Einheit in Vielfalt führt zu einem Sowohl-als-auch-Denken anstelle eines Entweder-oder-Denkens.

Gott verändert die Lage eines Volkes nicht, ehe sie nicht das ändern, was in ihren Seelen ist. (13:11)

Im 20. Jahrhundert mussten sich die Muslime, genau wie andere religiöse Gemeinschaften rund um den Erdball auch, die Frage stellen, wie sie zur Vereinbarkeit ihrer Religion mit der Wissenschaft stehen. Heute ist diese Frage geklärt, zumindest auf prinzipieller Ebene. Umstritten ist dagegen in vielen Fällen weiterhin, wie man es mit der Verwendung und Anwendung von Produkten der Wissenschaft hält. Einige Beispiele: Sind Organspenden zulässig? Unter welchen Bedingungen ist eine Abtreibung erlaubt? Kann man sein tägliches Pflichtgebet auch an Bord eines Flugzeugs verrichten? In diesem Zusammenhang steht auch die Psychologie auf dem Prüfstand. Vor allem gilt es zu untersuchen, was sie zum Verständnis der Mechanismen von Kognition und Verhalten und zur Charakterschulung beitragen kann und welchen Nutzen ihre Methoden zur Therapierung von Verhaltensstörungen und Krankheiten bringen.

Der Islam und die Psychologie

Ziel des Islams ist es, dem Menschen Glückseligkeit sowohl in dieser als auch in der kommenden Welt zu bescheren. Dafür verlangt er von den Gläubigen, dass sie sich ihm ganz bewusst und willentlich hingeben. Die Schlüsselwörter in dieser knappen Definition sind Bewusstsein und Wille. Ohne ein intaktes Bewusstsein und ohne einen freien Willen kann der Mensch weder Verantwortung für sein Handeln übernehmen noch sich dem Islam hingeben. Der Islam ruft also grundsätzlich dazu auf, alles Nötige zu tun, um die Weiterentwicklung und den Gebrauch des Bewusstseins und des freien Willens zu fördern.

Die Psychologie wiederum ist eine Disziplin, die dem Zweck dient, bestimmte Verhaltensweisen zu verstehen. Sie beschäftigt sich nicht nur mit problematischen Verhaltensweisen, sondern auch mit ganz alltäglichen: Wie erinnern wir uns, und wie vergessen wir? Wie erlernen wir eine Sprache? Wie treffen wir eine Auswahl? Wie fügen wir uns in die Gesellschaft ein? Über eine gesunde Psyche zu verfügen, bedeutet in diesem Kontext, eine gesunde Seele zu besitzen, die die Ausübung des freien Willens gestattet und das Handeln mit dem Gewissen in Einklang bringt.

So gesehen kann die Psychologie definitiv einen wertvollen Beitrag zur Praktizierung des Islams leisten. Und aus dieser Perspektive betrachtet brauchen sich Muslime eigentlich auch keine Sorgen darüber zu machen, dass sich der Islam und die Psychologie nicht miteinander vereinbaren ließen. Abgesehen davon verspricht ihnen ihre Religion ja, allen Bereichen des menschlichen Seins Genüge zu leisten. Insofern sollten sich Muslime unbedingt um eine gesunde Psyche bemühen. Behalten wir diesen Gedanken im Hinterkopf, und wenden wir uns nun der muslimischen Welt zu.

Eine Reise nach ganz unten

Stellen wir uns beim Lesen der folgenden Fallbeispiele einmal vor, wir selbst befänden uns in einer Situation wie dort beschrieben. Diese Fälle sind natürlich nicht allein auf muslimische Gesellschaften begrenzt, und ihre Ursachen haben sehr vielfältige wirtschaftliche, politische und sozio-kulturelle Dimensionen[i]:

