Terror ist ein Verbrechen gegen die Menschheit.

Religion und Terror sind zwei Konzepte, die sich nicht miteinander in Einklang bringen lassen. Denn alle Religionen lehnen Terror ab und verabscheuen ihn. In jeden Terrorakt sind insgesamt fünf Verbrechen involviert: Verbrechen gegen den Schöpfer, gegen die Menschheit als Ganze, gegen die Individuen, die geschädigt werden sollen, gegen den Täter selbst und gegen die Gemeinschaft, der er angehört.

Dem Islam zufolge wurde der Mensch, der geehrt wurde (17:70) von Gott in bester Form erschaffen (95:4). Da Gott lebendig macht und sterben lässt (3:156), ist es dem Menschen verboten zu töten: Ihr sollt niemanden töten, dessen Leben Gott unverletzlich gemacht hat, außer wenn dies gemäß dem Recht geschieht (6:151). Wenn jemand einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen hätte oder ohne dass ein Unheil im Lande geschehen wäre, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet (5:32)

Dem Vers Und stürzt euch nicht mit eigenen Händen ins Verderben und tut Gutes! Wahrlich, Gott liebt diejenigen, die Gutes tun (2:195) zufolge haben wir nicht einmal das Recht, uns selbst in Gefahr zu begeben, und der folgende Vers verbietet uns, Selbstmord zu begehen: Und tötet euch nicht! Gott verfährt barmherzig mit euch (4:29). Völlig unabhängig von irgendwelchen Gründen, die man vielleicht anführen könnte - im Islam ist das Verbot, sich selbst und anderen Schaden zuzufügen, ein allgemeiner Grundsatz; und das Töten Unschuldiger ist ein unverzeihliches Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Der Islam unterscheidet drei Kategorien von Rechten: die Rechte Gottes, die Rechte der Menschen und die zusammengesetzten Rechte. Erstere beide sind von größerer Bedeutung.

Zu den Rechten Gottes gehören der Glaube an Gott und Seine Anbetung sowie weitere Rechte, die das Gemeinwohl und die Organisation der Gemeinschaft betreffen. Nicht in diese Kategorie fallen die Rechte einzelner Individuen und Gruppen. Dieses Konzept lässt sich noch erweitern, sodass auch die Rechte aller Lebewesen und aller leblosen Dinge zu den Rechten Gottes gezählt werden. Weiterhin ist auch das Recht auf Leben ein Recht Gottes, und nicht ein Recht des Individuums. Die Rechte Gottes sind, im Gegensatz zu anderen Rechten, unveräußerlich. Gott allein steht es zu, Verletzungen und Verstöße gegen Seine Rechte zu vergeben. Diese Rechte können nicht abgeschafft oder von Menschen oder Regierungen abgeändert werden.

Die Terrorakte, die in der jüngeren Vergangenheit begangen wurden, teils gedacht als Rebellion gegen moderne Werte, teils um sich Gehör zu verschaffen, und mit ihnen auch die individuellen oder gemeinschaftlich verübten Selbstmordattentate werden vom Islam geächtet. Kein Mensch hat das Recht, so zu handeln, wie es jene Terroristen tun. Einige ihrer Aktionen sind auf ein falsches Verständnis oder eine Fehlinterpretation des Islams, andere auf einen Mangel an zuverlässigen und korrekten Kenntnissen des Islams zurückzuführen.

Doch die Tatsache, dass solche Terroranschläge in letzter Zeit immer häufiger geworden sind, macht eine eingehendere Analyse unumgänglich. Egal, welche Ziele diese Terroranschläge verfolgen mögen - wir müssen die Gründe, die einen Menschen dazu bringen, zu einem Terroristen zu werden, enthüllen und beseitigen. Dazu sind wir als Menschen verpflichtet. Die Situation auf die leichte Schulter zu nehmen, auf einem Auge blind zu sein oder gar diejenigen zu unterstützen, die den Terror erst ermöglichen, muss ebenfalls als Verbrechen gegen die Menschlichkeit betrachtet werden.

Auf der anderen Seite sollte man nicht vergessen, dass Narzissmus und aggressive Gefühle für das Verhalten des Menschen eine sehr wichtige Rolle spielen. Wenn das Gefühl der ‚Eigenliebe‘, ein Gefühl, das dem Schutz des Individuums dient, auf irgendeine Weise bedroht ist, führt dies bei dem entsprechenden Menschen in der Regel zu Schamgefühlen und zu einem verletzten Selbstbewusstsein, und damit auch zu aggressivem Handeln mit dem Ziel, dem Gefühl der Eigenliebe wieder zu seinem Recht zu verhelfen. Ganz allgemein begünstigen Unwissenheit und Halbwissen Engstirnigkeit; Engstirnigkeit bereitet den Boden für Fanatismus, und Fanatismus öffnet dem Terror Tür und Tor. Im Bereich Religion führen Unwissenheit und Halbwissen sogar zu noch problematischeren Verwicklungen. Menschen, die nur unzureichend über ihren eigenen Glauben informiert sind, sind kaum in der Lage, eine gesunde Wechselbeziehung zwischen den Werten, an die sie glauben, und dem Leben, das sie führen, herzustellen. Sie verlieren die Verbindung zum Leben und laufen Gefahr, widerspruchsvoll zu handeln, oder sie verschmähen ihre Werte und leiden an Minderwertigkeitskomplexen. Beides sind unheilbringende Reaktionen.

Terror und Terrorismus sind Konsequenzen auswegloser Umstände, für die sich keine Lösungen finden lassen. Und für diese ausweglosen Umstände sind Unwissenheit und Hilflosigkeit verantwortlich. Hilflosigkeit entsteht, wenn notwendige Mittel nicht zur Verfügung stehen. Individuen und damit auch Gesellschaften, die nicht mit einem gewissen Maß an Bildung und intellektueller Weisheit ausgestattet sind, produzieren eher Probleme als Lösungen und lassen sich leichter von anderen missbrauchen. Wenn aber Mittel zur Verfügung stehen, diese aber nicht genutzt werden können, führt das zu Hilflosigkeit, und diese Hilflosigkeit entfacht dann Aggressionen.

Bekir Karliga

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