Die Menschen lebten also damals in einer Gesellschaft, die von vielen individuellen und gesellschaftlichen Problemen geprägt war. Den Armen und Schwachen schenkte man keinerlei Beachtung; man behandelte sie ungerecht und unterdrückte sie rücksichtslos. In dieser Situation schickte Gott Seinen Propheten Muhammad.

Muhammad (wörtlich übersetzt: Verherrlichter, Gepriesener) wurde 571 in Mekka als Sohn von Abdullah und Amina geboren. Seine Abstammungslinie ist eine Nebenlinie des Stammes der Quraysch. Schon in jungen Jahren starben seine Eltern. Also wurde er zunächst von seinem Großvater Abdu l-Muttalib, dann von seinem Onkel Abu Talib, dem Vater des späteren Kalifen Ali, aufgezogen. In jungen Jahren hütete er die Herde seines Onkels, doch im Alter von 12 Jahren begleitete er Abu Talib einmal nach Syrien. Auf der Reise dorthin begegnete er in Busra, einer Stadt im Süden Syriens, dem christlichen Mönch Bahira. Bahira hatte den Heiligen Schriften entnommen, dass schon bald ein neuer Prophet zur Welt kommen würde, und erkannte sofort, dass der junge Muhammad alle Zeichen trug, die dieser Prophet aufweisen sollte. Er riet Abu Talib, ihn vor potenziellen Feinden zu schützen.

17 Jahre, nachdem Muhammad zu seinem Onkel gekommen war, führte er eine Karawane der reichen älteren Kaufmannswitwe Khadidscha nach Damaskus; noch im selben Jahr heiratete er sie. Aus ihrer Ehe gingen mehrere Kinder hervor, u.a. die Tochter Fatima, das einzige Kind Muhammads, das selbst Kinder hatte. Die beiden Söhne Qasim und Abdullah starben schon früh. Drei weitere Töchter hießen Zaynab, Ruqayya und Umm Kulthum.

Schon bevor Muhammad zum Propheten berufen wurde, genoss er das Vertrauen seiner Mitmenschen. Selbst die schwierigsten Probleme löste er mühelos, wie das folgende Beispiel belegt:

Schon in vorislamischer Zeit war die Kaaba das religiöse Zentrum der unterschiedlichen arabischen Stämme. Eines Tages – Muhammad war ca. 35 Jahre alt – richtete eine starke Überschwemmung große Schäden an der Kaaba an. Kurze Zeit brach obendrein ein Feuer aus, das das Heiligtum nahezu vollständig zerstörte. Es musste also abgerissen und neu wieder aufgebaut werden. Nach Beseitigung aller Aufbauten bis auf den Grundstein, den Abraham gelegt hatte, wollte man den Wiederaufbau einleiten. Dafür musste aber zunächst der heilige Schwarze Stein zurück an seinen Platz gebracht werden. Nun entbrannte ein heftiger Streit. Jeder Stamm beanspruchte für sich, diese ehrenhafte Aufgabe übernehmen zu dürfen. Als bereits die Schwerter gezückt wurden, schlug jemand, der gerade das Heiligtum betreten hatte, vor, man solle doch einen Schiedsrichter bestimmen.

In dem Moment näherte sich Muhammad. Stimmen wurden laut: „Da kommt Al-Amîn (der Vertrauenswürdige), nehmen wir ihn doch als Schiedsrichter!“ Niemand hatte einen Einwand, und man erklärte ihm, worum es ging. Da entledigte er sich seines Gewandes und breitete es auf dem Boden aus. Er legte den schwarzen Stein darauf und verlangte von den Stämmen, jeweils einen Vertreter zu benennen, der dann einen Zipfel des Gewandes ergreifen sollte. So hoben sie den Stein gemeinsam an und trugen ihn zu seinem Bestimmungsort. Dort entnahm ihn Muhammad dem Gewand und platzierte ihn dort, wo er hingehörte, womit das Problem auf friedliche Art und Weise gelöst war.

Quelle: Mertek, Muhammet (2012), Der Islam: Glaube, Leben, Geschichte, INID/Hamm.

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