  • Die jüngere Vergangenheit der muslimischen Welt war von Kriegen und Konflikten geprägt. Daher leben dort heute viele Menschen, die als Kinder bei gewaltsamen Auseinandersetzungen Eltern, Geschwister oder Freunde verloren haben. Diese traumatischen Ereignisse wirken sich natürlich auf die Psyche aus.
  • Anderenorts leben Muslime, die unter Druck stehen, die Praktizierung ihrer Religion zu verbergen, um nicht aus der Gesellschaft verstoßen zu werden. Kinder und Jugendliche, die in einer solchen Atmosphäre aufwachsen, werden wahrscheinlich Schuldgefühle oder Minderwertigkeitskomplexe entwickeln.
  • In einigen Teilen der muslimischen Welt werden Mädchen dazu gezwungen, einen Mann zu heiraten, den sie nicht wollen. In der Ehe kämpfen sie um ihr emotionales Überleben und versuchen unterdessen, ihren Kindern eine gute Mutter zu sein. Viele von ihnen hegen Selbstmordgedanken und übertragen ihren Wunsch nach Rache auf ihre Kinder.
  • Es gibt Kinder, die von ihrem Vater kaum einmal ein Wort der Anerkennung zu hören bekommen, und andere, die kaum Zeit mit ihm verbringen dürfen, obwohl sie es sich doch sehr wünschen würden. Viele Kinder müssen außerdem mit ansehen, dass ihr Vater ihre Mutter schlecht behandelt. Bei diesen Kindern besteht die Gefahr, dass sie später in ihrer eigenen Familie ihre Kinder und ihren Ehepartner lediglich als Diener und Erfüllungsgehilfen für die eigenen Wünsche betrachten.

Muslime, die in solchen Verhältnissen aufgewachsen sind, haben mit großen psychischen Problemen zu kämpfen, die sich in ihrem Leben unterschiedlich äußern. Die Folge kann eine akute Schizophrenie oder eine Paranoia sein; meistens wirken Probleme dieser Art aber auf einer subtileren Ebene nach und beherrschen das ganze Leben der Betroffenen, als Individuum und auch in der Gesellschaft. Sie führen beispielsweise zu Überheblichkeit, zu Selbstzerstörung, zur Vernachlässigung elterlicher Pflichten, zu Missständen in der Familie, zu einem Hang zu übler Nachrede, zu Besessenheit und zu Gewalt. Und sie machen es außerdem schwierig, den freien Willen so einzusetzen, wie der Islam es lehrt. Denn wer unter solchen Problemen leidet, entwickelt aus Selbstschutzgründen psychische Automatismen. Sein freier Wille ist nicht mehr so ​​frei, wie er glaubt.

Oben im Elfenbeinturm

Eine Prämisse der Wissenschaft lautet, dass erworbene Erkenntnisse objektiv sein müssen, d.h., dass sie unabhängig von der Person allgemein gültig sein müssen. Und wenn wir uns das breite Spektrum menschlichen Verhaltens anschauen, können wir in der Tat einige allgemeine Regeln daraus ableiten. Allerdings haben der Aufstieg der Sozialwissenschaften im vergangenen Jahrhundert und die damit verbundene Anhäufung von Wissen mit sich gebracht, dass diese Objektivitätsprämisse im Bereich der Geisteswissenschaften nicht haltbar ist. Abweichende Wahrnehmungen ein und desselben Phänomens, unterschiedliche Ideale vom Menschsein, verschiedenartige Interpretationen des Sinns des Lebens und viele weitere Faktoren mehr haben die Sozialwissenschaften zu einer eher subjektiven Wissenschaft gemacht. Die Psychologie als Teildisziplin der Sozialwissenschaften bildet da keine Ausnahme. Ihr Stellenwert und ihre Anwendung unterscheiden sich von Gesellschaft zu Gesellschaft.

Die Entwicklung der modernen Psychologie als Wissenschaftszweig wurde vor allem von westlichen Wissenschaftlern vorangetrieben. Deren statistische Daten stammen in erster Linie aus westlichen Ländern. Das heißt, dass die Beobachtungen der Wissenschaftler und die Schlussfolgerungen, die sie aus ihnen gezogen haben, die Zustände und Eigenarten der westlichen Gesellschaften widerspiegeln. Auf den ersten Blick könnte man nun sagen, dass wir Menschen uns von unserem Grundcharakter her nicht wesentlich voneinander unterscheiden, daher sollte diese Wissensbasis doch eigentlich allen Menschen zugutekommen. Das stimmt, aber nehmen wir nur einmal die Charakterschulung. Sie erfordert, dass man zunächst ein Ideal definiert und dann Möglichkeiten zur Verwirklichung dieses Ideals findet, die die jeweiligen gesellschaftlichen Gegebenheiten berücksichtigen. Schon die unterschiedlichen Definitionen eines Ideals bewirken ein hohes Maß an Subjektivität. Abgesehen davon erfordern auch die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Gesellschaften, dass man sich mit jeder Gruppe von Menschen gesondert befasst.

