mit dem permanenten Kampf im marxistischen Sinne oder auch mit dem Kampf der Nazis zu tun, der erst dann ein Ende findet, wenn die ganze Welt die Überlegenheit einer bestimmten Rasse anerkennt. Im Gegenteil, diese administrative Autorität demonstriert, dass alle Angelegenheiten in einem rechtlichen Rahmen abgehandelt werden sollen. Die Tatsache, dass diese Verantwortung dem Staat übertragen wird, unterstreicht nachdrücklich, dass ausschließlich eine rechtmäßige öffentliche Autorität das Recht hat, einem anderen Land den Krieg zu erklären und dabei den Dschihad auszurufen. Individuen, zivile Gruppen, Gemeinschaften oder politische Vereinigungen können und dürfen keinen Krieg im Namen des Dschihad erklären.

Obwohl dieser Sachverhalt unzweideutig gesetzlich geregelt ist, hat Hans Kruse den Dschihad als „einen permanenten Krieg zwischen der islamischen Gemeinschaft und den Nichtmuslimen“ definiert. Wie er zu diesem Ergebnis gelangt ist, ob er seine Schlussfolgerungen durch das Studium historischer Beispiele gewonnen hat oder ob er sich auf die grundlegenden Quellen der Religion beruft, wird nicht deutlich. Klar ist aber: In den vertrauenswürdigen und verlässlichen Quellen finden sich keine Hinweise auf einen ‚permanenten Dschihad‘ im Sinne von Qital oder Krieg. Eine entsprechende Pflicht (Fard), die alle Muslime verrichten müssten, gibt es nicht. Die Grenzen eines islamischen Landes sind von bewaffneten Streitkräften zu schützen, und zwar vom offiziellen Militär des jeweiligen Landes. Dies bestätigten die ersten Rechtsgelehrten unter den Prophetengefährten, Abd Allah ibn Umar, Amr ibn Dinar und Sufyan as-Sawri. Diesen Rechtsgelehrten zufolge verlieren Kriege ihre Notwendigkeit, wenn die Grenzen der islamischen Länder sicher sind. In den Krieg zu ziehen, sei dann nicht länger verpflichtend.[2]

