Der Islam respektiert die vor seiner Zeit offenbarten Botschaften Gottes an die Menschen.

Und die an das glauben, was auf dich und vor dir herab gesandt wurde… (2:4)

Mit dem Koran erhielten die Muslime Richtlinien, die das Zusammenleben mit Angehörigen verschiedener Religionen regeln:

Wahrlich, diejenigen, die glauben, und die Juden, die Christen und die Sabäer, wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt und Gutes tut – diese haben ihren Lohn bei Ihrem Herrn und sie werden weder Angst haben noch werden sie traurig sein. (2:62)

Der Koran befasst sich auch mit den Gebeten der Propheten, die im Alten und im Neuen Testament erwähnt werden. Die Gebete der Propheten Noah, Abraham, Josef, Jonas, Zacharias, Jesus und anderer werden anerkannt. Als Beispiel möchte ich hier einige solcher Bittgebete von früheren Propheten vorstellen. Das Bittgebet Abrahams im Koran lautet:

Und damals sagte Abraham:

“Mein Herr, mache diese Stadt zu einer Stätte des Friedens, und bewahre mich und meine Kinder davor, die Götzen anzubeten. Mein Herr, sie haben viele Menschen irregeleitet. Wer mir nun folgt, der gehört sicher zu mir; und wer mir nicht gehorcht – siehe, Du bist verzeihend, barmherzig. Unser Herr, ich habe einen Teil meiner Nachkommenschaft in einem unfruchtbaren Tal nahe bei Deinem heiligen Haus [gemeint ist: bei der Kaaba in Mekka] angesiedelt, o unser Herr, auf dass sie das Gebet verrichten mögen. So mache ihnen die Herzen der Menschen zugeneigt, und versorge sie mit Früchten, damit sie dankbar sein mögen. Unser Herr, Du weißt, was wir verbergen und was wir offen kundtun. Und vor Allah ist nichts verborgen, ob auf Erden oder im Himmel. Alles Lob gebührt Allah, der mir ungeachtet des Alters Ismael und Isaak geschenkt hat. Wahrlich, mein Herr ist der Erhörer des Gebets! Mein Herr, hilf mir, dass ich und meine Kinder das Gebet verrichten. Unser Herr, und nimm mein Gebet an. Unser Herr, vergib mir und meinen Eltern und den Gläubigen am Tag der Rechenschaft.”(14:35-41)

Das Bittgebet Moses im Koran:

…Mein Herr, gib mir die Bereitschaft dazu, und erleichtere mir meine Aufgabe, und löse den Knoten meiner Zunge, damit sie meine Rede verstehen mögen. Und gib mir einen Beistand aus meiner Familie mit, Aaron, meinen Bruder, mit dem ich meine Kraft steigere; und lass ihn an meiner Aufgabe teilhaben, auf dass wir Dich oft preisen mögen und Deiner oft gedenken; denn Du kennst uns am besten. (20:25-35)

Das Bittgebet Jesu im Koran:

Da sagte Jesus, der Sohn der Maria: “O Allah, unser Herr, sende uns einen Tisch (mit Speise) vom Himmel herab, auf dass er ein Fest für uns sei, für den Ersten von uns und für den Letzten von uns, und ein Zeichen von Dir; und versorge uns, denn Du bist der beste Versorger.” (5:114)

Im Koran werden Klöster, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen häufig der Name Gottes genannt wird, in einem Atemzug genannt:

…Und wenn Gott nicht die einen Menschen durch die anderen zurückgehalten hätte, so wären gewiss Klöster, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen der Name Gottes oft genannt wird, niedergerissen worden. Und Gott wird sicher dem beistehen, der Ihm beisteht… (22:40)

In einem von vielen Bittgebeten des Propheten Muhammad heißt es:

O Gott, ich nehme Zuflucht zu Dir vor einer unersättlichen Seele, vor einem Herzen, das nicht demütig ist, vor Anbetung, die Du nicht annimmst, und vor Gebeten, die nicht erhört werden; und ich nehme Zuflucht bei Dir vor dem Übel des Kummers und dem Aufruhr des Herzens. (Bukhari, Muslim)

Bei jedem Pflichtgebet rezitiert der Muslim auf Arabisch auch folgendes Bittgebet:

O Allah, gib Deinen Segen Muhammad und den Angehörigen Muhammads, wie du Deinen Segen Ibrahim und den Angehörigen Ibrahims gegeben hast! Wahrlich, Du bist der Lobwürdige, der Ruhmvolle.

O Allah, segne Muhammad und die Angehörigen Muhammads, wie du Ibrahim und die Angehörigen Ibrahims gesegnet hast! Wahrlich, Du bist der Lobwürdige, der Ruhmvolle. (Bukhari, Muslim)

Der Islam widersetzt sich dem gemeinsamen Gebet mit Angehörigen anderer Religionen nicht, sondern begrüßt es vielmehr. Schließlich spricht man in den Bittgebeten aller drei großen Offenbarungsreligionen von Gott und Seinem Willen, und man wendet sich in seinen Nöten und mit seinen Wünschen allein an Ihn. Nichts geschieht ohne Gottes Willen. Er allein weiß in jeder Situation, was für den Menschen das Beste ist – wie es ein türkisches Lied schön auf den Punkt bringt:

Lass uns sehen, was Gott tut,
Was Er macht, das macht Er gut.

In einem christlichen Lied heißt es:

Danket Gott, denn Er ist gut,
Gut ist alles, was Er tut.
Große Danklitanei, Psalm 136

Quelle: Mertek, Muhammet (2012), Der Islam: Glaube, Leben, Geschichte, INID/Hamm.

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