Richard Nisbett[ii], einer der meistzitierten Sozialpsychologen, räumt ein, dass die Psychologie als Wissenschaft lange Zeit den Fehler gemacht habe, davon auszugehen, dass die menschliche Kognition überall auf der Welt gleich sei. In Wirklichkeit gebe es sehr wohl Unterschiede, und diese seien sogar wissenschaftlich messbar. Nisbetts Studien zufolge stellt sich die Welt für Menschen aus dem Westen nicht so komplex dar wie für Menschen aus östlichen Ländern; dort betrachtet man alle Dinge als „miteinander verknüpft, und zwar nicht auf simple, deterministische Art und Weise“.[iii] Deshalb ist in östlichen Kulturen Harmonie das A und O. Was als Störung dieser ‚Harmonie‘ empfunden wird, wird dort abgelehnt, und sei es auf Kosten eines blinden Konservatismus. Im Westen dagegen wird Eigenständigkeit höher bewertet als Abhängigkeit und Individualität höher als Konformität. Psychologische Behandlungsmethoden, die den Menschen dabei helfen sollen, das Beste aus sich herauszuholen, und darauf abzielen, ihre Egos ‚erstrahlen‘ zu lassen, sind folglich in östlichen Gesellschaften nur selten gefragt.

Dies ist nur ein Beispiel, das zeigen soll, dass sich die östliche Welt nicht in allen Studien der westlichen Welt wiederfindet. Und trotzdem kopiert der Rest der Welt die Forschungsresultate aus dem Westen häufig sehr unkritisch.

Ein weiteres Problem der modernen Psychologie ist ihre Bewertung von Glauben und Religion. Für die moderne Psychologie ist die Religion nichts anderes als ein statistischer Wert. Einerseits erkennt sie an, dass religiöse Praktiken für die Genesung von geistigen und körperlichen Beschwerden förderlich sein können und dass ein Festhalten am Glauben vor bestimmten Leiden schützt. Andererseits mahnt sie, dass religiöse Praktiken psychische Probleme nach sich ziehen können. Sie betrachtet Gott also entweder als ein Konzept von geringer Relevanz oder schlichtweg als ein Produkt unseres Gehirns. Den ganzen Bereich der spirituellen Vervollkommnung mit all ihren vielfältigen Facetten (wie etwa die Praktiken der Sufis) stuft sie lediglich als eine positive kulturelle Aktivität ein. Die meisten westlichen Psychologen würden bei einem Menschen, der spirituelle Wahrnehmungserfahrungen durchlebt, die Diagnose Schizophrenie stellen; in muslimischen Gesellschaften dagegen gelten solche Erfahrungen nicht als krankhaft. Die moderne Psychologie respektiert zwar den Glauben eines Patienten an Gott, die Engel, das Leben nach dem Tod etc., sie ist aber kaum dazu in der Lage, ihm eine Behandlung zu empfehlen, die dem muslimischen Geist entspräche.

Weit verbreitete Missverständnisse

Eine Folge der oben genannten Aspekte der Psychologie, die für Muslime nicht akzeptabel sind, ist, dass manche Muslime zu völlig falschen Annahmen über die Psychologie neigen. Aus Stolz auf ihre Religion lehnen sie die Psychologie rundheraus ab.

Viele Muslime wissen von Siegmund Freud zum Beispiel nur, dass er wie besessen von der Sexualität war und sie für die Triebfeder allen menschlichen Handelns hielt. Auch das Konzept des Behaviorismus wird oft reflexhaft zurückgewiesen, da er nur deterministische Aktion-Reaktions-Muster aufzeige und somit den freien Willen leugne.

