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Den Gelehrten Fuat Sezgin zu kennen bedeutet, die Wurzeln unseres kulturellen Erbes aus der Wissenschaftsgeschichte heraus zu verstehen. 

Wer schon einmal die Ausstellung “Wissenschaftsgeschichte des Islams” von Prof. Dr. Fuat Sezgin besucht hat, weiß, wovon ich spreche. Hier wird man Zeuge des Beitrags von Muslimen zu den Wissenschaften zwischen dem 8. und 15. Jahrhundert. Fuat Sezgin hat die Gerätschaften der damaligen Zeit persischen oder arabischen Aufzeichnungen bzw. deren lateinischen Übersetzungen entsprechend originalgetreu rekonstruiert. Er ist eine lebende Legende, weil er sein ganzes Leben diesem Werk gewidmet hat.

1966 wurde Fuat Sezgin zum Professor an der Goethe-Universität in Frankfurt berufen. 1982 gründete er dort das Instituts-Museum für Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften. Bis heute hat er, zusammen mit seinen Mitarbeitern, sage und schreibe ca. 1.200 Bände zur Geschichte der Wissenschaft im Islam herausgegeben.  

Die breite Öffentlichkeit bekam jedoch erst 2007 einen ersten Eindruck von seinen Rekonstruktionen, auf der Frankfurter Buchmesse. Obwohl dort gerade mal ein Achtel seiner Modelle präsentiert wurden, gehörte diese Ausstellung zu den meistbesuchten Bereichen der Messe. Hier stellte Fuat Sezgin auch sein fünfbändiges Werk “Wissenschaft und Technik im Islam” vor.

Um dieses Werk zu erwerben, machten wir uns ein wenig später auf den Weg zu seinem Museum. Als ich es betrat, hatte ich sofort das Gefühl, mich auf einer Zeitreise zu befinden. Ich fühlte mich darin, als würde ich vor 10 Jahrhunderten leben. Auf den zwei Etagen des Museums für Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften sind rund 800 Exponate zu bestaunen; verschiedene Rekonstruktionen und Gerätschaften der Disziplinen Chemie, Mathematik, Medizin, Astronomie, Architektur, Optik, Musik usw. Eine Symbiose von Ästhetik und Wissenschaft erfüllt den Raum, und berührt offenbar das Gemüt aller Besucher.

Um nur einige wenige dieser schönen Exponate zu nennen: Der Astronom Ibn asch-Schatir baute eigens für die Umayyaden Moschee eine bahnbrechende Sonnenuhr. Der Seefahrer Ibn Madschid verfügte schon im 15. Jahrhundert über einen höchst ausgeklügelten Kompass. Und Al-Idrisi fertigte 1154 eine Weltkarte an, die dem Normannenkönig von Sizilien Roger II. geschenkt wurde. All diese Kleinode lassen sich hier besichtigen. Und auch die Weltkarte des berühmten Kalifen Al-Mamun (813-833) verzaubert die Besucher, weil sie bereits auf die Kugelform der Erde hinweist.

Das Geheimnis der islamischen Renaissance, als Muslime mit Wissenschaft und Technologie die Welt aufklärten, lässt sich durch die Aussagen von zwei Gelehrten lüften. Al-Biruni (gest. 1048), der seinem Jahrhundert seinen Stempel aufdrückte, sagte: „Ich habe gemacht, was jeder mit seiner Arbeit machen sollte: die Leistungen der Vorgänger mit Dankbarkeit entgegennehmen, etwaige Fehler ohne Scheu verbessern und, was bewahrenswert erscheint, an die Nachfolger und späteren Generationen weitergeben.“

Und der bedeutende Astronom, Mathematiker, Physiker und Optiker Ibn Al-Haitham (gest. 1040), der als Erfinder der Kamera (Dunkler Raum) gilt, sagte: „Das ganze Universum gehorcht einer festen Ordnung, wie veränderlich seine Zustände auch sein mögen, und es herrscht Harmonie zwischen allen seinen Bestandteilen, wie unterschiedlich sie auch sind.“

Prof. Dr. Fuat Sezgin hat sein Leben ebenfalls Dingen gewidmet, die ihm wahr und richtig erscheinen, und legt sie der nächsten Generation ans Herz. Seine Leistungen für die islamische Kultur können nicht genug gewürdigt werden.

Letzte Änderung am 21.06.2015
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