Wer eine beliebige Religion, eine Ideologie oder eine Philosophie dem Verdacht, mit dem Phänomen Terrorismus in Verbindung zu stehen, aussetzt, sollte schon harte Fakten vorgelegen können, mit denen er seinen Verdacht untermauern kann. Seit 1992 bezeichnet die westliche Welt den Islam und die Muslime als ‚die Anderen‘. Und seit den Attacken vom 11. September streben die USA und ihre Unterstützer unter dem Vorwand der Verfolgung eines ‚islamischen Terrorismus‘ eine weltweite Dominanz an. An Orten, an denen Muslime leben, haben sie – nie zum Vorteil für den Islam oder die Muslime – seitdem viele Operationen durchgeführt. Jeder, der im Terrorismus etwas Positives zu sehen versucht, sollte also wissen, dass dieser lediglich den Gegnern des Islam dient, keinesfalls aber dem Islam selbst.

Schon der Begriff islamischer Terrorismus ist völlig unangebracht. Al-Qa’ida-Terrorismus wäre viel treffender. Wer tatsächlich von einem islamischen Terrorismus sprechen wollte, müsste beweisen, dass die Prinzipien des Islam das Töten unschuldiger Menschen zu politischen Zwecken erlauben. Dies jedoch ist nicht möglich. Nicht eine einzige Ausnahme, nicht ein einziges Beispiel rechtfertigen ein solches Töten. Im wahrsten Sinne des Wortes ist der Islam die Religion des Friedens, des Glücks und der Sicherheit. Und auch all seine Prinzipien gründen auf Frieden und Sicherheit. Natürlich kennt der Islam ein Recht auf Selbstverteidigung und erlaubt einen gerechten und fairen Kampf. In jedem Fall verbietet er aber das Töten unschuldiger Menschen – unabhängig davon, welchem vermeintlichen Zweck dies auch dienen soll. Jede Form von Terrorismus ist unrechtmäßig und ein Verbrechen gegen die Menschheit. Egal von wem und wofür sie organisiert wurde – jede terroristische Attacke ist sowohl ein Verbrechen als auch eine Sünde. Eine Gruppe, die solche Attacken ausführt, verwandelt sie nicht dadurch in gute Taten, dass sie sie als islamisch bezeichnet. Im Gegenteil, sie missbraucht die Religion.

Viele Menschen missverstehen eine Religion und leiten falsche Schlüsse aus ihr ab. Dieses gibt umgekehrt aber niemandem das Recht, aus dem Handeln von Terroristen auf die Grundprinzipien dieser Religion zu schließen. Die Menschen, die bei den Bombenattentaten von Istanbul zu Tode kamen, waren Unschuldige. Keines dieser Attentate hat auch nur das Geringste mit dem Islam oder dem Muslim-Sein zu tun. Denn eine Tat, die auf ganz gewöhnliche Menschen, unschuldige Muslime auf dem Weg nach Haus oder zur Arbeit und Betende in einer Synagoge, zielt und sie tötet, kann nie und nimmer das Prädikat ‚islamisch‘ für sich beanspruchen.

Diejenigen, die darauf beharren, den Begriff islamischer Terrorismus zu verwenden,  haben einen geheimen Plan. Zu dem von ihnen beschworenen Zusammenprall der Zivilisationen, der angeblich auf internationaler Ebene stattfinden soll, kann es nämlich nur dann kommen, wenn dieser Ausdruck tief im Bewusstsein der Menschen verankert wird. In der islamischen Welt können despotische Regime, die ihre politischen Gegner misshandeln, ihre von Unrecht, Unterdrückung und Korruption geprägten Systeme aufrecht halten, wenn sie nur behaupten, sie würden den islamischen Terrorismus bekämpfen.

Die Verknüpfung von Terrorismus und Islam macht Millionen von Muslimen in der ganzen Welt und insbesondere im Westen zur Zielscheibe von Hass. Sie ebnet den Weg für eine neue Form von Rassismus und Diskriminierung. Besonders in Frankreich stecken hinter den kompromisslosen Standpunkten in der Kopftuchfrage und hinter den Attacken auf Moscheen Gefühle, die durch den Begriff islamischer Terrorismus aufgestachelt worden sind.

Der Begriff islamischer Terrorist hat einen Bumerangeffekt. Er fliegt und fliegt und trifft schließlich Menschen, die überhaupt keine Muslime sind, sondern nur den Namen Muslim tragen.

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