Ein weiteres Problemfeld bilden die Selbstverwirklichung und die Nutzung des Egos zur Motivation des Individuums. Als Anwendung der Psychologie im Alltag wurden Techniken zur Persönlichkeitsentwicklung entworfen und zum Teil auch in muslimische Gesellschaften exportiert. In diesen Techniken vermischen sich Erkenntnisse der wissenschaftlichen Forschung mit alten mystischen Weisheiten. Zugegebenermaßen liefern diese Erkenntnisse zum Teil recht nützliche Informationen, doch interpretiert und organisiert man sie in einer Art und Weise, die ganz auf das westliche Individuum zugeschnitten ist. Das Menschenbild, das dabei vermittelt wird, ist eindeutig nicht mit den Wahrheiten des Islams in Einklang zu bringen.[iv] Auch dies bewirkt, dass vor allem weniger gebildete Menschen von der Psychologie nichts wissen wollen. Andererseits lässt sich eine so grundsätzliche Ablehnung natürlich nicht für alle Muslime verallgemeinern.

Stabilisierung durch den Islam: Der Mittelweg

Ungeachtet aller Vorbehalte, die hier aufgezeigt wurden, können Muslime durchaus vom Wissensschatz der Psychologie profitieren. Dazu bedarf es einer pragmatischen Sichtweise, die aus dem Koran und der Praxis des Propheten Muhammad abgeleitet ist - aus den reinen Quellen des Islams also, die nicht durch kulturelle Faktoren ‚verunreinigt‘ sind.

In manchen muslimischen Gemeinschaften finden Prinzipien, die grundsätzlich vom Islam akzeptiert werden, keine Anwendung. Zum Beispiel ist ein harmonisches Neben- und Miteinander von Muslimen und Nichtmuslimen nicht in jeder muslimischen Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit. Umgekehrt kann es sein, dass etwas, das in manchen muslimischen Gemeinschaften Akzeptanz findet und als statthaft gilt, vom Islam missbilligt wird. Ein Beispiel dafür ist die untergeordnete Stellung der Frau im gesellschaftlichen Leben. Angesichts der Tatsache, dass sich Behandlungen und beratende Maßnahmen stets an den kulturellen Normen einer Gesellschaft orientieren, ist zu vermuten, dass Behandlungen und Maßnahmen, die nicht durch den Koran und die Praxis des Propheten gestützt werden, vor allem der Aufrechterhaltung des Status Quo dienen und die Lage der Menschen nicht unbedingt in einem islamischen Sinne verbessern. Eine Orientierung an den beiden islamischen Hauptquellen hingegen ermöglicht Behandlungen und Maßnahmen, die nicht unbedingt den kulturellen Normen entsprechen und doch zu einer Verbesserung im islamischen Sinne führen.

Nehmen wir zum Beispiel die inneren Konflikte zwischen unterschiedlichen Gruppen in einer Gesellschaft. Nach ursprünglichem islamischem Verständnis sollte in jeder Gesellschaft die Devise ‚Einheit in Vielfalt‘ herrschen.[v] Dieses Verständnis verlangt, dass unter dem Dach der Einheit Vielfalt gewürdigt wird und dass Konflikte friedlich beigelegt werden. Oder um es anders auszudrücken: Einheit in Vielfalt führt zu einem Sowohl-als-auch-Denken anstelle eines Entweder-oder-Denkens. Muslime, die ja den Anspruch haben, sich zu der letztgültigen und universellen Religion zu bekennen, müssen demnach in der Lage sein, sich mit den Unterschieden zwischen den Menschen zu arrangieren. Sie dürfen nicht unter dem Banner der Einheit Gleichmacherei betreiben.

Die gleiche Sichtweise spricht auch dafür, diejenigen Methoden der Psychologie zu nutzen, die im Einklang mit den islamischen Idealen stehen oder diesen Idealen zugute kommen. Wie viele Muslime kennen zum Beispiel Freud als Urheber einer psychoanalytischen Theorie, die die Bedeutung der Kindheitserinnerungen betont? Und, was noch wichtiger ist: Wie viele wissen, dass auch die Idee eines dynamischen Verständnisses des Unterbewusstseins von ihm stammt? Die Analyse von Kindheitserinnerungen und die Rückverfolgung der Entfaltung ihrer Wirkung im Unterbewusstsein des Menschen im Verlaufe seines Lebens sind Anliegen, die keineswegs im Widerspruch zu den Lehren des Islams stehen. Sie können der muslimischen Welt sogar entscheidend weiterhelfen, wenn es darum geht, nichtislamische Gewohnheiten abzulegen.

