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Zunächst sollte die religiöse Unterweisung in Moscheen definitiv methodisch erfolgen und mit der Vermittlung von fundamentalen Glaubensinhalten beginnen.

Moscheen sind unverzichtbare Institutionen einer muslimischen Gemeinschaft. Umso wichtiger ist es, dass Moscheen den an sie gerichteten Ansprüchen besonders auch in der Diaspora gerecht werden. Denn sie kann dem Bedürfnis nach sozialem Umfeld vor allem in einer nichtmuslimischen Umgebung entsprechen.

Es hat einen bestimmten Grund warum ich dieses Thema anspreche. Mehrere meiner Schüler, die eine Moschee besuchen, ja sogar den ganzen Koran mehrmals in Arabisch gelesen haben, wissen nicht unbedingt, was die wichtigste Formel im Islam, „Bismillah“ (im Namen Gottes), bedeutet, obwohl sie sie tagtäglich und zu unterschiedlichen Anlässen verwenden. Noch gravierender ist es aber, dass viele dieser Schüler den Teufel so sehr ins Zentrum ihres Religionsverständnisses stellen, dass sie ihn mit allen möglichen und unmöglichen Handlungen in Verbindung bringen.

Um nur einige Beispiele zu nennen: “Wenn du den Koran aufgeschlagen lässt, liest ihn der Teufel.“; “Wenn du morgens dein Gesicht nicht wäscht, leck es der Teufel ab!“; “Wenn du dein Gebetsteppich auf dem Bogen liegen lässt und nicht faltest verrichtet der Satan Gebet darauf.“ oder “Wenn du abends in der Dunkelheit pfeifst, kommt der Teufel!”

Anscheinend gehen muslimische Familien davon aus, dass ihren Kindern die Religion in der Moschee beigebracht wird. Sie bringen möglicherweise daher ihren Kindern sogar die einfachsten religiösen Grundlagen nicht bei.

Kaum beachtet wird dabei, dass viele Moscheen auf das Auswendiglernen setzen und somit ein sehr oberflächliches Wissen vermitteln. Die Folge ist, dass die Kinder kein religiöses Bewusstsein entwickeln, obwohl die beiden islamischen Hauptquellen (Koran und Sunna) reichlich Material dafür bieten. Denn ohne ein religiöses Bewusstsein ist auch eine Auswirkung auf das Verhalten der Kinder schwer möglich.

Wahrscheinlich in bester Absicht greift man auf bizarre Erklärungen und Aberglaube zurück, um die Themen verständlicher zu machen. Dies führt aber dazu, dass der Teufel ins Zentrum der Religion gerückt und durch die auf Angst basierende Herangehensweise die Religion selbst von den Kindern verzerrt oder gar missverstanden wird. Warum man aber dennoch darauf beharrt, obwohl es positivere und produktivere Zugänge gibt, bleibt mir schleierhaft. Vielleicht aus Bequemlichkeit, weil man sich vor der Mühe scheut oder man ist mit der Herausforderung pädagogisch durchdachte Konzepte zu entwickeln,  überlastet. Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Egal aus welcher Perspektive sie das Problem betrachten, ist dieser Zustand für die islamische Religionspädagogik sehr tragisch.

Wenn die Vermittlung religiösen Wissens nicht auf einer pädagogisch-didaktisch reflektierten Basis abläuft, bleibt nicht nur die religiöse Erziehung auf der Strecke, sondern hat zur Folge, dass die Religion völlig falsch verstanden wird.

Die religiöse Unterweisung in Moscheen geht mit oberflächlicher Wissensvermittlung einher, die nicht durchdacht ist und dabei die Lebenswirklichkeit der Kinder sträflich ausblendet. Das bringt bekanntermaßen nichts und zeigt sich am religiösen Analphabetismus vieler Jugendlichen. Dabei möchte ich nicht gänzlich ausschließen, dass es einige vorbildliche Moscheen gibt.

Vielleicht wird man hier sagen, dass es einfach ist Defizite aufzuzeichnen und zu kritisieren. Was aber ist die Lösung? Zunächst sollte die religiöse Unterweisung in Moscheen definitiv methodisch erfolgen und mit der Vermittlung von fundamentalen Glaubensinhalten beginnen. Wenn der Glaube an dem einen Gott mit all seinen Aspekten verständlich vermittelt wird, wäre schon ein richtiger und wichtiger Schritt getan.

Des Weiteren sollte man sich von bloßem Vor-Rezitieren und Auswendiglernen entfernen und den Fokus mehr auf die Inhalte legen, mittels derer die Vernunft und das Verständnis der jungen Menschen angesprochen werden.

Wenn man mit Beispielen aus den Hauptquellen des Islams das religiöse Bewusstsein der Kinder stärkt und somit sie zum selbstständigen Denken ermutigt, wird auch ihr Interesse und Neugier steigen.

Zudem sollten die Moscheegemeinden den Kontakt zu den muslimischen Religionslehrern an den nahe liegenden Schulen suchen und die Zusammenarbeit mit Ihnen stärken. Für eine ganzheitliche Religionserziehung der Kinder ist eine ergänzende Zusammenarbeit zwischen Elternhaus, Schule und Moschee immens wichtig, wenn nicht gar der einzig gangbare Weg.

Hinzu kommen die Herausforderungen einer offenen Gesellschaft. Auch hierfür ist es äußerst wichtig, unsere Kinder mit ausbalancierter und zukunftsfähiger Identität auszustatten. Eine Identität die sie befähigt, über ihre eigene Gruppenidentität hinauszublicken und zu lernen, das Leben und die Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Leider beobachte ich tagtäglich an der Schule, dass die Denkmuster unserer Kinder zu engmaschig sind und sie daher auf Herausforderung einer kulturell und religiös vielfältigen Gesellschaft sehr schlecht vorbereitet werden. Daher leiden viele unserer Kinder unter Identitätskonflikten und Persönlichkeitsstörungen. Und das, obwohl wir in einer globalisierten Welt leben.

Letzte Änderung am 18.04.2015
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