Eine Verbindung zwischen Dschihad und Krieg lässt sich dann finden, wenn man sich auf den Kampf auf der spirituellen Ebene um charakterliche Reife und das Wohlwollen Gottes konzentriert. Menschen, die auf diese Art und Weise kämpfen, sind bereit, in gerechten Kriegen für rechtmäßige Ziele zu kämpfen und ihr Leben für die Freiheit und Unabhängigkeit ihrer Mitmenschen zu opfern; denn solche Kriege werden von Gott gutgeheißen und gelten als erhabenes Streben. Ein Mensch der stirbt, während er Glauben, Besitz, Ehre, geistige oder körperliche Gesundheit oder Leben verteidigt, wird Märtyrer genannt. Der Dschihad ist eben nicht, wie der Orientalist Josef Schact sagt, ein „Heiliger Krieg des Dar al-Islam (der Länder des Islam) gegen das Dar al-Harb (die nichtislamischen Länder), der so lange andauert, bis die ganze Welt zum Islam bekehrt und unter islamische Oberhoheit gefallen ist.“[3] Das Konzept des ‚Heiligen Kriegs‘, dies soll hier nochmals betont werden, ist ein Konzept der westlichen Welt. Wenn westliche Intellektuelle sich des Themas Dschihad (und einiger anderer Themen) angenommen haben, dann haben sie sich nicht mit der wahren Bedeutung und dem Platz des Dschihad im Islam auseinandergesetzt, sondern ihn in ihre eigenen Systeme und Strukturen zu pressen versucht. So tendierten sie dazu, Dschihad mit Heiliger Krieg zu übersetzen. Schact verwechselt darüber hinaus anscheinend den ‚Heiligen Krieg‘ mit den militärischen Kriegen, die aus Streitigkeiten zwischen Staaten entstehen. Wie ja bereits erwähnt wurde, ist der ‚Heilige Krieg‘ ein Konzept, das dem politischen und militärischen Denken der Muslime fremd ist. Der Krieg gilt ihnen, so wenig wünschenswert er auch sein mag, als Politik mit anderen Mitteln. In diesem ganz speziellen Sinne kann ein Dschihad nur von staatlicher Seite erklärt werden, d.h., von der rechtmäßigen öffentlichen Autorität. Ziel eines solchen (Dschihad-) Kriegs muss sein, ein gerechtes und angemessenes Resultat zu erzielen. Auch die Art der Kriegführung muss innerhalb des rechtlichen Rahmens liegen. Dschalal ad-Din ar-Rumi (1207-1273) sagte: „Der Krieg wurde zur Pflicht gemacht, damit den Unterdrückern die Schwerter aus den Händen gerissen werden.“ Unabhängig davon würde das islamische Recht niemals einem Krieg das Attribut ‚heilig‘ verleihen. Im Gegenteil, im Koran steht geschrieben, dass der Krieg dem Menschen immer widerwärtig erscheint (2:216); deshalb werden ihm im Islam Grenzen gesetzt, damit sein Endresultat den Weg in eine bessere Zukunft ebnen kann. Eine Forderung, die ganze Menschheit zu Muslimen zu machen, existiert im Islam nicht. Der Koran sagt völlig unmissverständlich: Und die meisten von ihnen glauben nicht an Allah, ohne (Ihm) Götter zur Seite zu stellen. (12:106) Der einzelne Mensch kann nur durch den Willen Gottes (Maschiya) und Seine Rechtleitung (Hidaya) auf den rechten Weg und zur Erlösung finden. Persönliches Bemühen ist wichtig und notwendig, dennoch ist der Glaube in erster Linie ein Privileg, das von Gott gewährt wird. Da dies so ist, wäre es absurd davon auszugehen, dass man Menschen dazu zwingen kann, Hidaya zu finden oder dem Glauben beizutreten. Der Koran sagt Folgendes zum Propheten und signalisiert damit allen Muslimen: So ermahne; denn du bist zwar ein Ermahner, du hast aber keine Macht über sie. (88:21-22) Ein ganz wesentliches Prinzip lautet:

Es gibt keinen Zwang im Glauben (2:256)

Im Gegenteil, zu den legitimen Beweggründen für einen Krieg gehören die Schaffung von Religions- und Gewissensfreiheit und die Beseitigung von Hindernissen, die zwischen dem Gewissen des Menschen und Gott liegen. Wenn wir als Menschen aufgefordert sind, Verantwortung zu übernehmen, dann liegt diese Verantwortung hier, auf diesem Gebiet. Staaten mit fest verankerten Rechten und einer Verfassung garantieren Religions- und Gewissensfreiheit. Sie sorgen dafür, dass kein Druck auf die Bürger ausgeübt wird, sich für eine bestimmte Religion zu entscheiden. Repressive Regime hingegen blockieren nicht nur die Religions-, Gewissens- und Meinungsfreiheit, sondern begünstigen auch Ungerechtigkeiten aller Art und moralische Degeneration. Der Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit gegen ein solches repressives Regime liegt im Bereich der moralischen Ziele des Dschihad. Der Prophet Muhammad zeigt mit den folgenden Worten auf, wo die legitimen Ziele der Innenpolitik liegen:

Der größte Dschihad besteht darin, einem grausamen Herrscher Worte der Gerechtigkeit und der Wahrheit zu sagen.[4]