Darüber hinaus ist bekannt, dass sowohl der Koran als auch die Sunna des Propheten empfehlen, nutzbringendes und lobenswertes Verhalten zu belohnen, um es zu fördern, und negatives Handeln zu bestrafen, um es unterbinden. Analog dazu bestärkt der Behaviorismus die Muslime in der Auffassung, dass sie sich zum Positiven verändern können, sofern sie nur die richtigen Methoden wählen - auch all diejenigen, die eigentlich schon jede Hoffnung haben fallen lassen und der Ansicht sind, dass sie nach all ihren Missetaten keine Chance mehr haben, noch ein guter Mensch zu werden. Behavioristische Methoden, die auf Konditionierung basieren, können somit durchaus in der islamischen Erziehung genutzt werden.

Die Reifung zum ‚vollkommenen Menschen‘

Die Fragen, die in diesem Artikel angesprochen wurden, sollten ausführlich diskutiert und geklärt werden. Anschließend dürften sich die Methoden der Psychologie als wertvolle zusätzliche Hilfsmittel zur Vervollkommnung der Muslime erweisen. Themen wie Konfliktlösung, soziale Gerechtigkeit und Armutsbekämpfung würden ganz sicher davon profitieren. Bestehende Techniken zur Selbstvervollkommnung und zur Persönlichkeitsentwicklung könnten dahingehend verfeinert werden, dass sie auch das Vertrauen auf Gott und in die Vorherbestimmung mit einbeziehen. Für die Realisierung dieser Ziele ist es jedoch notwendig, dass sich die Muslime auf den islamischen Geist besinnen und sich mehr Wissen über die Psychologie aneignen. Wenn sie ihren freien Willen dazu nutzen würden, sich auch in dieser Hinsicht weiterzuentwickeln, wäre schon viel erreicht.

Sumeyra Tosun/Sermed Ogretim

Anmerkungen


[i] Bevor wir ins Detail gehen, möchten wir einige Dinge kurz klarstellen. Erstens würde eine vollständige Analyse der Kompatibilität von moderner Psychologie und Islam wesentlich mehr Raum beanspruchen als einen Zeitschriftenartikel. Daher können wir hier nur an der Oberfläche des Themas kratzen und überlassen es dem interessierten Leser, sich selbst weiter zu informieren. Zweitens ist dieser Beitrag an Muslime gerichtet. Daher sprechen wir vor allem Fragestellungen an, die für sie von Bedeutung sind. Dies bedeutet jedoch nicht, dass außerhalb der muslimischen Welt nicht ähnliche oder sogar wichtigere Fragestellungen existieren würden. Drittens stellen die Muslime rund ein Sechstel der Weltbevölkerung, und wir beabsichtigen ganz gewiss nicht, diese Menschen als anormal oder gestört hinzustellen. Darum möchten wir voranschicken, dass sich die Psychologie nicht allein mit anormalem Verhalten befasst und dass der Islam keine Religion ist, die nur gänzlich gesunden Menschen Segen bringt. Last but not least empfehlen wir nicht, dass sich Muslime die moderne Psychologie blind zunutze machen sollen, sondern weisen lediglich darauf hin, dass die moderne Psychologie viele Konzepte und Methoden anbietet, die auch in den maßgeblichen Quellen des Islams zu finden sind. Wäre die Psychologie als Wissenschaft vom normalen und abnormalen Verhalten in einem muslimischen Geist entwickelt worden, dann könnte (und würde) sie sich mit Sicherheit von der heutigen modernen Psychologie unterscheiden - aber dieses Thema ist nicht Gegenstand dieses Artikels.

[ii] Nisbett, R. E.; The Geography of Thought; 2003. S. 8

[iii] Ebenda, S. xvi

[iv] Ferda, F. & Ertuğrul, A. “Self Inflation or Self Improvement”, in: The Fountain, Bd. 43

[v] O ihr Menschen! Wir haben euch fürwahr aus einem einzigen (Paar von) Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennen möget (und auf diese Weise Beziehungen untereinander knüpft und zusammenarbeitet, nicht aber, damit ihr eure Unterschiede in Rasse oder gesellschaftlichem Rang zum Gegenstand des Stolzes macht und feindselige Gefühle hegt). (49:13)

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