Grab von Osman Gazi in Bursa/TR

Die osmanische Dynastie, die zunächst nur eines der kleinsten unter den türkischen Fürstentümern Anatoliens bildete, wurde 1299 von Osman in Sögüt gegründet. Zur Zeit Orhans, des Sohns Osmans, wurde Bursa zur Hauptstadt des Osmanischen Reichs.

Da sich die Osmanen an der Grenze zu Byzanz ansiedelten, kam es oftmals zu militärischen Auseinandersetzungen. Um sich besser vor den Byzantinern schützen zu können, mussten die Osmanen bis zum Balkan vorrücken. Militärische Erfolge dort ermöglichten den Osmanen das Erringen einer Vormachtstellung in Anatolien. Die Eroberung von Byzanz (Istanbul) durch Mehmed II. im Jahr 1453 besiegelte das Ende des Byzantinischen Reichs; Istanbul wurde zur Hauptstadt des Osmanischen Reichs. Sultan Mehmed II. galt als Förderer aller Wissenschaften, insbesondere des islamischen Rechts, der Mathematik und der Astronomie. Mit ihm begann der Aufstieg des Osmanischen Reichs.

Schaych Ismail, Führer der schiitischen Safawiden-Dynastie (1501-1524) im Iran, unternahm als Schutzherr der Schia Feldzüge gegen die Osmanen, wurde jedoch 1514 von Sultan Selim I. in der Schlacht von Caldiran (Armenien) besiegt. Den safawidischen Expansionsbestrebungen Westen wurde hier Einhalt geboten. 1516 nahm Selim I. bei der Schlacht bei Mardschi Dabiq Syrien ein, 1517 eroberte er mit dem Sieg in Ridaniya Ägypten und beendete damit die Herrschaft der Mamluken. Er ließ sich die Schlüssel der Kaaba von Mekka überreichen und kehrte als Kalif der islamischen Welt nach Istanbul zurück. Der gesamte arabisch-islamische Kulturkreis gehörte jahrhundertelang zum Einflussbereich des Osmanischen Reichs. Die Glanzzeit der Osmanen war die Herrschaftszeit von Sultan Süleyman dem Prächtigen (1520-1566). Nach dem Tod des Großwesirs Sokullu Mehmed Pasa (1579) stagnierte das Osmanische Reich über 100 Jahre lang.

Von 1579 bis zur zweiten Belagerung Wiens (1683) verschlechterte sich zunächst die soziale und wirtschaftliche Struktur des Reichs. 1699 schlossen die Osmanen im Abkommen von Karlowitz einen Pakt mit den Russen, bei dem sie ihre erste bedeutende diplomatische Niederlage erlitten und größere Gebiete verloren.

Unruhe machte sich im Staatswesen breit. Während der Tulpenära (1718-1730) versuchte man, Reformen zur Stabilisierung der Staatsfinanzen durchzuführen. Unter Ibrahim Pasa, Großwesir des Sultans Ahmed III., öffnete man sich auch für westliche kulturelle Einflüsse. Der osmanische Staatsmann Ibrahim Müteferrika nahm 1727 die erste türkische Druckerpresse in Betrieb. Der langsame Abstieg des Osmanischen Reichs setzte sich bis zum Vertrag von Jassy (1792) fort. Mit diesem Vertrag verlor man das nördliche Schwarzmeerufer und die Krim an Russland. Ein Phase des Zerfalls begann. 1839 wurde durch Sultan Mahmud II. das Manifest einer neuen Ordnung (Tanzimat Fermani) proklamiert, das vorsah, den Westen zum Vorbild zu nehmen und ihm vor allem in militärischen Belangen nachzueifern. Die Französische Revolution von 1789 hatte in Europa zu Reformen von Militär, Regierung und Verwaltung geführt. Außerdem waren auf den Gebieten des Osmanischen Reichs wie z.B. in Nordafrika und auf dem Balkan unabhängige Nationalstaaten gegründet worden. Das Osmanische Reich musste auf diese neuen Herausforderungen reagieren, wollte es seinen Rang als Großmacht des Orients sichern. Daher war die Entwicklung im Osmanischen Reich seit dem 18. Jahrhundert von Bemühungen gekennzeichnet, der Herausforderung des aufstrebenden Europas in Wirtschaft, Technik und Kultur durch wirtschaftliche Anpassung und Reform der Institutionen zu begegnen. Gerhard Endreß stellt in seinem Werk “Der Islam. Eine Einführung in seine Geschichte” fest: “Seit der Wende zum 19. Jahrhundert setzt eine Entwicklung ein, in deren Verlauf die gesamte islamische Welt neue politische Grenzen und Strukturen erhält. Der politische und wirtschaftliche Angriff Europas wird bestimmend für die innere Entwicklung der islamischen Völker.” Als Schlusspunkt dieser Entwicklung fiel das Osmanische Reich, das über 600 Jahre durch eine Familie fortbestehen konnte, nach dem 1. Weltkrieg 1918 endgültig auseinander.

Das Osmanische Reich hat viele Wissenschaftler und Dichter hervorgebracht, die einen großen Beitrag zur türkisch-islamischen Zivilisation geleistet und großartige Werke hinterlassen haben.

Stellvertretend seien hier genannt:

  • Ulug Beg, 1392-1449, lebte in Samarkand; bekannt durch seine Forschungen über Mathematik und Astronomie..
  • Ali Kuscu, gest. 1474, großer Astronom und Mathematiker..
  • Takiyüddin Rasid, 1526-1585, einer der berühmtesten Mathematiker und Astronomen; auch seine Werke in anderen Wissenschaftszweigen wie Medizin, Zoologie und Optik sind von Bedeutung.
  • Ibn Kemal, 1469-1534, verfasste wertvolle Werke in den Bereichen Islamisches Recht, Literatur, Geschichte und Sprachwissenschaft.
  • Ebu Suud Efendi, großer Rechtsgelehrter, lebte im 16. Jhd.
  • Zembilli Ali Efendi, gest. 1526, großer islamischer Rechtsgelehrter.
  • Piri Reis, berühmt durch seine Weltkarte von 1513.
  • Sinan, gest. 1588, Architekt und Erbauer der Süleyman-Moschee in Istanbul und der Selim-Moschee in Edirne.
  • Davud al-Antaki, 1544-1600, großer Gelehrter; verfasste in fast allen Bereichen der Wissenschaft wertvolle Werke, besonders im Bereich der Medizin.
  • Baki, gest. 1600, großer türkischer Dichter; sein Werk bildete den Höhepunkt der klassischen türkischen Lyrik.
  • Naf’i, gest. 1635, ebenfalls ein großer türkischer Dichter.
  • Itri, 1640-1712, ein weiterer türkischer Dichter; berühmt auch durch seine klassischen Musikstücke.
  • Katib Celebi, gest. 1658, berühmter Kosmograph und Enzyklopädist.
  • Evliya Celebi, gest. 1684, Verfasser eines bedeutenden Reiseberichtes über das Osmanische Reich und seine Nachbarländer.

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