Die Garantie von Religions- und Gewissensfreiheit, das Recht so zu leben, wie man es sich wünscht, und die Schaffung von Gerechtigkeit sind Errungenschaften, von denen nicht nur Muslime, sondern auch Nichtmuslime profitieren dürfen. Die Existenz von mehr als einer Religion, mehr als einem Glauben und mehr als einer Denk- und Lebensweise ist ein Grundprinzip des Pluralismus. Gottes Wunsch ist nicht, dass alle Menschen gleich sind, ganz so, als wären sie alle aus exakt dem gleichen Holz geschnitzt. Es gibt durchaus ontologische Unterschiede, die uns erlauben zu erkennen, welche Gemeinschaft im Vergleich zu den anderen besser abschneidet und welche schlechter. Theologische und epistologische Diskussionen zwischen den Religionen werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch in der Zukunft stattfinden. Diese dürfen indes nicht zum Anlass genommen werden, Kriege und Gefechte vom Zaun zu brechen. Gott wird über die Dinge, die die Menschen untereinander diskutieren, abschließend urteilen. Was uns in dieser Welt zufällt, ist, miteinander zu Gunsten all dessen, was wahr und schön ist, zu wetteifern.

Der Mensch besitzt neben all seinen Tugenden auch eine gierige, egoistische, anmaßende und destruktive Seite. Deshalb hält er sich zwangsläufig nicht immer an moralische Prinzipien, deshalb begehrt er, was ihm nicht zusteht, und deshalb verletzt er die Rechte seiner Mitmenschen. Der Anlass für einen rechtmäßigen und gerechten Krieg kann sich nur aus solchen und ähnlichen Übertretungen und Anmaßungen ableiten. Neben diesen Kriegen zur Verteidigung sind auch offensive Kriege legitim, sofern sie denn der Schaffung von Religions- und Gewissensfreiheit und der Verankerung von grundlegenden Rechten und Freiheiten dienen. Eine Welt ohne Waffen und Kriegsgefahren ist ein wunderbares Ideal. Aber die Ereignisse und Fakten der Geschichte und unseres Alltags dokumentieren, dass wir von diesem Ideal sehr weit entfernt sind. Also müssen wir mit dieser ständigen Bedrohung leben. Wir sollten aber dafür sorgen, dass Kriege auf moralischen und gerechten Grundmauern ruhen. Der Islam akzeptiert die Realität des Krieges, nicht als eine grundlegende Pflicht, sondern als eine den Umständen geschuldete unvermeidliche Realität.

Die Schaffung von Religions- und Gewissensfreiheit und der Schutz von Orten der Anbetung wird auch im Koran angesprochen:

Jenen, die schuldlos aus ihren Häusern vertrieben wurden, nur weil sie sagten: „Unser Herr ist Gott.“ Und wenn Allah nicht die einen Menschen durch die anderen zurückgehalten [dafa‘a] hätte, so wären gewiss Klausen, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen der Name Gottes oft genannt wird, niedergerissen worden. (22:40)

Das arabische Verb dafa‘a leitet sich aus der Wurzel d-f-a ab, zu deren Bedeutungsfeld auch der Begriff Krieg gehört. Es wäre jedoch nicht legitim, den Dschihad-Begriff einzig und allein als ‚Krieg führen‘ (Muqatala) zu charakterisieren. Da das Verb mit ‚jemanden loswerden‘ übersetzt werden kann, beinhaltet es auch die Bedeutung ‚Widerstand gegen alle Arten von politischem und ideologischem Druck‘. Sich an politischen und rechtlichen Auseinandersetzungen für die Freiheit der Gewissens- und Religionsfreiheit im eigenen Land zu beteiligen, sich auch intellektuell dafür einzusetzen, dass den Menschen der Druck genommen wird, d.h., zivile Reaktionen auszulösen und Plattformen zu gründen oder an Plattformen mitzuarbeiten - all das gehört zum Bedeutungsfeld des Wortes dafa’a.

Wie kann eine Religion, die (selbst auf die Gefahr eines Krieges hin) zum Handeln gegen die Ausübung von Druck auch gegen Nichtmuslime aufruft, verdächtigt werden, Menschen mit Gewalt zum Islam bekehren zu wollen oder Gewalt und Terror gegen Unschuldige zu billigen?

