Der Glaube, die Essenz der Religion, ist weit mehr als eine simple Bestätigung, die sich auf Imitation gründet. Er kennt Abstufungen und Phasen der Entwicklung und Entfaltung. Damit ähnelt er den Samenkapseln eines Baumes, die sich im Laufe der Zeit in voll ausgewachsene Obst tragende Bäume verwandeln. Der Glaube enthält so viele Gott und das Universum betreffende Wahrheiten, dass die perfekteste menschliche Wissenschaft, Erkenntnis und Tugend ein Glaube an bzw. ein Wissen um Gott ist, der bzw. das auf Forschung und Folgerung beruht. Diejenigen, die die Stufe der Gewissheit eines Glaubens erlangen, der sich aus direkter Beobachtung jener Wahrheiten speist, auf die sich der Glaube gründet, können das Universum als eine Art Schrift Gottes studieren.

Der Koran, das Universum und die Menschheit sind drei unterschiedliche Manifestationen einer einzigen Wahrheit. Daher existiert prinzipiell kein Widerspruch und keine Unvereinbarkeit zwischen den Wahrheiten des Korans (die Gottes Attribut Sprache entstammen) und den Wahrheiten, die sich aus dem objektiven Studium seines Gegenstücks, des erschaffenen Universums (das Gottes Attributen Macht und Wille entspringt), ergeben. Eine islamische Zivilisation, die ihrem authentischen ursprünglichen Impuls treu geblieben ist, kennt keinen Widerstreit zwischen Wissenschaft (dem objektiven Studium der Welt der Natur) und Religion (dem individuellen und sozialen Bemühen, das Wohlgefallen Gottes zu erlangen). Ein echter Glaube basiert nicht auf blinder Imitation, sondern appelliert vielmehr an Herz und Verstand des Menschen. Er kombiniert die Bestätigung durch den Verstand mit den inneren Erfahrungen und dem Gehorsam des Herzens. Said Nursi unterstreicht dies folgendermaßen:

„Der Glaube an Gott ist das höchste Ziel und das erhabenste Resultat; und der höchste Rang des Menschen ist das Wissen um Gott. Das strahlendste Glück und der lieblichste Gunstbeweis für Menschen und Dschinn ist die Liebe Gottes, die sich im Wissen um Gott verbirgt. Die reinste Freude des menschlichen Geistes und das hellste Vergnügen des menschlichen Herzens ist die spirituelle Ekstase, die die Liebe Gottes bereithält. Jedes wahre Glück, alle reinen Freuden, alle lieblichen Gunstbeweise und alle unbeschwerten Vergnügen stecken im Wissen um Gott und in der Liebe zu Ihm. (The Letters; London 1995; 2:1-2.)

 

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