Der Begriff Religion stammt entweder von dem lateinischen Wort relegere (lesen, etwas gemeinsam verfolgen; leserlich, intelligent) oder aber, was wahrscheinlicher und allgemein akzeptiert ist, von dem Wort relegare (zurückbinden, festbinden). Als religiöse Menschen wurden ursprünglich Mönche tituliert, die an ihr Gelübde gebunden waren. Auch die Wörter Ligament und ligature haben ihren Ursprung in dieser Wurzel. Die Römer bezeichneten mit ihnen das Festhalten an den Sitten und Glaubensvorstellungen der Vorfahren bzw. eine Art von Loyalität. Für die Christen hatte der Begriff Religion zunächst die Bedeutung, in Gott verwurzelt oder mit Gott verbunden zu sein.

Das entsprechende arabische Wort lautet Din (ursprünglich: Wiederereinsetzung von Rechten, Gehorsam, Annahme als Lebensweg; in jemandes Schuld stehen, zur Verantwortung ziehen, regeln, belohnen oder bestrafen; dienen, verleihen). Muslimische Theologen definieren den Begriff Din als das Set der Prinzipien, die Gott Seinen Propheten und Gesandten offenbart hat – als das Set, dem der Mensch aus freien Stücken folgen sollte, um sein Glück in beiden Welten zu finden.

Das Konzept der Religion lässt sich aus zwei Perspektiven heraus betrachten: aus der Perspektive Gottes und aus der des Menschen. Monotheisten gehen davon aus, dass die Religion aus von Gott offenbarten Prinzipien, Werten und Geboten besteht. Wenn sie den Ursprung der Religion erklären, sprechen sie sich daher nicht vom Menschen. Der moderne, vom wissenschaftlichen Materialismus beeinflusste Mensch im Westen hingegen sagt, der Mensch habe die Religion erst selbst erschaffen und sich anschließend der Anthropologie, Soziologie und Psychologie bedient, um sie wegzuerklären.

Der gemeinsame Nenner in der ‚wissenschaftlichen’ Analyse der Religion im Westen besteht darin, dass die Religion angeblich entweder eine menschliche Erfindung ist, die entwickelt wurde, um ihr unterdrückte Begierden und Schwächen zu übertragen, oder das Resultat individueller bzw. kollektiver Bestrebungen, die Glaubensvorstellungen und Riten einer Gemeinschaft zu systematisieren.

Quelle:  Büyükcelebi, Ismail (2005), Leben im Lichte des Islam, Fontäne/Offenbach

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