In der Geschichte finden wir Beispiele, die beweisen, dass auf die Rechte der Nichtmuslime Rücksicht genommen wurde. Nach Ende eines blutigen Kriegs gegen die Mongolen verlangten die Muslime, dass die nichtmuslimischen Sklaven ebenfalls freigelassen werden sollten. Diese Bedingung war so ungewöhnlich, dass Kutlu Schah, der Befehlshaber der Mongolen, Ibn Taymiyya, den Sprecher und Verhandlungsführer der Muslime, fragte: „Was meint ihr damit? Heißt das, ihr werdet weiter kämpfen, wenn wir die Christen und Juden nicht freilassen?“ Ibn Taymiyya antwortete: „Ja, genau das meinen wir.“ Ibn Taymiyya ging davon aus, dass die Muslime verpflichtet waren, für die Rechte der Nichtmuslime, mit denen sie Verträge geschlossen hatten, zu kämpfen; dies sei Dschihad für die Sache Gottes.[5]

Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, und ergreift sie und belagert sie, und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf. Wenn sie aber bereuen und das Gebet verrichten und die Zakat entrichten, dann gebt ihnen den Weg frei. Wahrlich, Gott ist vergebend, barmherzig. (9:5)

Dieser Vers spielt, wie in den ersten Versen dieser Sure deutlich wird, auf eine Situation an, in der bereits alle Möglichkeiten, zu einer Vereinbarung oder zu einem Vertragsschluss zu gelangen, erschöpft sind, in der alle diplomatischen Bemühungen fehlgeschlagen sind und ein Kriegsausbruch wahrscheinlich ist. In Vers 4 derselben Sure heißt es:

Davon sind diejenigen Götzendiener ausgenommen, mit denen ihr einen Vertrag eingegangen seid…(9:4)

In Vers 6 wird den Muslimen außerdem befohlen, Heiden, die Unterschlupf und Schutz suchen, zu verschonen. Festzuhalten bleibt: All diese Verse beziehen sich nur auf einen tatsächlich gegebenen Kriegszustand.

An dieser Stelle soll nun, in Hinblick auf die Theorien von Krieg und Religion, verdeutlicht werden, was überhaupt einen Krieg ausmacht: Wie eingangs bereits erwähnt wurde, ist der Krieg eine militärische Auseinandersetzung, die aus politischen Differenzen und Disputen resultiert. Diese Auseinandersetzung ist ‚säkularer‘ Natur. Der preußische General und Kriegstheoretiker Clausewitz (1780-1831) definierte den Krieg als „die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ Der Krieg ist ein Instrument, das zum Einsatz gebracht wird, um Menschen mit Hilfe von Gewalt davon zu überzeugen, ein politisches Ziel zu akzeptieren.

Der Mehrheit (Dschumhur) der islamischen Rechtsgelehrten zufolge liegt ein Grund für den Krieg im Islam dann vor, wenn ein Feind den Islam attackiert und die Länder der Muslime angegriffen werden. Eine Definition findet sich in folgendem Vers:

Kämpft auf dem Weg Gottes gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht. (2:190)

Mit anderen Worten: Das Kausalitätsprinzip des Kriegs lautet nicht, Nichtmuslime zum Islam zu bekehren. Wenn dies so wäre, müssten alle Nichtmuslime ständig bekämpft werden, ohne einen Unterschied zwischen Mann und Frau, Kind und Erwachsenem oder Geistlichem und Zivilist zu machen. Das jedoch hieße, die Grenzen zu übertreten, was der Vers ja untersagt. Tatsache ist, dass es den Muslimen selbst im Krieg gegen den Feind streng verboten ist, Frauen, Kinder, Ältere, Behinderte, Geistliche oder auch männliche Zivilisten zu töten, die nicht aktiv an dem Krieg teilnehmen.

