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Die Schulung des Körpers durch das Fasten ist nichts anderes als ein Streben nach Läuterung und Reinheit.

Der Ramadan ist ein gesegneter Monat, in dem wir Muslime Gott intensiv dienen, möglichst produktiv leben, nachbarschaftliche Beziehungen pflegen, bewusst mit der Zeit umgehen und uns kritisch mit unseren schlechten Gefühlen und Gedanken auseinander setzen.

In Europa wird der Ramadan auf eine besondere Art und Weise erlebt - ohne die Gebetsrufe der Muezzins, ohne die Lichterketten zwischen den Minaretten der großen Moscheen, ohne die Trommeln, die uns vehement aus dem Schlaf wecken, und ohne die Kanonen, die den Startschuss zum Fastenbrechen geben. All diese Entbehrungen sollten aber kein Hindernis sein, den Monat als eine Art Neuanfang zu empfinden, von dem positive Impulse für das Zusammenleben ausgehen können.

Der Ramadan ist der Monat des Korans. Im Ramadan wird der Koran mehrere tausend Male vollständig rezitiert. Im Ramadan werden außerdem Brücken gebaut, die zu wahren Freundschaften führen können. In dieser Zeit blüht das ‚Muslim-Sein‘ in all seinen Facetten auf. Welch gesegneter Monat, der Dialog und Toleranz ein so starkes Fundament verleiht! Welch großartige Gabe Gottes, gestiftet durch Seine Gnade! Bemühen wir uns also, den Ramadan in seiner ganzen Bandbreite wahrzunehmen und Gott entsprechend dankbar zu sein!

Der Ramadan ist auch der Monat der Einladung - der Einladung sowohl zum Fastenbrechen als auch zum friedlichen Zusammenleben. Diese Einladung wird häufig nur an Nachbarn oder Verwandte ausgesprochen. Doch warum sollten wir sie nicht auf unsere nichtmuslimischen Nachbarn, Freunde und Bekannte erweitern? Sicherlich werden auch sie die Atmosphäre, mit uns an einem zum Fastenbrechen gedeckten Tisch zu sitzen, genießen können und zu schätzen wissen. So ist das Fastenbrechen ein idealer Anlass, um zusammen zu kommen.

Natürlich! Muslimische Kinder und Jugendliche sollten ihre nichtmuslimischen Freunde und Mitschüler auf jeden Fall zum Iftar-Mahl einladen und ihnen dort schmackhafte Speisen anbieten. Dann werden sie den magischen Moment des Fastenbrechens gemeinsam erleben, und die nichtmuslimischen Jugendlichen werden nachfühlen können, wie es ist, zusammen auf die Zeit des Fastenbrechens zu warten, Geduld zu haben und dann mit einigen Datteln oder einem Schluck Wasser das Fasten zu brechen. Sie werden hautnah spüren, welchen Stellenwert die Gaben Gottes für die Muslime besitzen, und sehen, dass die Gebete für sie Zeichen des Dienstes an Gott sind. Viele nichtmuslimische Kinder und Jugendliche werden zu diesem Anlass vielleicht zum ersten Mal überhaupt die Wohnung einer muslimischen Familie betreten und dort eine andere Kultur kennen lernen, die in den Medien oft herabwürdigend als ‚fremd‘ dargestellt wird. Und ich bin mir sicher, dass sie sich mit unauslöschlichen Eindrücken wieder verabschieden werden. Diese Zusammenkünfte werden ihnen gewiss in schöner Erinnerung bleiben. Wenn künftig vom Fasten oder vom Ramadan die Rede sein wird, werden sie sich dieses gemeinsam erlebte Fastenbrechen in Erinnerung rufen und auch anderen davon erzählen. Noch unvergesslicher macht man diesen Besuch mit einem bescheidenen Geschenk für die Gäste.

Die muslimischen Kinder und Jugendlichen wiederum lernen auf diese Weise, wie man Gäste einlädt, sie behandelt und ihnen bewirtet. Das beeinflusst ihre Sozialisation und ihre Persönlichkeitsformung selbstverständlich sehr positiv. So werden Beziehungen zwischen den Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen aufgenommen, gepflegt und gestärkt. Bei Anlässen dieser Art wird eine Saat der Zusammengehörigkeit gesät, die später in den Herzen aufblühen kann. Gerade die jungen Generationen erhalten so die Chance, ohne alle Vorbehalte und Vorurteile nach einer gemeinsamen Zukunft zu suchen. Die Iftar-Zelte im Ramadan, die bereits in den letzten Jahren großen Zuspruch gefunden haben, bieten unseren Kindern und Jugendlichen ebenfalls eine Gelegenheit zur Begegnung. Hier können Menschen zusammen sein, und ihr Miteinander hat einen Sinn.

Gott allein gebietet über die Herzen, und keine aufrichtige Handlung bleibt erfolglos und unbelohnt. Jeder, der den heiligen Monat Ramadan mit Fasten, Fastenbrechen, Tarawih-Gebeten, der Nacht der Bestimmung, der Macht und des Maßes, dem Koran, gegenseitigen Besuchen usw. verbringt, jeder, der jeden einzelnen Augenblick dieses Monats bewusst erlebt, darf innere Zufriedenheit und die frohe Botschaft Gottes genießen.

Der Ramadan stellt also eine schöne, fruchtbare Plattform dar, auf der sich nichtmuslimische und muslimische Kinder und Jugendliche näher kennen lernen und besser wahrnehmen können. Legen wir also alle Hassgefühle, Feindseligkeiten und Vorurteile in Ketten und ersetzen sie durch langlebige neue Ramadan-Freundschaften!

Letzte Änderung am 05.06.2016
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