Braucht jede Religion ihre eigene Didaktik? Sicherlich. Seit Comenius (1638) wurden unzählige didaktische Ansätze entwickelt und propagiert, die in Abgrenzung zur kirchlichen Dogmatik ge- und begründet wurden. Im Zuge des sozialen und historischen Wandels wandelte sich auch die Position von Religion und Glauben in der abendländischen Gesellschaft, was sich in unterschiedlichen religionspädagogischen Ansätzen und Konzeptionen niederschlug. Allein im 20. Jahrhundert entstanden etliche divergierende Didaktiken, die von verschiedenen philosophischen und pädagogischen Strömungen geprägt waren, unter anderem: bildungstheoretische, curriculare, korrelative, elementarische und kritisch-konstruktivistische Didaktiken. Heute wird der Lehr- und Lernberuf von der Kompetenzorientierung und, damit verbunden, vom kooperativen Lernen dominiert.

Nachdem nun die eingangs gestellte Frage bejaht wurde, gilt es zu fragen, wie denn eine islamische Fachdidaktik in diesem Kontext begründet werden kann?

Es liegt auf der Hand, dass die fertigen und in der Praxis ausprobierten didaktischen Konzepte, die für andere Religionen entwickelt wurden, nicht eins zu eins auf die islamische Religion übertragbar sind, da sie anderen theologischen sowie sozial-historischen Kontexten entstammen. Dennoch sollte man sich natürlich genau anschauen, was vor dem Hintergrund islamischer Befindlichkeiten von den Erfahrungen anderer Religionsdidaktiken übernommen werden kann; insbesondere, was Fragen nach dem Gottesverständnis, nach den islamisch legitimen Quellen, nach der Sinnsuche und nach den dafür erforderlichen Kompetenzen betrifft. Eine neu zu entwickelnde islamische Fachdidaktik sollte neben diesen Aspekten auch den Spannungsbogen zwischen Erfahrung und Offenbarung, Lebenswelt und Theologie, subjektiver Wahrnehmung und tradierter Religionberücksichtigen: Was macht der Pädagoge, wenn Lebens- und Glaubenserfahrungen nicht deckungsgleich sind bzw. sich sogar zu widersprechen scheinen? In diesem Zusammenhang spielt auch die Frage der Relativierung von Wahrheit und Wissen eine Rolle.

Was kann und soll Schule heute im Zuge der veränderten Lebenswirklichkeit der Schüler noch bewirken? Zur reinen Wissensvermittlung tut es auch Google. Insbesondere die digitale Welt hat das Lernvermögen der Kinder sehr verändert, nicht immer zum Guten. Eine neue islamische Fachdidaktik sollte auch unter Berücksichtigung neuester neurologischer Forschungen erarbeitet werden. Sie sollte eine gesunde Mischung aus Korrelationsdidaktik und konstruktivistischer (Tahkiq-)Didaktik darstellen und einen ganzheitlichen (Herz, Verstand und Hand) und sinnorientierten (Hikma-)Ansatz beinhalten.

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