Selbst wenn sich der Feind nicht an die oben genannten moralischen Normen und Regeln hält, verbietet das islamische Recht die Praxis ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn‘. Wenn muslimische Frauen im Krieg vergewaltigt werden, dürfen sich die muslimischen Soldaten nicht rächen, indem sie ihrerseits die Frauen des Feindes vergewaltigen.[6] Seit der Offenbarung des Korans im 7. Jahrhundert gilt die Vergewaltigung von Frauen im Krieg als Kriegsverbrechen. In der Moderne wurde sie erst im Jahr 2001 als solches akzeptiert. 1994, sieben Jahre, nachdem serbische Soldaten ca. 50.000 muslimische Frauen und Mädchen vergewaltigt hatten, wurden drei der Täter vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag schuldig gesprochen und zu Freiheitsstrafen verurteilt. Erst nach diesem Prozess akzeptierte die internationale Gemeinschaft die Vergewaltigung von Frauen durch Soldaten als Kriegsverbrechen. Diese den Krieg betreffenden gesetzlichen Regelungen wurden bereits Jahrhunderte zuvor vom Propheten niedergelegt, und den Muslimen wurde aufgetragen, sich an sie zu halten.[7]

Wenn man also, wie hier geschehen, die grundlegenden Verfügungen und die bindenden gesetzlichen Regelungen in Bezug auf die legitime Kriegführung in Betracht zieht, wie kann man dann zu dem Ergebnis gelangen, Dschihad und Terror seien ein und dasselbe; zielt doch der Terror auf die Auslöschung der Leben Unschuldiger und ist in letzter Konsequenz ein Verbrechen gegen die Menschheit?

Bei genauem Hinschauen wird deutlich, dass der Islam verlangt, dass die Fundamente der Beziehungen zwischen den Religionen auf gegenseitigem Respekt und Akzeptanz ruhen sollen. Der Freiraum des Individuums für einen den eigenen Wünschen entsprechenden Glauben und für das Recht auf Anbetung Gottes sollte respektiert und vor allen Verletzungen und Attacken geschützt werden. Dieses Prinzip des gegenseitigen Respekts wird die Religionen dazu ermuntern, im Khayr (im Guten) zu wetteifern.

Das Konzept des Khayr ist ein in semantischer Hinsicht weites Konzept. Es umfasst grundlegende Werte wie Schönheit, Moral, Rechtschaffenheit und Frömmigkeit. Es ruft auf zum Dialog, zu Kooperation, gegenseitiger Unterstützung, Toleranz und gemeinschaftlichen Bestrebungen, diese Ziele zu erreichen. Die Situation, in der wir uns heute befinden, macht es dringend erforderlich, dass wir nicht die Streitpunkte zwischen den Religionen herausstellen, sondern die gemeinsame Verantwortung für Probleme, die uns alle betreffen, und die Kooperation zwischen gleichberechtigten Partnern.

Literatur
  • Abu Sulayman; Islam‘in Uluslararasi Iliskiler Kurami; Istanbul 1985; Erstveröffentlichung unter dem Titel: The Theory of International Relations in Islam
  • Abu Zahra, Muhammad; Islam’da Savas Kavrami; Istanbul 1976
  • Imam Ibn Taymiyya; Istanbul: lslamoglu Yayinlari
  • Peters, Rodolph; Islam ve Sömürgecilik - Modern Zamanlarda Cihad Ögretisi; Istanbul 1989; Erstveröffentlichung unter dem Titel: Islam and Colonialism: The Doctrine of Jihad in Modern History
  • Schact, Joseph; Islam Hukukuna Giris; Ankara 1977; Erstveröffentlichung unter dem Titel: A History of Is­lamic Legal Theories: An Introduction to Sunni Usul Al-Fiqh
  • Yaman, Ahmet; Islam Devletler Hukukuna Giris; Istanbul: 1998
 
Fußnoten

[1] Die hanafitische Rechtsschule ist eine der vier großen islamischen Rechtsschulen.

[2] Abu Suleiman 1985, 24

[3] Schact 1997, 139

[4] Abu Dawud, Malahin, 17; Tirmidhi, Fitan, 13

[5] Abu Zahra, Imam Ibn Taymiyya: Islamoglu Yayinlari

[6] Abu Zahra 1976, 42

[7] Für weitere Details siehe Yamam 1998, 57

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