Die Abschiedspredigt, im wahrsten Sinne des Wortes ein Testament des Propheten MUhammad, befasst sich im Wesentlichen mit den Rechten und Freiheiten des Individuums, den Rechten der Frauen und der rechtlichen und sozialen Gleichheit unter den Menschen.

Die Abschiedspredigt hielt der Prophet Muhammed im Jahre 632 bei seiner letzten Wallfahrt in Mekka vor ca. 130 000 Menschen. Diese Predigt, im wahrsten Sinne des Wortes ein Testament des Propheten, gleicht einer Verfassung, in der die Rechte und Pflichten der Menschen aufgeführt sind, und befasst sich im Wesentlichen mit den Rechten und Freiheiten des Individuums, den Rechten der Frauen und der rechtlichen und sozialen Gleichheit unter den Menschen.

Alles Lob gebührt Allah! So loben wir Ihn, bitten Ihn um Hilfe, flehen Ihn um Verzeihung an und wenden uns zu Ihm. Und wir suchen Zuflucht bei Allah vor den Übeln unserer selbst und unserer schlechten Taten.

Wen Allah zum geraden Weg leitet, den kann niemand irreleiten, und wen Allah irregehen lässt, für den gibt es keinen, der ihn rechtleitet. Ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer Allah gibt, Ihn allein, der keinen Gefährten hat. Und ich bezeuge, dass Muhammed Sein Prophet ist.

O ihr Leute! Hört auf meine Worte, denn ich glaube nicht, dass ich und ihr wieder in einer solchen Versammlung zusammenkommen werden und dass ich nach diesem Jahr noch eine Pilgerfahrt machen werde.

O ihr Leute, wahrlich, euer Blut, euer Leben, euer Eigentum, eure Würde und eure Ehre sind heilig und unantastbar, bis ihr eurem Herrn gegenübersteht, ebenso wie der heutige Tag und der jetzige Monat und diese eure Stadt Mekka heilig sind.

Wer ein Pfand hat, soll es dem zurückgeben, der es ihm anvertraut hat. Wahrlich, jede Art von Zinsen ist aufgehoben. Nur das Geld, das ihr als Darlehen gebt, gehört euch. Auf diese Weise werdet ihr weder tyrannisieren noch tyrannisiert werden. Allah hat den Zins untersagt. Jede Art von dieser schlechten Sitte aus der Heidenzeit ist nun unter meinen Füßen (ausgelöscht). Der erste Zins, den ich aufhebe, ist der, den mein Onkel Abbas ibn Abd al-Muttalib zu empfangen hatte.

Auch die Blutrache der Heidenzeit ist aufgehoben, und die erste      Blutrache, die ich aufhebe, ist das Blut meines Neffen Rabia ibn al-Harith, des Enkels Abd al-Muttalibs.

Auch die Verwaltungsangelegenheiten aus der Heidenzeit in Mekka sind aufgehoben, außer der Aufsicht über die Ka`ba und das Tränken der Pilger.

O ihr Leute! Wahrlich, der Satan hat die Hoffnung aufgegeben, jemals in diesem euren Lande verehrt zu werden. Aber es wird eine Art von Gehorsam ihm gegenüber geben in Dingen, die ihr für gering haltet in euren Werken und Verhalten, und das wird ihn befriedigen - so hütet euch vor ihm in eurer Religion.

O ihr Leute, ihr habt ein gewisses Recht über eure Frauen, und sie haben ein gewisses Recht über euch. Sie haben euch gegenüber die Pflicht, nicht euer Bett entehren zu lassen und keinen, den ihr nicht mögt, ohne eure Erlaubnis in die Wohnung zu nehmen.

Wahrlich, der Frau ist es nicht erlaubt, etwas vom Besitz ihres Mannes wegzugeben, außer wenn er es gestattet. Behandelt die Frauen           freundlich, denn sie sind eure Helferinnen und können nicht für sich selbst einstehen. Fürchtet Allah hinsichtlich der Frauen, denn ihr habt sie genommen im Schutze Allahs.

Schulden müssen bezahlt werden, Geliehenes ist zurückzugeben, Geschenke sind zu erwidern, und der Bürge hat fällige Schulden zu zahlen.

Wahrlich, ein Verbrecher ist nur für sich verantwortlich. Ein Mensch kann nicht für das Verbrechen seines Vaters verantwortlich gemacht werden, noch der Vater für das seines Kindes.

O ihr Menschen, jeder Muslim ist der Bruder des anderen, und wahrlich, die Muslime sind Brüder. Und eure Sklaven: Gebt ihnen zu essen, was ihr esst, und kleidet sie, wie ihr euch kleidet. Nichts, was dem Bruder gehört, ist einem erlaubt, es sei denn, er gäbe es gern und freiwillig. Tut euch nicht selbst Unrecht.

Kehrt nach mir nicht zum Irrtum zurück, sodass ihr euch die Köpfe einschlagt. Wahrlich, ich habe euch etwas hinterlassen, wodurch ihr in der Folge nie mehr irregehen werdet, wenn ihr euch daran haltet: Das Buch Allahs und die Sunna Seines Propheten. Und hütet euch davor, in religiösen Dingen die Grenzen zu überschreiten, denn diejenigen, die vor euch waren, sind durch Überschreiten der Grenzen der Religion ins Verderben gestürzt worden.

O ihr Leute! Euer Herr (Allah) ist einer, euer Stammvater (Adam) ist einer. Die Menschen stammen von Adam, und Adam ist aus Erde. Der Edelste unter euch vor Allah ist der Gottesfürchtigste von euch. Ein Araber ist nicht vorzüglicher als ein Nichtaraber, noch ein Nichtaraber vorzüglicher als ein Araber; ein Schwarzer ist nicht vorzüglicher als ein Weißer, noch ein Weißer vorzüglicher als ein Schwarzer, außer durch Frömmigkeit.

O ihr Menschen! Wahrlich, Allah der Erhabene hat jedem, dem es zukommt, seinen Anteil am Erbe angeordnet, und es braucht kein Testament für einen Erben gemacht zu werden...

Wer eine andere Abstammung als seinen Vater angibt oder sich als Klienten eines anderen als seines Meisters ausgibt, auf dem ist der Fluch Allahs. Wahrlich, dienet eurem Herrn, betet fünfmal täglich, fastet im Monat Ramadan, zahlt eure Armensteuer auf euren Besitz mit gutem Willen, und vollzieht die Pilgerfahrt zum Hause Allahs und gehorcht den Herrschenden; so werdet ihr ins Paradies eingehen.

Wer anwesend ist, künde dies dem Abwesenden, denn gar viele, denen es mitgeteilt wird, sind aufmerksamer, als die, die zuhören. Und wenn ihr über mich befragt würdet, was würdet ihr sagen? Sie antworteten: Wir bezeugen, dass du das anvertraute Gut recht gezahlt hast und die Botschaft mitgeteilt hast und uns guten Rat gegeben hast.

Da sprach der Gesandte Allahs - Allah segne ihn und gebe ihm Heil! - seinen Zeigefinger gegen Himmel hebend, und dann auf die Leute  deutend: O Allah, bezeuge es, o Allah, bezeuge es, o Allah, bezeuge es!

 

Quelle: Muhammet Mertek, Der Islam, Leben, Glaube, Geschichte; INID Verlag 2001

Gelesen 3425 mal

Neu hinzugekommen